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Ehemaliger Übungsplatz an der Weser wird bereits heute genutzt – legal ist das allerdings nicht

Warum Upnor vorerst ein Luftschloss bleibt

HAMELN. 23 Hektar groß, direkter Zugang zur Weser, saftige Wiesen: Der ehemalige Truppenübungsplatz Upnor ist genau das, was vielen Hamelnern in ihrer Stadt fehlt. Dennoch wird er seit vier Jahren nicht genutzt und darf von der Öffentlichkeit nicht betreten werden. Warum öffnet man das Gelände nicht für die Hamelner?

veröffentlicht am 16.05.2018 um 15:40 Uhr

Blick auf Upnor von oben: Das Gelände wird bereits heute betreten und genutzt – allerdings illegal. Foto: wfx/Archiv
Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Ein Sommertag in Hameln. Den ganzen Tag haben die Kinder im flachen Wasser des Weser-Seitenarmes gespielt, haben Matsch-Burgen gebaut, waren schaukeln und Fußball spielen. Nun kehren sie hungrig zur Liegewiese zurück. Und jetzt? Wirft man im Grillbereich ein paar Würstchen auf den Rost, bevor die Sonne hinter Weser und Klütwald untergeht … So beschreibt die Stadt Hameln die Zukunft des ehemaligen britischen Truppenübungsplatzes Upnor an der Fischbecker Landstraße auf ihrer Internetseite. Dort nämlich, auf dem knapp 23 Hektar großen Areal an der Weser, soll in einigen Jahren der „Weserfreizeitpark Upnor“ entstehen, ein Naherholungsgebiet mitten in der Stadt – mit Basketballflächen, Lauf- und Fahrradwegen, Volleyball- und Fußballplätzen, Grillhäuschen und Picknickwiesen, mit Badestelle und Bootsanleger, mit Wohnmobilstellplatz, Kiosk und sogar einem Hundestrand.

„In einigen Jahren“ heißt: Erst mal muss die Stadt das verlassene ehemalige Militärgelände vom Bund kaufen. Wann das geschehen wird, ist noch nicht geklärt. Auch die Finanzierung des Weserfreizeitparks, der laut dem Mindener Planungsbüro Sönnichsen & Partner schätzungsweise 5,3 Millionen Euro kosten wird, ist: bislang noch nicht geklärt. Ob am Ende vielleicht sogar der Naturschutz einen Strich durch die Freizeitpark-Pläne machen könnte – auf der gegenüberliegenden Weserseite befindet sich ein Vogelschutzgebiet: bislang noch nicht geklärt. Der Sommertag an der Weser wird wohl noch eine ganze Weile ein schöner Traum bleiben.

Dennoch: Auf dem Upnor-Gelände joggen, mit dem Rad oder auf Inline-Skates fahren, grillen, das alles wird bereits heute gemacht: Auf beiden Seiten der großen Fläche, die den Briten einst als Wasserübungsgelände diente, befinden sich seit geraumer Zeit mannshohe Löcher im Absperr-Zaun. Jeder, der das Gelände betreten will, kann dies tun, ohne sich auch nur zu bücken oder klettern zu müssen. Juristisch betrachtet begeht man damit Hausfriedensbruch: Bei Upnor handelt es sich um ein sogenanntes befriedetes Gelände, der Zaun, der es umgibt, signalisiert deutlich, dass eine öffentliche Nutzung ausdrücklich nicht erwünscht ist. Ob der Zaun Lücken aufweist, ist hierbei unerheblich; eine Einfriedung kann zum Beispiel auch aus einer durchlässigen Hecke bestehen. Aber: Zuständig für das Gelände ist die Eigentümerin, und das ist zur Zeit noch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Und die hat, zumindest bisher, noch kein unerlaubtes Betreten des Upnor-Geländes geahndet. „Wer das Gelände trotzdem betritt, handelt also widerrechtlich und auf eigenes Risiko“, teilt Hamelns Stadtsprecher Thomas Wahmes auf Anfrage mit. „Wir appellieren daher an die Nutzer, das Gelände künftig nicht mehr zu betreten.“

Upnor von der anderen Weserseite aus gesehen: direkter Zugang zur Weser, saftige Wiesen und Bäume. Foto: Wal
  • Upnor von der anderen Weserseite aus gesehen: direkter Zugang zur Weser, saftige Wiesen und Bäume. Foto: Wal

Grundsätzlich, auch das erfährt man auf der städtischen Internetseite, hält die Stadt Hameln viel von der Idee, das Gelände „erst mal so, wie es ist“ zu öffnen – ohne es vorher herzurichten, ohne einen Freizeitpark anzulegen. „Besucher könnten die Fläche dann begehen und nutzen“, heißt es – so, wie sie es schon heute tun, nur legal. Mit Beginn der Arbeiten für den „Weserfreizeitpark Upnor“ würde das Gelände dann wieder geschlossen werden. Grundvoraussetzung ist allerdings, dass die Stadt im Besitz der Fläche ist – und das kann noch dauern: Zwar befände sich die Stadt grundsätzlich mit der Bima „zu allen Konversionsflächen in kontinuierlichen Gesprächen“, heißt es aus dem Rathaus. Allerdings müssten beim Kauf Prioritäten gesetzt werden, und wenn die Stadt für ein Bauprojekt noch verschiedene Fördergelder akquirieren möchte, geht dies nur, wenn die Planungen den Luftschloss-Status bereits hinter sich gelassen haben. Heißt: Es werden zunächst die Flächen von der Bima gekauft, „bei denen die Planungen bereits fortgeschrittener und somit so konkret sind, dass eine Umsetzung der Planungen unmittelbar bevorsteht – Beispiel Linsingen-Kaserne, Bailey-Park“, sagt Stadtsprecher Wahmes. Für das Upnor-Gelände müssten unter anderem noch viele fachliche Fragestellungen geklärt werden. „Ein Erwerb der Flächen kann auch erst dann erfolgen, wenn die Bima ein Verkehrswertgutachten erstellt hat“, so Wahmes weiter.

Mein Standpunkt
Wiebke Kanz
Von Wiebke Kanz

Klar, Sportflächen, Grillhütten und eine Badestelle mit sanft abfallendem Ufer klingen toll. Den meisten Hamelner würde es aber schon genügen, überhaupt eine Freizeitfläche an der Weser zu haben, die sie –legal – nutzen können. Hier ist sie – innenstadtnah, weitläufig, grün, und vor allem: schon gut so, wie sie ist. Schade, dass die Nutzung trotzdem noch lange nicht in Aussicht ist.



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