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Wo könnte das Theater kürzen?

Vorhang auf – für ein Spar-Programm

Hameln (bha/rom). Wie ein Damoklesschwert hängt der Begriff „Kürzung“ seit Jahren über den kulturellen Einrichtungen der Stadt Hameln, fällt und kappt bislang jedoch nicht. In dieser Wahlperiode will die Mehrheitsgruppe aus CDU, Grünen und Unabhängigem ernst machen, angefangen beim Theater. „Reduzierung des jährlichen Defizits um zehn Prozent“ lautet das Ziel, dem der Rat heute Abend im Rahmen der Haushaltsverabschiedung zustimmen soll, so der Antrag.

veröffentlicht am 21.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 18:41 Uhr

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Schon der Begriff „Defizit“ stößt am Theater sauer auf. Es handele sich um eine Summe, die die Stadt Hameln zur Verfügung stellt, „um ein angemessenes Kultur- und Bildungsangebot für die Bevölkerung bereitzuhalten“, sagt Theater-Direktorin Dorothee Starke. So oder so: Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen um etwa 1,47 Millionen Euro jährlich. Um 147 741 Euro will die Mehrheitsgruppe den Zuschuss pro Jahr reduziert wissen. Wie das gehen soll? Die Dewezet beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wofür braucht das Theater einen Jahresetat über zwei Millionen Euro? Der größte Teil sind Fixkosten für Personal und Instandhaltung der Immobilien. Das Personal arbeitet teilweise aber auch für den gesamten Verbund und das Museum. 600 000 Euro gibt das Theater für Gastspielhonorare aus.

Könnten Programme eingestampft werden? Das Theater schlägt vor, das noch junge Programm „Partnerschule“ einzustellen. In diesem Rahmen verpflichten sich Schulen bislang, ihre Schüler mindestens einmal pro Jahr ins Theater zu schicken. Das Theater seinerseits nimmt zum Beispiel Stücke auf, die für das Zentralabitur relevant sind und gewährleistet, dass für jede Altersklasse etwas im Programm zu finden ist. Die Quote der jungen Theatergäste erhöht sich dadurch, aber die Einnahmen – eine Schülerkarte kostet 6 Euro – decken die Kosten nicht.

Was ist mit dem Kinder- und Jugendprogramm? An Einstampfen denkt die Theaterleitung nicht, vielmehr an den Ausbau. Es biete eine hohe Qualität und sei zu 90 Prozent ausgelastet. Allerdings decke der Preis von 4,50 Euro pro Karte die Kosten selbst bei vollem Haus nicht.

Warum reduziert das Theater nicht die Zahl der Aufführungen? Das senkt doch die Ausgaben. Das ist richtig, aber automatisch reduzieren sich dabei auch die Einnahmen. Daher scheut die Theaterleitung den Schritt: Um 140 000 Euro zu sparen, müsste der Gastspieletat um mindestens 25 Prozent gesenkt werden. Die Befürchtung: Bei einer Programmreduzierung würde das Theater nicht als kultureller Mittelpunkt des Weserberglandes akzeptiert, Besucher würden abwandern.

Können nicht einfach günstigere Aufführungen eingekauft werden? Schon. Allerdings warnt Dorothee Starke: „Eine solche Sparpolitik würde den Ruf des Hauses nachhaltig beschädigen.“

Wie steht es um höhere Eintrittspreise, um auf diese Weise den Zuschussbedarf zu senken? Das möchte die Theaterleitung vermeiden. Ihr Anspruch (und auch der der Mehrheitsgruppe) ist es, „Theater für breite Bevölkerungsschichten zu machen“. Das Theater nimmt jährlich circa 500 000 Euro durch den Ticketverkauf ein, das Haus ist im Schnitt zu 70 Prozent ausgelastet. Dieser Grad der Auslastung ist bei vergleichbaren Häusern nicht selbstverständlich.

Kann das Theater auf anderem Weg Geld einnehmen? Die Antwort lautet „jein“. Schon heute wirbt das Theater Drittmittel durch Sponsoren ein und vermietet zum Beispiel das Haus. So konnte der Etat bei steigenden Kosten bisher stabil gehalten werden.

Bleibt die Frage: Wie denn dann? Bislang scheint eine Antwort nicht vorzuliegen. Die Mehrheitsgruppe will einen Gutachter beauftragen, der die Wirtschaftlichkeit des Theaters unter die Lupe nimmt und Einsparpotenziale aufzeigt. Auch soll geprüft werden, ob es günstiger ist, die Abteilung „Theater der Stadt Hameln“ in eine andere Rechtsform (GmbH) zu überführen. Die für das Theater Hameln Verantwortlichen warnen jedoch vor dem Trugschluss, dass allein durch die Änderung der Rechtsform Geld einzusparen sei.

Die Ratsitzung beginnt heute um 18 Uhr im Weserbergland-Zentrum.



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