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Cornelia Mutzenbecher und Jens Laparose erzählen von der Sanierung ihres uralten Hauses

Warum Altbausanierung eine historische Herausforderung ist

Hamelns Altstadt ist schön. Damit es so bleibt, müssten viel mehr Eigentümer Geld in die historische Substanz stecken. Zum Glück für die Stadt gibt es auch Menschen, die mit Traditionsbewusstsein und Liebe ihr Haus sanieren. Zum Beispiel Jens Laparose und Cornelia Mutzenbecher. Den Zuschuss von 20 000 Euro aus dem Förderprogramm städtebaulicher Denkmalschutz begrüßen zwar beide, Sanierungsanreiz war er aber in keinem Fall.

veröffentlicht am 09.08.2017 um 17:17 Uhr
aktualisiert am 09.08.2017 um 18:26 Uhr

Cornelia Mutzenbecher erinnert sich zusammen mit Stefan Kalisch an die Anfänge der Sanierung. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Ein echtes Abenteuer

Im Haus in der Neuen Marktstraße, Ecke Hummenstraße ist nur wenig so, wie es mal war. Mit seiner Sanierung kehrt es dennoch so dicht an seine Ursprünge zurück, wie es sich Denkmalpfleger nur wünschen können.

Erbaut im Jahr 1551, gehört es zu den ältesten Häusern der Stadt. Man erkennt es zum Beispiel an den Vorsprüngen im ersten Stock und an der leicht schiefen Hauswand. Die hat sich nicht etwa im Laufe der Jahrhunderte geneigt, es wurde so gebaut – „damit die Pferdefuhrwerke nicht so viel Schaden anrichteten an den Wänden“, erklärt Stephan Kahlisch. Die Firma Stephan & Stefan saniert das Haus seit November vergangenen Jahres fast vollständig und mit viel Fingerspitzengefühl für Cornelia Mutzenbecher. Für sie war es Liebe auf den ersten Blick, als Kind hat sie bereits in einem Fachwerkhaus gelebt. Damit, dass die Sanierung ein solches Abenteuer werden würde, hat sie allerdings nicht gerechnet.

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Das kleine Haus in der Alten Marktstraße wird eine Perle. Foto: Dana

Die Überraschungen lauerten unterm Boden, in den Wänden, an der Mauer zum Nachbarhaus

Die Überraschungen lauerten unter dem Boden, in den Wänden und sogar dort, wo ihr Häuschen das Nachbarhaus berührte, und dessen „kranke Wand“ Einfluss nahm. Dann haben die Handwerker das Haus auf links gedreht. Sie haben die Fassade von den Riemchen befreit, die Balken von ihrer seltsamen Verkleidung, auf der gemalte Balkenimitationen zu sehen waren. Nun sind sie stilvoll integriert. Die Böden sind komplett neu aufgebaut, Wände und Dach gedämmt. Inzwischen kann man ahnen, dass das Haus mal eine echte Perle wird. Und obwohl es bald „KFW 35“ entsprechen wird - also energietechnisch der nächsten Stufe nach dem Passivhaus – erfüllt es auch die Denkmalschutzauflagen. 1400 Euro kostet Cornelia Mutzenbecher der umgebaute Quadratmeter, zwischen 1300 und 2700 müsste man in so einem alten Haus rechnen.

Der Zuschuss kommt Cornelia Mutzenbecher recht, es sei gut, dass ihn gebe. Eine entscheidende Rolle habe er indes nicht gespielt: Allein die neu angebrachte Gaube im ersten Stock habe 20000 Euro gekostet – das entspricht dem maximalen Förderbetrag.

Menschen wie Cornelia Mutzenbecher sind für die Stadt ein Segen. Um die historische Altstadt zu erhalten bräuchte es wohl viele ihrer Sorte. Mutzenbecher. Wohnen wird sie übrigens nicht in dem Haus. Ein bisschen Liebäugeln tut sie aber schon und auch die Handwerker könnten sich vorstellen einzuziehen.

Tradition verpflichtet

Jens Laparose hatte viel zu tun im vergangenen Jahr. Er hat das Geschäftshaus Warnecke, das direkt neben dem Hochzeitshaus liegt, komplett saniert. Weil es notwendig war, weil er Repräsentant des Modehauses ist, weil Eigentum verpflichtet. Laparose arbeitet in dem Unternehmen, dass sein Ururgroßvater 1883 gegründet hat, seit 15 Jahren als Geschäftsführer. Seit zwei Jahren ist er Inhaber. Tradition ist für ihn keine hohle Phrase.

Also hat er tief in die Tasche gegriffen. Wie tief, will er nicht sagen, außer: „Es war ein sechstelliger Betrag.“ Dafür hat das Gebäude nun ein komplett neues Dach, 25 neue Fenster, die Gefache an der Nordseite wurden neu gemauert, die Fassade hat einen aufwendigen, vierfarbigen Anstrich.

Dafür hat er von der Stadt den „höchstmöglichen Klacks“ bekommen, wie er sagt. 20000 Euro betrug der Zuschuss. Er will sich nicht beschweren, ist froh, dass er überhaupt einen Zuschuss bekommt. „Das hat es jahrelang nicht gegeben“, sagt er. Lediglich an einer Vereinfachung des „aufwendigen“ Antragsverfahrens könne noch gearbeitet werden, findet er. Darüber hinaus habe sei die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz positiv gewesen.

Der Zuschuss sei wichtig für die Eigentümer, denn: Ein Haus in der Altstadt, dass nach Denkmalschutzkriterien saniert werden muss, sei „sündhaft teuer“ . „Durch das, was ich in die Hülle investiere, habe ich nicht mehr Ertrag.“ Wichtig sei es dennoch. Wenn man zu lange wartet, wird‘s heftig, weiß Laparose. Das letzte mal hat er vor ungefähr 13 Jahren etwas am Haus gemacht. Der 42-Jährige investiert kontinuierlich in das Haus – und zwar nicht nur zur Straße hin, wie es viele andere tun.

Zum Beispiel Warneckes Nachbar. Wirft man aus Laparoses Büro einen Blick auf die Hinterseite des Hauses, fällt der Blick auf marode Balken, aus denen sich die Vögel Teile für ihren Nistbau herauspicken.

Auch über Fondsgesellschaften, die Häuser aufkaufen und ihre Sitze in aller Welt haben, ärgert er sich. „Die wollen nur das schnelle Geld.“

Dass die Unterhaltungskosten der uralten Substanz oft den Ertrag, sprich Miete, übersteigen, hat verschiedene Gründe. Viele Wohnungen in den oberen Etagen der Häuser sind nicht vermietet. Ein Grund sind die strengen Brandschutzauflagen, die die Umwandlung in Wohnungen in den oberen Etagen vielfach verhindern. „Wir müssten F-90-Decken einziehen und würden noch mehr Deckenhöhe verlieren“, sagt Jens Laparose. Und ebenfalls eine teure Angelegenheit. Irgendwo ist auch bei Laparose des Grenze des Machbaren erreicht.



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