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Unwetter traf das Sünteldorf besonders hart / Stadt: Für solche Wassermassen ist kein Rohr ausgelegt

Warum hatte Holtensen wieder den Kanal voll?

Die Felder wie hier bei Hilligsfeld an der B 217 sind überwiegend abgeerntet: Hier hatte der Regen ein leichtes Spiel, die Erdmassen einfach wegzuspülen.

veröffentlicht am 09.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 04:21 Uhr

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Foto: tis

Hameln (tis). Nach sintflutartigen Regenmassen in der Nacht zu Donnerstag ist der Reimerdeskamp eine Schlammwüste, wälzt sich durch den Magnolienweg in Holtensen wieder einmal eine braune Erdlawine, stehen in der Hamelner Nordstadt etliche Keller unter Wasser. Viele betroffene Anwohner sind verärgert, fordern Abhilfe von der Stadt. „Gegen so eine Rekordregenmenge gibt es aber keinen perfekten Schutz“, bedauert Stadt-Pressesprecher Thomas Wahmes.

Es seien außergewöhnliche Regenmengen, stellenweise zwischen 60 und 70 Liter auf den Quadratmeter, innerhalb eines ganz kurzen Zeitraums im Raum Hameln niedergegangen. „Darauf ist in keiner Stadt das Kanalnetz ausgelegt, so groß kann kein Abwassersystem dimensioniert sein“, erklärt Wahmes. Erschwerend bei diesem Unwetter kam die Jahreszeit hinzu. Der Pressesprecher: „Viele Äcker waren gerade abgeerntet oder frisch eingesät, so konnte das lose Erdreich problemlos fortgespült werden.“ Außerdem verstopfte Laub auf den Straßen sehr schnell die Gullys und Kanaleinläufe, daher die Schlamm-Massen auf dem Reimerdeskamp, die von den Äckern, zudem an einer Hanglage gelegen, nach unten gespült wurden. „Gleiches konnten wir im Hottenbergsfeld oder an der B 217 in Hilligsfeld beobachten“, sagt Wahmes.

Für den Pressesprecher steht aber auch fest, dass der im Jahr 2004 in Betrieb genommene innerstädtische Sammler besonders in der Nordstadt Schlimmeres verhindert hat. Dass es dort noch Keller gegeben habe, die unter Wasser gestanden hätten, liege sicher daran, dass die Abwasserleitungen aus den einzelnen Straßen diese Regenmengen einfach nicht aufnehmen konnten. „Wir hatten aber in früheren Zeiten schon bei wesentlich geringeren Regenmengen vollgelaufene Keller in der Nordstadt. Das ist jetzt nicht mehr der Fall, und das zeigt die Wirksamkeit des großen Abwasser-Sammlers“, so Wahmes.

Verschlammte Garageneinfahrten, vollgelaufene Keller – das
  • Verschlammte Garageneinfahrten, vollgelaufene Keller – das große Aufräumen am Tag danach in Holtensen. Foto: nls
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Aus dem Bereich des Magnolienwegs in Holtensen beklagen sich viele Anwohner, dass sie nun schon zum wiederholten Male auf ihren Grundstücken und Häusern von Schlamm-Massen praktisch überrollt wurden. „Wir finden aber niemanden, der dafür die Verantwortung übernimmt und für Abhilfe sorgt“, erklärt Thomas Lange als Betroffener, der jetzt bereits zum dritten Mal gegen Schlamm-Massen angekämpft hat. Seit Jahren führt der Holtenser Gespräche: „Die führen aber zu nichts. Der eine schiebt es auf den anderen, das sind untragbare Zustände!“

Wahmes glaubt, hier sei es die besondere Lage der Wohnhäuser in einer Talsohle mit großen Ackerflächen hinterm Haus hinauf zum Franzosenkopf, die Probleme schaffe. Es komme zu einer Trichterwirkung, aus der das Wasser nicht schnell genug ablaufen könne. Zwar gibt es hinter den Grundstücken eine Schutzmauer zum Hang, aber auch die war einfach unterspült worden.

„Selbstverständlich sind wir bemüht, mit allen Beteiligten in Holtensen eine Lösung zu finden. Doch vor solch großen Regenmengen gibt es einfach keinen optimalen Schutz“, betont Wahmes. Jetzt will die Stadtverwaltung mit der Realgemeinde und Landwirten sprechen, damit Gräben frei gehalten und ständig gepflegt werden. Burkhard Krüger, Vorsitzender des Realverbandes Holtensen, verweist darauf, dass vor 17 Jahren nach einem ähnlichen Unwetter bereits ein neuer Graben angelegt wurde. „Den haben wir erst vor vier Jahren ausbaggern lassen. Der Graben war in Ordnung, nur kann er diese Wassermassen nicht aufnehmen.“ Der Realverbandes-Vorsitzende sieht vielmehr ein Problem darin, dass hier eine Bebauung überhaupt genehmigt wurde.

Thomas Lange wird das nicht zufriedenstellen: Er fordert mehr und größere Gräben, stärkere Abwasserleitungen, Grünsteifen, die den Schlamm aufhalten, und die regelmäßige Beseitigung des Bodens an der Schutzwand. Bei der Kläranlage gab es durch die Regenmassen keine nennenswerten Probleme. „Die Anlage hat die zusätzlichen Abwässer gut verkraftet, das System läuft einwandfrei“, so Wahmes. Zudem gäbe es Sicherheitssysteme. Bei zu großer Abwassermenge werde das ankommende Regenwasser teilweise direkt in die Weser abgeleitet.

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