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Schuleingangsuntersuchung: In Hameln-Pyrmont weit mehr Kinder mit „Auffälligkeiten“ als in Schaumburg

Warum schneiden die Kinder im Landkreis so schlecht ab?

HAMELN-PYRMONT. Zunächst die Zahl, die erschreckt: 35,6 Prozent. Nur etwas mehr als ein Drittel der Kinder, die für das aktuelle Schuljahr vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst in Hameln-Pyrmont untersucht wurden, war nach Einschätzung der Ärzte „ohne Auffälligkeiten“ und erhielt eine „uneingeschränkte Empfehlung“ für die Schule – weniger als beispielsweise im Jahr 2015 (46,2 Prozent; wir berichteten). Die Zahl, die verwundert: 62 Prozent. So viele Kinder erhielten in Schaumburg die uneingeschränkte Empfehlung. Was bis jetzt nicht aufzuklären war: Ob die Landkreise unterschiedliche Kategorien für die Bewertung „uneingeschränkte Empfehlung“ einbeziehen.

veröffentlicht am 05.12.2018 um 18:34 Uhr

Lange hüpfen kann doch jedes Kind? Stimmt nicht, wie sich bei Schuleingangsuntersuchungen oft herausstellt. Foto: dpa
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Dennoch, auch ein Blick auf die Auswertungen des Vorjahres 2017 zeigt: Die Ergebnisse für die Hameln-Pyrmonter Kinder lagen in mehreren Bereichen unter dem Landesdurchschnitt; in anderen dagegen schnitten sie besser ab. Eine Statistik, aus der hervorgeht, welchen Rang die Gesundheitsämter der Kommunen mit ihren Untersuchungsergebnissen auf Landesebene einnehmen, gibt es für die Öffentlichkeit nicht. Ausführliche Auswertungen der Teilbereiche und Einschätzungen zur Gesamtsituation jedoch sind Gegenstand des Berichts „Kindergesundheit im Einschulungsalter“, der alle zwei Jahre und zuletzt für 2017 veröffentlicht wurde.

Unter dem Landesdurchschnitt bei der Einstufung „ohne Auffälligkeiten“ blieb Hameln-Pyrmont demnach in den Bereichen Sehvermögen (69,1 Prozent im Vergleich zu 75,8 Prozent im niedersächsischen Durchschnitt und zu 74,4 Prozent in Schaumburg), grobmotorische Entwicklung (73,4 Prozent/79 Prozent Land/74,4 Prozent SHG) und Feinmotorik (71,4 Prozent/73,6 Prozent/56,2 Prozent). Beim Sprachvermögen lagen die Hameln-Pyrmonter mit 66,7 Prozent ohne Auffälligkeiten wiederum über dem Landesdurchschnitt von 57,2 Prozent und von 47,1 Prozent in Schaumburg – trotz eines hohen Anteils an Kindern mit Migrationshintergrund, verglichen mit Schaumburg. Dort stammten 81,2 Prozent aus Deutschland, in Hameln waren es nur 76,6 Prozent.

Eine Einordnung der Ergebnisse seitens des Landkreises Hameln-Pyrmont steht noch aus. Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) erklärt auf Anfrage, dass es zwischen den Kommunen und auch innerhalb eines Gesundheitsamtes zu einer gewissen „Varianz der Daten“ kommen kann, sprich: Arzt A bewertet anders als Arzt B. Diese Varianz hat aber offenbar Grenzen: „Dass allerdings ein Kind ,ohne Auffälligkeiten’ in einem anderen Landkreis als ein Kind mit ,sonderpädagogischem Förderbedarf’ eingeschätzt wird, ist unserer Einschätzung nach sehr unwahrscheinlich.“ Hameln-Pyrmont ist nicht allein – im ganzen Land gibt es Handlungsbedarf: „Angesichts der vielen Auffälligkeiten im Bereich der Sprache, der Feinmotorik und des Verhaltens stellt sich die Frage, ob und wie Kinder künftig besser in ihrer Entwicklung unterstützt werden können.“

Die Frage stellen sich auch Schulleiter, die mit den Kollegen täglich Kindern ohne und jenen mit (teils erheblichen) Auffälligkeiten gerecht werden sollen. Vor allem in der „Wahrnehmung“ und „Konzentrationsfähigkeit“ macht ein Schulleiter, der namentlich nicht genannt werden möchte, bei immer mehr Kindern Defizite aus. Gespräche mit den Eltern, Hinweise auf Hilfe durch Ärzte, Berater, Therapeuten folgen. Und wenn das nicht hilft? „Unser Problem ist: Wo soll das Kind dann hin?“, sagt der Schulleiter mit Blick auf nicht vorhandene Förderschulen für manche Belange. Manchmal „sind wir ratlos“. „Frühzeitig“ müsste den Kindern geholfen werden, denn „unser Problem ist: Sie sind dann erst mal da“, sagt er über Kinder, die eingeschult werden, obwohl ihnen der Kindergarten noch guttäte. Und dann versuche er auch, sie so lange wie möglich zu halten und zu fördern.



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