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Papp-Abfälle immer sperriger

Wachsender Online-Handel: Die blaue Tonne reicht nicht mehr

HAMELN. Die Deutschen kaufen immer mehr Waren im Internet. Neben Kleidung und Elektronik werden inzwischen auch immer häufiger Möbel online gekauft – die Verpackungen dafür werden immer sperriger und passen nicht mehr in die blauen Altpapier-Tonnen. An den Müllabfuhrtagen türmen sich deshalb Kartons am Straßenrand.

veröffentlicht am 20.02.2018 um 11:48 Uhr
aktualisiert am 20.02.2018 um 15:30 Uhr

Die Waren, die über das Internet gekauft werden, werden immer sperriger. Auch die Verpackungen passen immer öfter nicht in die blaue Papiertonne und werden am Abfuhrtag daneben gestellt. Foto: ww
Wiebke Kanz

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Wiebke  Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Montagmorgen, 6.30 Uhr: Die schwarzen Altpapiertonnen mit blauem Deckel der Kreisabfallwirtschaft (KAW) stehen am Straßenrand zur Abfuhr bereit, so wie jeden Monat. Und so wie jeden Monat stehen daneben: ganze Kartons voller Altpapier, gebündelte Papier-Pakete, große Verpackungen. Bereits seit einiger Zeit, so der Eindruck, wachsen die Altpapierberge, die neben den Tonnen zur Abholung an der Straße aufgetürmt werden, stetig an. Die KAW nimmt diese mit – „als Service“, sagt der stellvertretende Betriebsleiter Ulrich Kaufmann: Wenn die große 240-Liter-Tonne mal nicht ausreicht oder man große Kartons einfach nicht zerkleinern kann oder will.

Reicht die 240-Liter-Tonne also immer öfter nicht aus? Wird in Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont durch den Online-Versandhandel immer mehr Altpapier verbraucht? „Statistisch zumindest nicht“, sagt Kaufmann, „da hat sich kaum etwas verändert.“ 2016 hat das kommunale Abfallunternehmen insgesamt 12 493 Tonnen Papier und Pappe gesammelt, knapp 130 Tonnen weniger als im Jahr zuvor und knapp 290 Tonnen weniger als noch 2014. Auf jeden Einwohner kamen 2016 demnach etwa 85 Kilo Altpapier (2015: 86 Kilo, 2014: 87 Kilo).

Allerdings: Bedrucktes- und Zeitungspapier werde schon seit Jahren immer weniger recycelt, dafür gebe es mehr Verpackungsabfall wie Pappen und Kartonagen. Diese seien sperriger, daher der Eindruck, die Altpapiermenge habe zugenommen. Hauptgrund für die Zunahme sperriger Kartons: Das Internet wächst als Vertriebsweg für Waren aller Art stetig weiter. Verbraucher in Deutschland kauften im vergangenen Jahr Waren für 58,5 Milliarden Euro im Internet, teilt der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) mit. Damit entfiel2017 jeder achte Euro des gesamten Einzelhandels-Umsatzes auf den Handel im Internet. Im laufenden Jahr sei abermals mit einem Wachstum von 9,3 Prozent zu rechnen. Dazu kamen 2017 noch einmal rund 3,7 Milliarden Euro im klassischen Versandhandel ohne Internet. Neben Kleidung, Elektronik und Schuhen, die zusammen mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmachen, werden auch zunehmend Möbel und Inneneinrichtung im Internet gekauft – die Verpackung hierfür ist entsprechend größer und sperriger.

Die Altpapierabfuhr erfolgt monatlich – daran soll sich laut KAW auch vorerst nichts ändern, selbst wenn Kartons und Pappverpackungen die Papiertonnen regelmäßig zum Überlaufen bringen. „Papier ist ein Gut, dass sich gut lagern lässt, das nicht unangenehm riecht“, sagt Ulrich Kaufmann. Wer Bedarf an einer zusätzlichen Papiertonne zum Lagern habe, könne sich an die KAW wenden. Und auch mehr Fahrzeuge muss die Kreisabfallwirtschaft nach eigenen Angaben nicht einsetzen, um den sperriger gewordenen Papiermüll abzuholen.

„Wir wären schon glücklich, wenn wir mehr Altpapier hätten“, sagt Kaufmann. „Wir freuen uns über jedes Stück Papier, das wir sammeln können.“ Denn: Für Altpapier gibt es einen regelrechten Welthandel, jedes Gramm, das auf dem Entsorgungspark landet, wird teuer weiterverkauft – das eingenommene Geld sorgt dafür, dass sie Abfallgebühren stabil bleiben.

Information

Was ins Altpapier gehört – und was nicht

Papier ist nicht gleich Papier – zumindest, wenn es ums Recycling geht. Denn nicht jedes Altpapier darf in die entspreche Tonne: Das gilt beispielsweise für verschmutztes Papier, benutzte Taschentücher, Küchenrolle, Tapetenreste, Kohle- und Blaupapier – diese Abfälle gehören in den Restmüll. Das gleiche gilt auch für Briefumschläge mit Noppenpolster oder Folienfenster, Fotopapier und beschichtetes Geschenkpapier. Ebenfalls nicht im Altpapier landen sollten gegen Feuchtigkeit imprägnierte und geleimte Papiere und Pappen wie Plakate. Und wer es ganz genau nehmen möchte: Eigentlich sollten auch die Adressetiketten von Paketen gelöst und von Kuverts und Post-its die Selbstklebeverschlüsse abgetrennt werden. Auch diese Stoffe sollten dann im Restmüll entsorgt werden. Auch Einkaufsbons, entwertete Fahrkarten und Kontoauszüge müssen – anders als man vermuten würde – im normalen Hausmüll landen: Dabei handelt es sich meist um Thermopapier, das eine Beschichtung mit Bisphenol-A besitzt. Diese Substanz kann im Recyclingprozess im Ökosystem landen und dort Grundwasser und Böden belasten.

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