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Vogeley-Vertrieb wird in Radolfzell zentralisiert / Insider erheben Vorwürfe / Bis zu 64 Jobs betroffen

War das Aus lange geplant?

Hameln. Das an den Schweizer Lebensmittelkonzern Hügli AG verkaufte Traditionsunternehmen Vogeley wird der Rattenfängerstadt endgültig den Rücken kehren. Die noch an der Robert-Henselin-Straße ansässige Nahrungsmittel GmbH soll zum 1. Februar 2016 in die Zentrale nach Radolfzell verlegt werden. Betroffen sind neben den noch in Hameln 14 Beschäftigten auch die rund 50 Mitarbeiter des Verkaufsaußendienstes. „Die Stimmung im Haus ist gedrückt“, sagt eine Angestellte, die anonym bleiben will. Zwar habe die Hügli AG in Aussicht gestellt, das Hamelner Personal in Radolfzell weiterzubeschäftigen, „aber das ist so weit weg, dass es wohl für kaum einen Kollegen oder eine Kollegin infrage kommt“. In der Zentrale am Bodensee war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

veröffentlicht am 08.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:06 Uhr

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Zum 1. Januar 2013 hatte die Hügli-Nahrungsmittel GmbH den Vertrieb der in finanzielle Turbulenzen geratenen Vogeley Großverbraucherservice GmbH übernommen. Im Vorfeld sei den Mitarbeitern die Zusage gegeben worden, dass das Unternehmen sowohl seinen Sitz als auch die Vertriebsstellen in Hameln halten werde, erinnert Thomas Bernhard. Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Hannover hatte bereits die Abwicklung der Vogeley Großverbraucherservice GmbH begleitet. „Der Traum ist nun zu Ende. Spätestens Ende Januar 2016 werden die Zelte abgebrochen“, erklärte er gestern und bestätigte, dass alle 14 Beschäftigten des Vertriebsinnendienstes bereits ein Angebot erhalten hätten, „sofort“ an den Standort Radolfzell übersiedeln zu können. Der Gewerkschaftsfunktionär bezweifelt jedoch, dass dort Kapazitäten für alle Hamelner Bediensteten vorhanden sind. „Mir wurde berichtet, dass da ein Raum ist, in dem höchstens vier bis fünf Personen Platz haben“, sagte Bernhard gegenüber dieser Zeitung und fügte hinzu: „Wir werden das Gefühl nicht los, als sei das aktuelle Szenario von langer Hand, möglicherweise gar von Anfang an, geplant gewesen.“ Grund für seine Vermutung: Der hochdefizitäre Vertrieb der ehemaligen Vogeley Großverbraucherservice GmbH arbeite inzwischen fast verlustfrei. Bernhard: „Das war abzusehen, denn vernünftige Vertriebsstrategien gab es in den letzten Jahren der Vogeley Großverbraucherservice GmbH nicht mehr. Das hat das gesamte Unternehmen in tiefrote Zahlen geführt.“

In diesem Moment sei der einstige Mitbewerber, die Hügli-Gruppe aus Radolfzell, auf den Plan getreten und habe Produkte, Rezepturen sowie Namens- und Markenrechte gekauft. „Auch umsatzstarke Kunden waren Ziel des Erwerbs. Die Produkte konnte die Hügli-Gruppe im eigenen Werk herstellen. Der eigene Außendienst aber war auf die besondere Kundenstruktur der Vogeleys nicht vorbereitet“, vermutet Bernhard, weshalb der Vertrieb in Hameln übernommen worden sei. Entsprechend motiviert seien die verbliebenen Hamelner Mitarbeiter ans Werk gegangen. „Nun, da der Übergangsprozess beendet ist, braucht man sie nicht mehr“, sagt Bernhard und bezeichnet das Umzugsangebot als „vordergründig“. Es klinge zunächst „durchaus großzügig“, allerdings „bei näherer Betrachtung hanebüchen“.

Die Abkehr vom Standort Hameln sei dem Betriebsrat gegenüber auch mit mangelnder Harmonie zwischen den EDV-Systemen der beiden Vertriebsbereiche Hügli und Vogeley sowie der Entfernung zwischen Radolfzell und Hameln erklärt worden, berichtet Bernhard und betont: „Der Versuch einer Harmonisierung der Vertriebssysteme war für die Beschäftigten in den vergangenen Jahren nicht erkennbar.“

Entscheidende Vorteile sieht der NBB-Geschäftsführer dagegen in der künftigen Kostenstruktur, die sich aus der Umstrukturierung des Vertriebsinnendienstes bei Verlagerung nach Radolfzell ergeben werden: „Die Mitarbeiter in Hameln arbeiten nach dem traditionellen Standard der Familie Vogeley, der den Vertriebsinnendienst als Instrument der Kundenbindung und der Unterstützung der Außendienstmitarbeiter ansah. Eine solche Einstellung ist den Verantwortlichen der Muttergesellschaft ein Dorn im Auge. Dort werden Außendienstmitarbeiter offenbar eher wie selbstständige Handelsvertreter gesehen.“

Für die Betroffenen fordert die NGG nun ein würdiges Ende. „Das in den Gesprächen vorgelegte Angebot von einem Viertel Gehalt pro Jahr der Betriebszugehörigkeit muss deutlich angehoben werden“, sagt Bernhard. Gefordert sei aber nicht nur die Hügli-Gruppe, sondern auch die Politik vor Ort, denn im Weserbergland zähle jeder Arbeitsplatz.

Eine lange Firmengeschichte ist damit zu Ende. Im Jahr 1892 gründeten Adolf Vogeley und Karl Ludwig Bruhns die „Drogerie zum rothen Kreuz“ in Kassel. 1943 wurde der Betrieb nach Hameln verlagert, ab 1948 neu gebaut, 1956 nahm das Werk in der Rattenfängerstadt seinen Betrieb auf. Bis die finanziellen Probleme begannen, wurde das Unternehmen in vier Generationen familiengeführt.



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