weather-image
15°

Seit vielen Jahren im Streit mit der Stadt: Droht bald die Schließung?

Warum ein Hamelner Bäcker die Knöllchen seiner Kunden bezahlt

veröffentlicht am 09.09.2016 um 15:50 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:25 Uhr

270_0900_12930_hm202_cv_0909.jpg

Autor:

Christian Vogelbein

Auf dem Weg zur Arbeit noch schnell Brot oder Brötchen holen – auch in Hameln am Wehler Weg eigentlich kein Problem. Blöd nur, wenn nach dem Einkauf bei Wegeners Bäckerei ein Knöllchen an der Windschutzscheibe klebt. Dabei stand das Auto doch auf einem Kundenparkplatz.

In sechs Filialen im Landkreis verkauft Thomas Wegener Biobrot und Brötchen. Vor mehr als 100 Jahren hat das Geschäft in Hamelns Nordstadt am Wehler Weg begonnen. Noch vor wenigen Jahren wurden im „Haus Nr. 1“ Brote gebacken. Heute wird dort nur noch verkauft, auch das ausschließlich vormittags. Denn von Woche zu Woche werden die Kunden weniger, sagt der Chef – weil die Stadt Hameln ihm die Kunden vergraule.

Denn vor Wegeners Tür steht nur eine kleine Parkfläche zur Verfügung. Wer dort parkt, steht oft auch ein Stück auf dem Bürgersteig – und bekommt dafür ein Knöllchen. Seit mehr als zehn Jahren liegt Wegener deshalb schon im Streit mit der Stadtverwaltung. „Rechtlich sind sie ja auf der sicheren Seite“, gibt er zu. Aber: „Es fehlt absolut das Augenmaß.“

Die Stadt werfe ihm gar vor, seine Kunden zum Falschparken zu verleiten. „Weil wir Linien aufgezeichnet haben, sodass die Parkplätze gekennzeichnet sind“, erklärt Wegener. Die Kunden könnten ihr Auto auch parallel zur Hauswand abstellen, dann passen aber nur zwei gleichzeitig auf die Fläche. Also zeichnete Wegener die Parkplätze diagonal ein – mit der Folge, dass die Wagen zum Teil unerlaubt auf dem Gehweg stehen.

Doch zwei Plätze seien nun mal zu wenig, um eine Bäckerei zu betreiben, sagt Wegener. Schließlich befinde sich in der Nähe das Sana-Klinikum, und auch die vielen Mitarbeiter parken überall dort, wo gerade etwas frei ist. „Man hätte damals einfach einen großen Parkplatz schaffen können“, kritisiert Wegener die Planung rund ums Klinikum.

Das Rathaus verweist jedoch in diesem Fall auf die „vielbefahrene Einmündung zur Bundesstraße 83“. Es sei nicht möglich, einfach so ein Auge zuzudrücken. „Die Gehwege sind schmal, es sind hier auch viele Radfahrer unterwegs“, erklärt ein Stadtsprecher. Dass die Kunden der Bäckerei häufig den Gehweg zum Parken mitbenutzen, sei bekannt. „Dadurch werden die Passanten vom Gehweg auf die Straße gedrängt, Radfahrer berichten über gefährliche Situationen“, heißt es aus dem Rathaus weiter.

Dass an der Bäckerei häufiger kontrolliert werde als anderswo, bestätigt die Stadt jedoch nicht. Thomas Wegener hat diesen Eindruck. Schließlich würden sich Kunden von Jahr zu Jahr häufiger beschweren. „Und die kommen dann nicht wieder, die haben wir für diese Filiale verloren“, ist sich der Bäckermeister sicher.

Deshalb hat er mit der Zeit angefangen, die Knöllchen für seine Kunden zu bezahlen. Pro Verwarnung sind das immerhin 20 Euro für jeden Falschparker. „Wenn sie sich bei uns melden, und das machen leider die wenigsten, dann überweisen wir das Geld an die Stadt“, so Wegener. Genau mitgezählt habe er noch nicht, allein in diesem Jahr habe er aber schon 200 bis 300 Euro überweisen.

Einen anderen Weg habe er bisher nicht gefunden, die Angelegenheit zu entschärfen. Auch der Vorschlag, die Verwarnbriefe doch direkt an den Bäcker und nicht erst an die Kunden zu senden, wurde abgelehnt. „Früher wurden ja noch richtige Knöllchen geschrieben, heute fahren die Kontrolleure mit dem Auto vorbei, machen ein Foto und dann kommt Post“, hat Wegener beobachtet.

Bis zum Ende des Jahres will sich der Geschäftsführer die Situation um das Haus am Wehler Weg nun noch anschauen. Schon jetzt sei der Stadtort nicht mehr wirtschaftlich, sagt er. Doch stecke noch zu viel Historie und Emotion in dem Gebäude. Sollte sich aber nichts ändern, wird der Laden im kommenden Jahr wohl aufgegeben. Bleiben noch fünf.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?