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Straßenname „Am Bailey Park“: Historiker Bernhard Gelderblom übt Kritik

„Warum kein Zeichen für den Frieden?“

HAMELN. Ein Vorschlag, ein Gegenvorschlag, kurze Diskussion: Am Ende sprach sich die Hamelner Politik – wie schon zuvor die Verwaltung – dafür aus, die geplante Erschließungsstraße auf dem ehemaligen Britengelände „Am Bailey Park“ zu taufen. Keine gute Wahl, findet der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom.

veröffentlicht am 03.05.2019 um 13:45 Uhr
aktualisiert am 03.05.2019 um 20:00 Uhr

Erste Vorarbeiten laufen: Auf dem ehemaligen Britengelände Bailey Park sollen Wohnhäuser entstehen. „Am Bailey Park“ soll die Erschließungsstraße heißen. Historiker Bernhard Gelderblom hält das für keine gute Namenswahl. Foto: Dana
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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HAMELN. Gelderblom regt an: „Warum setzen wir – in einer Zeit, die zunehmend unfriedlich ist – an diesem Ort nicht ein Zeichen für den Frieden – im Gedenken an die Opfer, die der Krieg gefordert hat?“

Donald Coleman Bailey, Namensgeber des britischen Depotstandtorts am Reimerdeskamp und so indirekt auch der Straße im neuen Wohngebiet, entwickelte die später nach ihm benannte Bailey-Brücke entscheidend weiter (siehe Kasten). „Über 2000 Exemplare dieser Brücke sollen nach britischen Angaben aufseiten der Alliierten im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz gekommen sein“, erklärt Gelderblom und betont: „Auch eine derartige Brücke ist ein Werkzeug des Krieges.“

Gelderblom verweist auf Hamelns „sehr lange Tradition als Militärstandort“ – von der Festung der Welfen im 17. Jahrhundert über preußische Zeiten bis zum Zweiten Weltkrieg und die britischen Stationierungen danach. Der ehemalige Geschichtslehrer fragt: „Warum halten wir die glücklich überwundene militärische Nutzung der Fläche in der Namensgebung für eine Straße fest?“ Zudem sei der Name Bailey „der Bevölkerung bisher nicht vertraut und von Park kann weder bisher noch künftig die Rede sein“.

Gelderblom greift den Antrag der FDP-Ratsfraktion auf. Diese habe „zu Recht“ das Fehlen von Frauennamen auf Hamelns Straßenschildern bemängelt. Der Historiker verweist darauf, dass „infolge und im Schatten des Krieges“ gerade auch Frauen und Kinder ums Leben gekommen sind. „Kriegerdenkmäler nennen ihre Namen nicht.“ Zwangsarbeiterinnen wurden in die Stadt deportiert – nicht wenige starben hier. Jüdinnen, politisch missliebige Personen, Frauen und Mädchen mit Behinderungen wurden in Konzentrationslager verschleppt und ermordet. Gelderblom nennt drei Namen als Vorschläge für eine Straßentaufe:

  • Else Klecha: Sie wurde 1919 geboren und starb am 14. März 1945 bei einem Bombenangriff, der dem Hamelner Bahnhof galt. Mit ihr starben ihre Kinder Otto, Bärbel, Wolfgang, Dittmer und Harald.
  • Monika Jannssen: Sie wurde am 18. Februar 1944 in den Niederlanden geboren. Ihre Mutter Marie kam im September 1944 zur Zwangsarbeit nach Hameln. Monika Jannssen starb hier im Alter von einem Jahr am 26. Juli 1945.
  • Ingrid Friedheim: Sie wurde am 14. November 1936 in Hameln geboren. Am 2. März 1943 wurde sie als Jüdin im Alter von sechs Jahren zusammen mit ihrer Mutter Sophie ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert.

„Wir sollten uns Zeit nehmen, die Namensgebung noch einmal zu überdenken und eine politische Diskussion darüber führen“, fordert der Historiker. Auch darüber, „wie wir insgesamt an die lange, intensive und nicht immer gute Zeit Hamelns als militärischer Standort erinnern wollen“.

Information

Bailey-Brücke in Hameln

Transportierbar und, einmal aus vormontierten Bauteilen zusammengesetzt, tragfähig genug für Panzer: Bailey-Brücken haben weltweit Karriere gemacht und sind noch immer im Einsatz. In Deutschland werden in bundeseigenen Lagern auch Elemente für 790 Meter solcher Brücken vorgehalten. So ein Bauwerk, getragen von Stahlfachwerk, hat Bernhard Gelderblom auch in Hameln entdeckt: Es überspannt die Humme auf dem ehemaligen Britengelände zwischen B 83 und Weser, dem Wouldham Camp.



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