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Warum die Remte ein neues Bett bekommen soll

Afferde (git). Dass im 21. Jahrhundert Afferder Bürger zusammenkommen, um über ihren Hausbach, die Remte, und insbesondere über die ökologische Durchgängigkeit für wandernde Fischarten zu diskutieren, wäre wohl den ersten Siedlern um 1200 bis 1000 vor Christus nie und nimmer in den Sinn gekommen. Sie wohnten zunächst sogar auf Pfahlbauten. Grund waren die weitverzweigten Wasser des damaligen Wesersees, der sich laut der Chronik von C. Brand aus dem Jahre 1943 bis zum Sintelsberg und den heutigen Tälern der Remte und Hamel erstreckte. „Nach Abfluss der Seewässer entwickelte sich später der Remtebach“, schreibt Brand weiter.

veröffentlicht am 18.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 15:21 Uhr

Idyllisch: Die Remte östlich von Afferde.  Fotos: git
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Wer heute auf der Bundesstraße 1 durch Afferde fährt, bekommt gar nicht mehr mit, wo sich der einst wichtigste Siedlungsgrund der ersten Afferder befand. Die Remte führt heute parallel zu den Straßen „Vogelsang“ und „Am Remtebach“ entlang. Das Gewässer war mit all den damaligen Schlamm- und Schlickproblemen für die ersten Afferder als Wasserlieferant lebensnotwendig. „Eine Furt sei der Grund zur Gründung des „Dorfes Afferde“ gewesen“. erklärt die Dorfhistorikerin Hannelore Fließ. Die Namensgebung für Afferde sei daher eng mit dem Hausfluss verbunden. „Afferde ist ein zweigeteilter Name, das germanische ,af‘ bedeutet Wasser oder wasserreiches Land, in ,ferde‘ ist das Wort für ,furt‘ wiederzuerkennen, also Wasserfurt“. Die Remte wird heute aus Quellbächen, die am Fuße des Iths liegen, gespeist. Sie mündet nach einer Gesamtlänge von 14,4 Kilometern westlich von Afferde in die Hamel.

„Schaue ich mir den Flussverlauf auf einer Karte von 1782 an, so ist festzustellen, dass der Fluss in seiner Flussaue stark mäandert, die Remte hatte sogar östlich von Afferde zu dieser Zeit immer noch ein Nebenflusssystem, die Loet“, erklärt Hannelore Fließ. „Nimmt man dagegen einen Stadtplan der heutigen Zeit in die Hand, besitzt die Remte so gut wie keine Flussschlingen mehr, sie ist nur noch ein begradigter Strich in der Landschaft.“ Besonders Sommergewitter führten und führen durch die Begradigung des Bachlaufs immer wieder zu Hochwasser in Afferde. In Unterlagen werden besonders große Überschwemmungen in Afferde in den Jahren 1909, 1926, 1939, 1940, 1941, 1945, 1946, 1966 und 1979 aufgeführt. Im Ortskern von Afferde fließt die Remte seit vielen Jahren in einem tief ausgebaggerten Betonflussbett. Seit 30 Jahren hat es keine bedrohliche Überschwemmung mehr gegeben. Die westlichste der vier Brücken, die in Afferde über die Remte führen, befindet sich an der Kreuzung „Am Remtebach“. „Höpperpuhl“ und „Pappelhain“. Es ist die Stelle der Remte, die Hannelore Fließ mit vielen Kindheitserinnerungen verbindet. „Meine Großeltern Friedrich und Sophie Flöter hatten ein Haus an der Straße ;Am Remtebach‘.“ Es liegt ungefähr zehn Meter von der Remte entfernt“, erinnert sie sich. „Früher kam das Hochwasser sehr oft nach der Schneeschmelze. Meine Großeltern haben dann Vordertür und Hintertür geöffnet, damit das Wasser abfließen konnte. Allen Anlieger haben die ständig wiederkehrenden Hochwasser sehr zu schaffen gemacht. Aber es gibt auch viele schöne Kindheitserinnerungen“, sagt Hannelore Fließ. „Im Sommer hat Afferdes Dorfjugend in der Remte gebadet, Fische gefangen und sich vor Blutegeln gefürchtet.“ Sehr beliebt zum Schwimmen seien auch die angestauten Wasserflächen im Bereich der beiden Wehre gewesen.

„Rechts von der Brücke zum Höpperpuhl wurde die abgeflachte Böschung als Pferdetränke genutzt, und hier links befand sich eine Zugangstreppe für die Feuerwehr, um Löschwasser abzunehmen“, erinnert sie sich. Bei ihren Recherchen für ihr Buch „Kennen Sie Afferde?“ sei sie in alten Akten im Zusammenhang mit der Remte immer wieder auf Streit unter Afferder Bürgern gestoßen – in den meisten Fällen hätten Überflutungen zu den Auseinandersetzungen geführt. „Bereits im 19. Jahrhundert musste sich die königliche Regierung in Hannover mit dem Problem eines unaufgeräumten Flussbettes befassen“, erklärt die Historikerin. Streit habe es auch mit den Betreibern der Mühle wegen des Mühlengrabens gegeben – vor allem, wenn das Stauwehr nicht rechtzeitig hochgezogen wurde und dadurch die angrenzenden Wiesen überflutet wurden.

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Anlass für aktuelle Gespräche und Thema der jüngsten Ortsratsitzung ist nun die Beseitigung der letzten Sperre in der Remte in Afferde. Denn laut EG-Wasserrahmenrichtline, die bereits im Dezember 2000 in Kraft gesetzt wurde, stellt die Anstauung der Remte im Bereich der Afferder Mühle eine Beeinträchtigung des Ökosystems dar.Andreas Bruns, Fachbereich Umwelt und technische Dienste, verwies auf die Planungen der Stadt Hameln. Vorgesehen ist, das bisherige Gewässerbett im Bereich der Afferder Mühle komplett zu verlegen. Das Wasser, das den Mühlengraben speist, wird derzeit östlich der Mühle parallel zur Remte aufgestaut und im Mühlengraben abgezweigt. Über ein vierstufiges Stauwerk, das 3,9 Höhenmeter überwindet, wird die Haupt-Remte an der Mühle vorbeigeleitet. Die geplante neue Gewässertrasse wird laut Bruns auf einer Länge von 200 Metern leicht bogenförmig im Osten verlaufen. Sie würde dann das Gewässerbett der Remte an der Mühle und den Mühlengraben ersetzen. Der neue Teil der Remte soll eine Breite von zwölf Metern bekommen. Mit dem Zuschütten des alten Teils des Mühlengrabens und dem Abschaffen der Wasserzufuhr zur Afferder Mühle geht auch die Ära der aktiven Zeit der Afferder Mühle zu Ende.

Die erste Afferder Mühle an der Biegung der Remte wurde Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut. Seit den 70er Jahren nutzen die jetzigen Besitzer der Mühle, die Familie Elsner, die Wasserkraft der Remte mit einer Turbine zur Stromerzeugung. Der Mühlenbetrieb wurde bereits 1955 eingestellt. Das alte Mühlrad ist längst abgebaut. Elsners verzichten bei der Verlegung der Remte auf das seit Jahrhunderten mit der Mühle verbundene Stau- und Wasserrecht.

Dorfhistorikerin Hannelore Fließ an der Remte in Afferde-

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