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Müll, Haftung und Rücksichtslosigkeit

Warum Hameln Upnor nicht ohne Weiteres öffnen will

HAMELN. Warum so kompliziert, wenn es einfach gehen könnte? Das Tor öffnen und ein paar Bänke mit Papierkörben hinstellen, fertig. Dass die Stadtverwaltung für das Upnor-Gelände an der Weser den großen Aufschlag vorrechnet, statt einer Minimalversion gedanklich den Vorrang zu geben, löst Widerspruch aus.

veröffentlicht am 15.01.2019 um 13:24 Uhr
aktualisiert am 15.01.2019 um 20:00 Uhr

Birte Hansen

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Reporterin zur Autorenseite

Einmal mehr wird Kritik laut, dass die Stadt es unnötig kompliziert mache und Gutes verhindere. Doch, wie so oft: So einfach ist es nicht, wie Thomas Wahmes, Sprecher der Stadt Hameln, auf Nachfrage ausführt.

Er räumt ein, dass die Ausführungen der Verwaltung samt hinterlegten Kosten so aussehen, „als würde die Stadt überzogene Forderungen“ stellen und als „Spaßbremse“ daherkommen. Das „abschreckende Beispiel“, mit dem Wahmes dagegenhält, liegt in Tündern an den Kiesteichen. „Vermüllung und Parkchaos“ ärgert die Eigentümer in jedem Sommer aufs Neue, dort zeigten die Besucher „nicht ein Mindestmaß an Vernunft oder Rücksichtnahme“, kritisiert Wahmes. Selbst die Schranke, die von der Realgemeinde installiert worden war, um dem Wildparken Einhalt zu gebieten, sei zerstört worden. „Es funktioniert einfach nicht!“, lautet Wahmes’ Fazit.

Es funktioniere erst recht nicht dort, „wo keine Kontrolle, kein Sozialkontrolldruck vorhanden ist“. So habe das Upnor-Gelände keine unmittelbaren Nachbarn, die ein Auge auf das Geschehen dort werfen könnten. Anders als der Bürgergarten beispielsweise. Dort würden sich die Menschen auch gegenseitig kontrollieren, zudem lässt die Stadt dort nach dem Rechten sehen. Dass es dort „gut“ funktioniere, will Wahmes auch nicht sagen, aber immerhin „besser“.

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Können sich Menschen im Wald besser benehmen? Foto: Dana

Dass auch im Wald keine Toiletten stehen und die Menschen sich dort offenbar (meistens) adäquat verhalten, will Wahmes als Vergleich nicht gelten lassen. „Es liegt auch immer an der Art der Nutzung“ – und die wäre auf dem Upnor-Gelände eine andere als im Wald. Spaziergänge, Natur bewusst genießen auf der einen Seite, liegen, grillen, Musik hören, auf der anderen – die beiden Gebiete unterschieden sich gänzlich.

Und wenn die Stadt Hameln das Gelände pachtete und es öffnete, „sind wir in der Haftung“, macht Wahmes deutlich. Das häufig geforderte Schild „Nutzung auf eigene Gefahr“ befreie die Stadt nicht. „Wenn wir einladen, das Gelände zu nutzen“ und jemand in Glasscherben tritt, die er nicht gesehen hat, sei die Verwaltung dran.

Dann satte Bußgelder als Instrument, um Verstöße gegen Umwelt und Regeln schlicht zu teuer zu machen? Wahmes bezeichnet sie als „probates Mittel“. Wirksam sind sie aber nur, wenn entsprechend kontrolliert werde, wofür wiederum Geld zur Verfügung gestellt werden müsste. Er bleibt dabei: „Man kann nicht eine Fläche sich selbst überlassen – das geht schief!“

Ob die Hamelner Politiker die Haltung der Stadtverwaltung teilen, werden die Ergebnisse der Haushaltsberatungen zeigen. Der Rat hat zu entscheiden, ob Upnor geöffnet wird und wenn ja zu welchen Bedingungen.

Mein Standpunkt
Birte Hansen
Von Birte Hansen-Höche

Was soll ich sagen? Ich kann verstehen, warum dem Freizeitstreben nicht ohne Weiteres nachgegeben werden kann. Und es frustriert mich. Würde jeder seinen Müll mitnehmen, den seines Hundes inklusive, wäre jeder rücksichtsvoll und verantwortungsbewusst, ginge es. Hätte, wäre, wenn … zu viele Menschen ticken anders.



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