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Neuer Standort wegen Einsparungen unrealistisch / HSW setzt auf berufsbegleitende Angebote

Warum Hameln keine Unistadt wird

Hameln. Die Hochschule Weserbergland hat Erfolg – mancher träumt nun bereits von mehr: Wie wäre es gar mit einer Universität in Hameln? Bezahlbare Wohnungen sind vorhanden, Platz für Hörsäle und Seminarräume durch die abziehenden Briten bald ebenfalls. Die Vorstellung wäre schön: viele junge Menschen, die die Stadt beleben. Doch Professor Volkmar Langer, Präsident der Hochschule Weserbergland, bremst die Erwartungen. „Eine weitere staatliche Universität werden wir in Niedersachsen nicht hinbekommen.“ Das liegt allerdings nicht an Langer selbst und auch nicht an der Stadt.

veröffentlicht am 31.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 20:21 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Es liegt an einem Konzept des Landes Niedersachsen aus dem Jahr 2003, das an der Optimierung der Hochschulen feilt. Und Optimierung heißt in diesem Zusammenhang konkret, dass auch Studiengänge, Institute, Fachbereiche und ganze Standorte geschlossen werden müssen. Grund ist der demografische Wandel: Vor allem nach 2012, so prognostizierte das Wissenschaftsministerium in Hannover vor zehn Jahren, würden die Studentenzahlen der Unis kontinuierlich abnehmen. Vorbeugend wurde also damit begonnen, Standorte zusammenzulegen. Mehrere Millionen Euro mussten eingespart werden.

Als „gesättigt“ beschreibt auch Langer die derzeitige Situation in Niedersachsen. Dass also nun gerade Hameln als neue Uni-Stadt auserkoren würde, ist schlicht unrealistisch. Bliebe nur die Möglichkeit, mit privaten Mitteln eine Universität auf die Beine zu stellen. Dieses Modell hält Langer aber für keine gute Alternative. Die Gebühren würden enorm in die Höhe schießen, zudem müsste man einen Sponsor finden, der eine derart hohe Summe investieren wollte. „Dann hätten wir keine Public Private Partnership mehr“, so Langer. Dieses Modell habe sich aber bewährt. Die Finanzierung der HSW stützt sich auf drei Pfeiler: die Gebühren der Studenten, die Gelder von Stadt und Landkreis sowie auf Drittmittel. Letztere stammen zum Beispiel aus dem Europäischen Strukturfonds, vom Bundesministerium für Wirtschaft sowie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Mit einem Festbetrag von 285 000 Euro bezuschusst der Landkreis die HSW jährlich, die Stadt Hameln gibt etwa 40 000 Euro dazu. Die öffentlichen Zuschüsse machen damit bisher rund 10 Prozent des gesamten HSW-Budgets aus, sagt Langer. „Der Anteil sinkt aber, weil wir wachsen.“ Denn je größer die HSW wird, desto weniger fällt der Festbetrag ins Gewicht. Und die Hochschule wächst: Auf 106 Absolventen in diesem Jahr folgten 174 neu aufgenommene Studenten. Doch auch wenn der Betrag von öffentlicher Seite nur ein kleiner Teil ist – verzichten kann Langer auf das Geld nicht. „Wir brauchen es, um investieren zu können.“ Stadt und Landkreis seien verlässliche Partner. Er hoffe, dass auch der neue Landrat sowie im kommenden Jahr die neue Spitze im Rathaus ihn unterstützen werden.

Langer strebt an, die berufsbegleitenden Studiengänge noch weiter auszubauen. Das sei schon allein wegen des demografischen Wandels sinnvoll. Bereits in diesem Jahr hat die HSW ihr Angebot erweitert: Auch Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement kann man nun neben dem Job studieren. Doch es gebe noch einen weiteren Vorteil, so Langer: Menschen, die berufsbegleitend studieren, seien oft noch stärker an die regionalen Unternehmen gebunden als jüngere Studenten, die nach dem Abschluss das Weserbergland verlassen. „Wir sehen uns als Partner der Personalvermittlung“, beschreibt er sein Konzept. Um den demografischen Wandel konsequent weiterzudenken, ist Langer auch offen für Angebote zum Senioren-Studium. Das wolle er in den nächsten Jahren angehen. Als reguläre duale Studiengänge bietet die HSW derzeit Betriebswirtschaft, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen an.

Mit der Frage nach neuen Räumen für die HSW möchte er sich hingegen derzeit noch nicht beschäftigen. „Erst kommen die Inhalte, dann kommt die Standortfrage.“ Mit rund 470 Studenten reiche das Gebäude am Weserufer, die ehemalige Nudelfabrik, im Moment noch aus. Bis zu 500 Studenten könne man dort unterbringen, dann werde es eng, so Langer. Die Frage nach zusätzlichen Räumen stelle sich aber nicht kurzfristig, sondern eher erst in fünf bis zehn Jahren.

Reicht derzeit noch aus für die rund 470 Studenten: das HSW-Gebäude am Weserufer.ant



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