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Stadtbaurat über den komplexen Rückbau der Linsingen-Kaserne

Vor dem Abriss muss noch viel passieren

HAMELN. Bis auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne die Abrissbirnen anrollen, muss noch einigen passieren. Zunächst muss ein Büro gefunden werden, das den Abbruch detailliert plant. Diese Ingenieurleistung mit einem Auftragsvolumen von über 5,5 Millionen Euro wurde europaweit ausgeschrieben, Bewerbungen sind eingegangen.

veröffentlicht am 16.07.2018 um 12:41 Uhr
aktualisiert am 01.08.2018 um 13:33 Uhr

Gebaggert wird an der Linsingen-Kaserne bereits – allerdings lediglich für Fernwärmeleitungen. Bis zum Abriss dauert es noch … Foto: dana
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Mitte Juli endet die Angebotsfrist, bis Ende August soll der Auftrag für die Planleistung vergeben sein. Voraussichtlich im Dezember könnte das beauftragte Ingenieurbüro mit der Erstellung des Leistungsverzeichnisses fertig sein, bevor die nötigen Arbeiten wiederum ausgeschrieben werden können. Der Plan ist laut Stadtbaurat Hermann Aden, in der Zeit bis Anfang Februar 2019 die Angebote zu sichten und zu bewerten und im Anschluss die Aufträge zu vergeben.

Und dann, in sieben Monaten etwa, wenn vom Planer festgelegt wird, was in welcher Reihenfolge abgerissen wird, können die Bagger und andere Geräte anrücken, um von den etwa 40 Gebäuden am Ende nur noch Bauschutt zurückzulassen und um Raum für Neues zu schaffen. Die Flächen, um die es dort geht und die Massen, die dort bewegt werden wollen, sind gewaltig.

Vom Dach bis einschließlich Fundament sollen bis auf die Mensa, eine Fernwärmeübergabestation und zwei Trafogebäude alle Gebäude „rückgebaut werden“, wie es fachmännisch heißt. Geschätzt wird, dass 90 000 Tonnen Bauschutt zu erwarten sind. Die bebaute Fläche der auf dem Gelände vorhandenen Gebäude umfasst nahezu 30 000 Quadratmeter, das Volumen aller Bestandsgebäude beträgt etwa 278 600 Kubikmeter.

Die Asphalt- und Betonmassen, die dort verbaut sind, wurden in den vergangenen Monaten untersucht und je nach Schadstoffgehalt in unterschiedliche Verwertungsklassen eingeteilt. Der Landkreis und die Stadt Hameln haben für ihre jeweiligen Grundstücke die Mengen beziehungsweise Volumen ermittelt. Auf Kreisseite (im nördlichen Bereich, wo die Elisabeth-Selbert-Schule und eine Sporthalle entstehen sollen), wird mit etwa 600 Quadratmeter (gefährlichem) pechhaltigen Asphalt gerechnet, der der Verwertungsklasse C zuzuordnen ist, weil er über einen sehr hohen Gehalt an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Phenole verfügt, die als krebserregend gelten; 15 800 Quadratmeter sind weniger schadstoffbelastet, fallen in die VK B, dürfen aber auch nicht ohne weiteres wieder eingebaut werden; 4300 Quadratmeter gehören zur Klasse A, die kaum Verunreinigungen aufzeigen.

Auch auf der Seite des Geländes, die von der Hamelner Gesellschaft für Sozialen Wohnungsbau und Projektentwicklungs mbH gekauft wurde, wurden die Böden untersucht. Dort wurden laut Bericht teils deutlich erhöhte PAK-Gehalte festgestellt. Danach müssen 300 Tonnen Asphalt der Verwertungsklasse A und 1800 Tonnen verunreinigten Asphalts (VK B und C) entsorgt werden. Hinzu kommen mehrere Tausend Tonnen Beton, von denen 27 800 Tonnen wieder vor Ort eingebaut werden könnten.

In den Böden jener Geländeabschnitte, auf denen früher unter anderem Fahrzeuge gewartet und betankt wurden, wurden außerdem Altlasten entdeckt. Ein Bericht spricht von zehn Kontaminationsverdachtsflächen, die untersucht worden seien, auf denen sich Abscheideranlagen, Erdtanks und zwei ehemalige Betriebstankstellen befunden hätten. „Eine kleinräumige Grundwasserverunreinigung konnte nur lokal im Bereich einer Tankstelle nachgewiesen werden“, heißt es weiter.

Bekannt für markige Sprüche, umschreibt Hamelns Stadtbaurat Hermann Aden die Lage auf dem Gelände so: „Da steh’n ja keine Lehmhütten – das ist eine anspruchsvolle Aufgabe“, die Gebäude zurückzubauen und die Baustoffe zu trennen. Von der NBank gibt es aufgrund der Kontaminationen Fördermittel aus dem Programm „Brachflächenrecycling“ für den Rückbau des Exerzierplatzes. Fast 470 000 Euro gelten als förderfähige Gesamtausgabe.

Mit 50 Prozent ist der mögliche Zuschuss der EU über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) angegeben. In welcher Höhe genau der Rückbau gefördert wird, steht noch nicht fest. Die Abrisskosten gehen sowohl für den Landkreis als auch für die Stadt Hameln in die Millionen – der Landkreis hat bislang mit 1,9 Millionen Euro gerechnet, Hameln mit 2,1 Millionen Euro.

Dass die Entsiegelung solch großer Flächen auch unangenehme Nebenwirkungen nach sich ziehen kann, zeigte sich in Osnabrück. Dort wurde vor sechs Jahren die „Scharnhorstkaserne“ abgerissen, der Boden nahm seither mehr Regenwasser auf. Danach beklagten Bewohner der Umgebung, dass ihre Keller feucht wurden, weil offenbar der Grundwasserspiegel angestiegen war. Die Gefahr sieht Aden für Hameln nicht unbedingt, weist aber darauf hin, dass die Hauseigentümer selbst die Verantwortung für ausreichende Drainage auf ihren Grundstücken und für trockene Wände zuständig sind.

Aden rechnet damit, dass im „Herbst 2019 alles weg ist“. Aber noch bevor die Fläche plan ist, wird über das künftige grüne Zentrum des Geländes nachgedacht: Nach der Sommerpause sollen die Auslobungsunterlagen für den Wettbewerb verschickt werden, an dessen Ende der Entwurf für den etwa 21 000 Quadratmeter großen „Quartierspark“ stehen soll.



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