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„Entscheidend, dass die Tradition nicht stirbt“

Wacht die Unesco künftig über den Pfeifer?

Hameln. Dem Elbtal in Dresden wurde der Titel Weltkulturerbe aberkannt – wegen eines Brückenbaus. Der Kölner Dom stand zwischenzeitlich zumindest auf der Roten Liste des gefährdeten Weltkulturguts – wegen eines Hochhausprojekts Die Unesco wacht streng über die Bewahrung des von ihr deklarierten Erbes. Nun ist die Anerkennung der Rattenfängersage als Immaterielles Kulturerbe bislang nicht mehr als Wunsch, Hoffnung und Zukunftsmusik. Die Hamelner Bewerbung ist noch nicht einmal verfasst. Aber dennoch: Würde im Falle des Falles, der Pfeifer unter Unesco-Aufsicht gestellt? Gäbe es künftig also Rüffel für eine geknickte Hutfeder? Schelte für unpolierte Brunnenfiguren? Gelbe Karten für ausgefallene Vorstellungen von „Rats“ oder Rattenfängerspiel?

veröffentlicht am 01.07.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 16:41 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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So schlimm dürfte es in keinem Fall kommen. Davon gehen die Vertreter der Hameln Marketing und Tourismus GmbH (HMT), bei der das Projekt Unesco-Kulturerbe angesiedelt ist, fest aus. Und auch Benjamin Hanke von der deutschen Unesco-Kommission in Bonn beruhigt: Letztlich käme es darauf an, dass die Sage erhalten bleibt, die Tradition nicht stirbt. Veränderungen in dieser Tradition seien aber sogar ein „konstituierendes Element“ des immateriellen Erbes.

Wenn nun also – nur rein hypothetisch – die Hamelner künftig am Sonntagmittag lieber einen Rattenfänger-Umzug als ein Ratenfängerspiel in der Innenstadt sähen, brächte dies das Unesco-Siegel wohl kaum in Gefahr. Sogar der Wegfall einer Rattenfänger-Tradition wäre nach Angaben Hankes verkraftbar, solange die Tradition als Ganzes keinen lebensbedrohlichen Schaden nimmt. Oder wie HMT-Chef Harald Wanger sagt: Um Probleme mit der Unesco zu bekommen, „müssten wir schon alle Verbindungen zum Rattenfänger kappen“. Das ist in der Rattenfängerstadt nun allerdings auch mit viel Fantasie schwer vorstellbar. Gleichwohl: Eine Unesco-Kontrolle ist grundsätzlich angedacht, sagt Hanke. Wie dieses „Monitoring“ in der Praxis aussehen soll, ist jedoch noch offen.

Übrigens: Auch wenn das Projekt derzeit von der HMT betreut wird, Absender der Hamelner Bewerbung, so viel steht bereits fest, wird sie am Ende nicht sein. Der Grund: Ein kommerzielles Interesse soll – so die Unesco-Vorgabe – nicht vorrangiger Antrieb sein, das Kulturerbe-Siegel erlangen zu wollen. Eine Bewerbung im Umschlag des Stadtmarketings hätte da schlechte Chancen.



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