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Zum Schutz der neuen Fußgängerzone: Kein Salz, kein Besen, keine Lasten

Was Anlieger alles nicht dürfen

Hameln. In Baden-Württemberg gibt es die berühmte Kehrwoche: Dort fegen die Einwohner – mal mehr, mal weniger freiwillig – Straßen und Gossen regelmäßig zum Wochenende sauber. In Hameln soll das anders sein, jedenfalls in der sogenannten „guten Stube“, der Fußgängerzone: Dort sollen die Anlieger ausdrücklich nicht fegen.

veröffentlicht am 13.05.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 01:41 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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In einem Schreiben, das von der Firma Boymann GmbH und Co. KG als bauausführendem Unternehmen bei der Sanierung und von Stadtplanerin Michaela Klank von der Stadtverwaltung unterzeichnet worden ist, werden den Anliegern von Oster- und Bäckerstraße „Pflege- und Reinigungshinweise“ zu den neuen Natursteinpflaster-Flächen gegeben. Damit, so heißt es, solle vermieden werden, dass diese Flächen in ihrer Struktur geschwächt oder beschädigt werden. In diesem Zusammenhang bedankt sich das Unternehmen auch für „die Geduld und Unterstützung“ der Anlieger während der Bauarbeiten, die sich langsam ihrem Ende nähern. „Im Ergebnis hat sich der Aufwand gelohnt, die Fußgängerzone hat an Attraktivität gewonnen“, heißt es.

Im Einzelnen sollen die Betreiber von Geschäften und Gastronomie auf Wunsch der Unterzeichner Folgendes vermeiden:

das Aus- und Abfegen der Fugen, denn eine Fuge benötige eine dreimonatige Aushärtungszeit, um Stabilität aufzubauen;

Kippen in den Fugen: Sie müssen per Hand aufgesammelt werden.

das Abfegen von Fugenmaterial in die Entwässerungsrinnen, denn der Abfluss von Oberflächenwasser werde dadurch verhindert, Material gerate in die Rohrleitungen;

die punktuellen Belastungen, denn das Aufstellen von schweren Lasten und Geräten ohne Lastverteilungsplatten beschädige das Pflaster;

das Einbringen von Befestigungsmaterial, denn zum Beispiel durch Erdanker würden Fugen und Pflasterflächen beschädigt;

die Verwendung von Streusalz – im Winter solle nur Splitt benutzt werden.

Boymann weist außerdem darauf hin, dass man auf den Pflasterflächen einen Rest Fugenmaterial belasse. „Diese Rückstände werden sich auf Dauer in den Fugen einlaufen und diese nachhaltig festigen. Bitte entfernen Sie dieses Material nicht von der Fläche“, heißt es abschließend.

Der Vorschlag mit den Pflegehinweisen wird sicher nicht auf allgemeine Begeisterung stoßen. Das weiß auch Thomas Wahmes, Sprecher der Stadt Hameln. Aber: „Es geht nun mal nicht anders, denn wir sind in einer Übergangsphase“, sagt er. Besonders die Zigarettenkippen sind es, die sich in den Fugen sammeln. Und die, so der Stadtsprecher, müssten für einen gewissen Zeitraum nun mal mit der Hand aufgesammelt werden, jedenfalls so lange, bis die Fugen ausgehärtet seien. Wahmes: „Würde man hier mit einem Besen kehren, würde genau das passieren, was nicht passieren soll – das Fugenmaterial würde wieder rausgefegt. Also müsste nachgefüllt werden, und alles begänne wieder von vorn.“ Irgendwann aber, sagt er, sei auch der Prozess des Aushärtens beendet. Ob Anlieger sich für die Übergangszeit eine Greifzange für den Müll in den Fugen anschaffen, das bleibe jedem selbst überlassen.

Stadtmanager Dennis Andres weiß zwar, dass die Stadt darauf achten muss, dass die neue Fußgängerzone sauber gehalten wird, sieht darin aber kein großes Problem. Auch wenn der derzeitige Zustand nicht für alle Anlieger ideal sei: „Am Pferdemarkt sieht es doch schon gut aus“, sagt er.

Holger Wellner, Anlieger in der – vorerst noch nicht sanierten – Ritterstraße und Sprecher des Einzelhandels, glaubt zwar, dass stellenweise recht locker gefugt wurde, betrachtet sich aber nicht als Experte. Das Problem mit den vielen Zigarettenkippen in den Fugen sieht der Handelssprecher im Gegensatz zu manchen anderen gelassen. Wellner, der sich zurzeit in Istanbul befindet: „Dagegen liegt man in der Stadt Hameln recht gut in Sachen Sauberkeit.“ Sein Vater Horst hingegen, Vorsitzender des Stadtmarketing-Vereins und selbst Raucher, hätte sich von der Stadt „ein paar schlanke Aschenbecher“ in der Innenstadt gewünscht. Denn die Papierkörbe seien zur Entsorgung nicht geeignet – sie würden zu schnell Feuer fangen. Die jetzige Lösung, so glaubt er, „hat sich wohl ein Nichtraucher ausgedacht“.



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