weather-image
14°
Christine Gleiss ist freischaffende Theaterpädagogin und studiert derzeit ein außergewöhnliches Werk ein

Was den besonderen Reiz an diesem Stück ausmacht

Hameln. „Eigentlich heiße ich Tim. Ich bin aber Schauspieler. Da heiße ich Harry“, sprudelt es aus dem Mann heraus. Die ihn kennen, wundern sich, denn an und für sich spricht er kaum. Hier und da mal einen unvollständigen Satz und dann nur in vertrauter Umgebung. Jetzt wirkt der Mann mit Down Syndrom offen und ein wenig stolz.

veröffentlicht am 02.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 17:41 Uhr

270_008_4394744_hm303_0311.jpg

Autor:

Wolfhard Schlaszus
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Der 40-Jährige ist Mitglied der zwölfköpfigen Theatergruppe, mit der die freischaffende Hamelner Theaterpädagogin Christine Gleiss (45) ein kurzes Theaterstück einstudiert. Alle Mitwirkenden sind Bewohner der „Betreuten Wohnstätten der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Hameln-Pyrmont“. Das Integrative Café der Lebenshilfe dient als Proberaum. Kreatives, lebendiges Durcheinander herrscht. Jede und jeder der Behinderten ist ein ausgeprägter Individualist.

„Spaß ist ein wichtiger Motivator bei dieser Arbeit“, sagt Gleiss. Ziel ist es, dem Handicap jedes Einzelnen gerecht zu werden, die vorhandenen Fähigkeiten zu unterstützen, auszubauen und ins rechte Licht zu rücken. Der Stolz, sich selbst überwunden zu haben, durch fortwährendes Üben Erfolge zu erzielen, stärke das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit der Teilnehmer. Neben dem Spaß sei ein großer Ansporn, sich selbst einiges abzuverlangen. Behinderte wollen kein Mitleid. Sie wollen, dass ihre Leistung und ihre Persönlichkeit anerkannt werden.

Die Arbeit mit Behinderten verlangt ein Höchstmaß an Kreativität. Viele können nicht lesen, zum Teil nicht zählen und es liegen motorische Einschränkungen vor. „Aber genau das ist es, was den besonderen Reiz ausmacht. So bin ich immer wieder gefordert, mich zu hinterfragen, wach und flexibel zu sein und mich selbst nicht zu ernst zu nehmen“, meint Gleiss. Außer Theaterpädagogik bietet sie in ihrer Hamelner „Spielwerkstatt“ Kurse für Schauspielerei, Gewaltprävention und Kommunikations- und Kooperationstraining an.

„Nicht mit uns!“ Das ist der Titel des Films von Gleiss mit Bewohnern der „Lebenshilfe“. Inhalt des Streifens ist die Rettung eines Tierheims vor dem Ruin. Mit großem Erfolg wurde der Film vor einigen Wochen in der „Sumpfblume“ vorgestellt. Jetzt wird die Groteske „Aschenbrödel“ mit viel Freude und Engagement geprobt und erarbeitet. Dabei wird Gleiss durch die Heilpädagogin Angela Wehrhahn von der „Lebenshilfe“ unterstützt. Die Schauspieler tragen schrille Perücken, so als wollen sie sagen: „He, schaut uns an – da sind wir!“

Ein Video gibt es unter www. dewezet

Christine Gleiss: „Spaß ist ein wichtiger Motivator bei dieser Arbeit.“ Foto: Schlaszus



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt