weather-image
Hamelns Oberbürgermeister hat viele Pläne

Warum dauert das so lange, Herr Griese?

HAMELN. Hameln steckt in einer Phase des Übergangs. Große bauliche Veränderungen sind geplant, aber die Verwirklichung lässt auf sich warten. Wir haben mit Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU) über das Jahr 2018 gesprochen.

veröffentlicht am 27.12.2018 um 17:25 Uhr
aktualisiert am 27.12.2018 um 18:23 Uhr

Oberbürgermeister Claudio Griese und seine Mitarbeiter haben eine große Zahl von Baustellen zu beackern. Foto: Wal
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Herr Griese, was hätten Sie 2018 gerne erreicht – und warum hat es nicht geklappt?
Claudio Griese: Wir blicken sehr zufrieden zurück. Große Projekte sind in der Pipeline – zum Beispiel die Umgestaltung des Weserufers, der Bildungs- und Gesundheitscampus auf dem Linsingen-Gelände sowie der Bailey-Park als neue Wohnadresse. Ich würde mir natürlich wünschen, dass alles noch viel schneller vorangeht. Aber wir müssen akzeptieren, dass Großprojekte nicht über Nacht entstehen können.


Als Stadtoberhaupt haben Sie auf den Bürgerversammlungen viele Menschen getroffen. Was sagten Sie den Unzufriedenen?
Es hat sehr viel Lob für das Veranstaltungsformat gegeben. Wir machen damit im neuen Jahr weiter. Mir ist es wichtig, direkt von den Bürgerinnen und Bürgern zu erfahren, wo die Probleme sind. Nicht in jedem Fall lässt sich etwas ändern – dafür sind die Probleme oft zu komplex. Aber ich sage allen, die unzufrieden sind, dass wir – soweit möglich – an Lösungen arbeiten werden.


Um das Altstadtpflaster ist es ruhiger geworden – doch eine Reihe von Fachwerkhäusern verfallen. Haben Sie zu oft nur auf den Boden geschaut?
Mein Blick geht sehr wohl nach oben. Ich werde das Thema der Altstadt-Häuser Anfang 2019 aufgreifen.


Die Stadt-Galerie besteht nun seit zehn Jahren. Würde die Stadt das Ufo in der Altstadt heute genauso genehmigen?
Es war nicht allein das Rathaus, das die Stadt-Galerie genehmigt hat. Grundlage war eine politische Entscheidung durch den Rat der Stadt. Diese Entscheidung hat sich niemand leicht gemacht. Ich wünsche mir, dass die Stadt-Galerie auch zukünftig eng mit dem Stadtmarketing zusammenarbeitet. Nur als Gesamtpaket ist Hameln stark. Es geht nicht ohne den etablierten Einzelhandel und nicht ohne die Stadt-Galerie.


Kommt es nicht einem Lottogewinn gleich, dass Hamelns Luft in der Deisterstraße so schlecht ist, dass sogar der Bund sein Füllhorn öffnet?
Einem Lottogewinn käme es gleich, wenn die Luft in der Deisterstraße so gut wäre, dass Anwohner nicht unter Abgasen leiden müssten. So haben wir nur die Chance, die Lage für alle Betroffenen auch mit Bundesmitteln abzumildern. Befriedigend ist das nicht.


Haben Sie mit Ihrem Dienstwagen dazu beigetragen, dass die Luftbelastung so hoch ist?
Bei meinem Dienstwagen handelt es sich um ein umweltfreundliches Fahrzeug mit Hybridantrieb, das im Stadtgebiet keine Emissionen verursacht. Die Stadt kann eine ansehnliche Flotte an Elektrofahrzeugen vorweisen.


Die Beachbar profitierte vom grandiosen Sommerwetter. Wie wird die Stadt den Klimawandel noch stärker für sich nutzen?
Der Klimawandel kennt nur Verlierer – sieht man von der Beachbar ab. Deshalb setzen wir alles daran, etwas gegen die Anreicherung der Atmosphäre mit Treibhausgasen zu tun. Grundlage ist das städtische Klimaschutzkonzept. Letztlich kann eine Stadt wie Hameln nicht die Welt retten – aber jeder Beitrag zählt. Wichtig ist es uns, zum Umdenken beizutragen.


Der Hochzeitshaus-Umbau und der Rathaus-Neubau sind aus finanziellen Gründen aufgeschoben: Überlassen Sie diese Projekte Ihrem Nachfolger?
Beide Projekte stehen nach wie vor weit oben auf unserer Liste. Aber wir haben noch andere Baustellen, allein im Hochbaubereich Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro vor der Brust. Der Investitionsbedarf ist enorm, insbesondere bei den Schulen. Der Stadtrat steht hier vor der schwierigen Aufgabe, die richtigen Prioritäten zu setzen.

Sind Sie nicht zu pingelig beim Geldausgeben?
Wir sprechen hier über Steuergelder, da können wir gar nicht pingelig genug sein. Wir müssen sparsam mit unseren Mitteln umgehen, um die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt zu erhalten und die anstehenden Investitionen schultern zu können.

Die Erweiterung des Schulzentrums Nord nimmt Gestalt an. Welche Spielräume für eine nächste Schulstrukturreform hat die Stadt dort eingeplant – und wo wird sie im Bildungsbereich als nächstes tätig?
Das Schulzentrum Nord machen wir gerade fit für die Zukunft. Und wo die Stadt als nächstes tätig wird – fragen Sie besser, wo wir nicht tätig werden, denn da ist die Antwort kürzer. Es gibt in den nächsten Jahren nur wenige Schulen, an denen nichts gemacht werden muss.


Hameln erlebt die Rattenfängersage jedes Jahr aufs Neue und sogar schlimmer: Weit mehr als „nur“ 130 Jugendliche ziehen nach der Schule weg – oft auf Nimmerwiedersehen. Welches Rezept wollen Sie noch ausprobieren?
Es wäre blauäugig zu glauben, den Wegzug der Jugendlichen verhindern zu können. Wir wollen aber, dass möglichst viele von ihnen nach dem Studium oder der Ausbildung in ihre Heimatstadt zurückkehren. Dazu starten wir im nächsten Jahr eine Kampagne, mit der wir den Wirtschafts-, Wohn- und Lebensstandort bewerben wollen.


Bauplätze in Hameln sind begehrt, sofern sie nicht im Hottenbergsfeld liegen. Sollte man die Restflächen dort nicht einfach zupflanzen?
Die Bauplätze im Hottenbergsfeld werden mittlerweile gut nachgefragt. Von den 196 Grundstücken haben wir 155 verkauft beziehungsweise über Erbbaurechte vergeben, 30 weitere sind reserviert. Wer im Hottenbergsfeld bauen möchte, muss sich beeilen.

Auch bei den Gewerbeflächen gibt es offenbar Defizite. Wie dicht haben Sie Ihr Ohr an den Unternehmern?
Es gibt keine Defizite. Wir finden für jedes Unternehmen eine passende Lösung. Aktuell stehen im Hottenbergsfeld neu erschlossene Flächen zur Verfügung. Und wir arbeiten an einem umfassenden Konzept zur Ausweisung weiterer Gewerbeflächen. Außerdem verfolgen wir eine vorausschauende Flächenpolitik, um den Wünschen der ansässigen Betriebe auch künftig gerecht werden zu können und Neuansiedlungen zu ermöglichen.


Hameln hat laut Gericht die nationale Sicherheit gefährdet – weil die Stadt Windräder in der Flugschneise für Bundeswehrhubschrauber genehmigte. Was nun?
Wir werden an anderer Stelle Vorrangflächen für die Windenergie ausweisen müssen. Unproblematisch ist das nicht.

Welches Ereignis oder Erlebnis in Hameln hat Sie 2018 besonders bewegt oder erfreut?
Besonders bewegt hat mich die Premiere des Musicals „Der Medicus“ – für unsere Stadt ein ganz besonderer Glanzpunkt. Wir können stolz sein, dass eine so tolle Inszenierung in Hameln auf die Bühne gebracht wird.


Was wird Hameln im Jahr 2028 zu bieten haben?
Die Liste ist lang: ein attraktives Weserufer mit neuen Freizeitmöglichkeiten, frisch sanierte Schulen, neue Kitas, ein Hochzeitshaus mit Bürgersaal und Gastronomie, eine lebendige Altstadt mit schmucken Fachwerkhäusern, ein modernes, bürgerfreundliches Rathaus, einen Bildungs- und Gesundheitscampus auf dem Linsingen-Gelände, ein attraktives Wohngebiet im Bailey-Park, ... Kurz gesagt: Hameln wird in zehn Jahren noch attraktiver sein als heute – eine Stadt mit hoher Wohn- und Lebensqualität. Daran arbeiten wir.

Interview: Marc Fisser



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt