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Vorsicht, Falle! Telefon-Abzocker arbeiten mit neuem Trick

veröffentlicht am 07.09.2011 um 18:20 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Hameln (ube). Bei vielen Hamelnern haben sie es schon probiert - wieviele ihnen in die Falle gegangen sind, weiß derzeit noch niemand. Die Betrüger arbeiten mit einer ganz neuen Masche - mit technischen Tricks übermitteln sie bei Anrufen die Telefonnummer eines ahnungslosen Bürgers - und das hat Folgen. 

Harald Treder verstand die Welt nicht mehr, als ihm ein angeblicher Rechtsanwalt am Telefon erzählte, er habe im Jahr 2009 einen Vertragsbruch begangen. Treder, so behauptete der 25 bis 30 Jahre alte Mann, habe seinerzeit an einem Gewinnspiel teilgenommen, die Vereinbarung aber nur telefonisch – und nicht wie vorgeschrieben – schriftlich annulliert. Seine Zusage, an dem Spiel teilnehmen zu wollen, sei per Tonbandmitschnitt belegbar. Der Hamelner traute seinen Ohren kaum, wusste er doch ganz genau, dass er noch niemals in seinem Leben an einem Gewinnspiel teilgenommen hatte. „Der angebliche Rechtsanwalt hat mir vorgeschlagen, einen Vergleich zu schließen. Ich habe das aber abgelehnt. Da hat er gesagt: ,Okay, dann sehen wir uns eben vor Gericht wieder.‘“ Der Hamelner notierte sich die Berliner Telefonnummer, die im Display seines Telefons aufleuchtete – und dachte nach. „Das Ganze ließ mir keine Ruhe. Irgendwann habe ich dann zum Hörer gegriffen und die Nummer in Berlin angerufen“, erzählt Harald Treder. Er war überrascht, als sich am anderen Ende nicht eine Anwaltskanzlei, sondern Ines Mörbitz aus Berlin-Spandau meldete.
 Für Familie Mörbitz kam der Anruf aus Hameln weniger überraschend. „Seit Ende Juni rufen bei uns viele Leute an“, erzählt Ines Mörbitz. Anfangs kamen die Anrufe aus dem Raum Kassel, seit ein paar Wochen melden sich bei uns vor allem Leute aus dem Bereich Hameln. „Ich habe angefangen, Buch zu führen. Im Juli waren es 50 bis 60 Anrufe. In Spitzenzeiten rufen täglich zehn bis zwölf Fremde, die sich beschweren oder uns mitteilen wollen, ,dass diese Art von Telefonwerbung‘ verboten ist, an.“ Einmal habe eine Frau aus Kassel auf ihren Anrufbeantworter gesprochen – ihre Nachricht lautete: „Sie haben inkompetente Mitarbeiter.“ Ines Mörbitz rief zurück und klärte die Anruferin, der ein Telefonvertrag aufgeschwatzt werden sollte, auf: „Da missbraucht irgendjemand meine Telefonnummer.“
 Ines Mörbitz bat ihren Telefonanbieter Kabel Deutschland um Hilfe. Nachforschungen ergaben: Eine Störung liegt nicht vor. Der Datenschutzbeauftragte von Berlin habe ihr mitgeteilt: „Bei uns sind Sie vollkommen falsch.“ Die Verbraucherzentrale habe bislang nicht zurückgerufen – und die Berliner Polizei habe ihr gesagt, sie könne nichts tun, solange sie nicht wirtschaftlich geschädigt würde, erzählt Ines Mörbitz. Immerhin protokollierten die Polizisten den Fall und nahmen ihn zu den Akten. „Ich bin gefrustet, weil man sich gegen diese Form des Missbrauchs nicht wehren kann“, sagt Ines Mörbitz. Sicher, sie könne sich eine neue Rufnummer zuteilen lassen, aber das wolle sie nicht. Ihre alte Nummer habe sie schon seit Jahrzehnten. Da ist es kein Trost, dass Kabel Deutschland angeboten hat, Familie Mörbitz kostenlos zwei neue Rufnummern zur Verfügung zu stellen.
 Es sei leider technisch möglich, dass Kriminelle bei Anrufen die Telefonnummer eines anderen Teilnehmers übermitteln, sagt Kathrin Wittmann von Kabel Deutschland: „Bei im Ausland ansässigen Servern für SIP, das ist ein Protokoll für Internet-Telefonie, können Nutzer beispielsweise eine beliebige Rufnummer eintragen. Außerdem könnte es unter bestimmten Umständen mit SIP-Telefonanlagen selbst in Deutschland möglich sein, dass ein Anrufer eine andere Rufnummer vortäuscht. Da diese Machenschaften außerhalb des Netzes und Einflussbereiches von Kabel Deutschland stattfinden, können wir solch eine betrügerische Verwendung von Rufnummern unserer Kunden nicht verhindern.“ Der Netzbetreiber (Festnetzanbieter) desjenigen, der die Anrufe mit der falschen Nummer erhalten hat, könne aber versuchen, den Verursacher zu ermitteln, sagt Kathrin Wittmann. Die Hamelner Polizei empfiehlt, niemals auf Geldforderungen am Telefon einzugehen. „Wer es sich zutraut, kann zum Schein zustimmen und sich die Konto-Daten notieren. Danach sollte er aber umgehend die Polizei verständigen“, rät Oberkommissar Jörn Schedlitzki. Ein Kenner in Sachen Internet- und Telefon-Kriminalität sei Kommissar Ingo Schleicher. Der Beamte des Fachkommissariats für Vermögensdelikte stehe am 10. September, am Tag der offenen Tür, von 10 bis 17 Uhr für Fragen, speziell zu diesem Thema, zur Verfügung.



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