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Rattenfänger veröffentlicht Erinnerungen online

Vor 25 Jahren: Wie Michael Boyer die Rolle seines Lebens fand

HAMELN. Vor 25 Jahren berichtete die Dewezet, dass ein neuer Rattenfänger gesucht wird. Michael Boyer witterte seine Chance, bewarb sich – und fand wenig später zur Rolle seines Lebens. Bis zum offiziellen Jubiläum will er nun regelmäßig Geschichten aus einem Vierteljahrhundert als Pfeifer veröffentlichen.

veröffentlicht am 01.12.2018 um 08:00 Uhr

So vergeht die Zeit: Michael Boyer bewarb sich vor 25 Jahren als Rattenfänger – mit Erfolg. Foto: DANA
Muschik, Moritz

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Schauspieler wollte Michael Boyer schon immer werden. Und vielleicht ein bisschen berühmt. Schon als Kind habe er seine Großeltern unterhalten, erzählt er. Bei einer Talentshow in der Schule in Pennsylvania moderierte er als Siebtklässler vor 400 Leuten. Mit 14 Jahren übernahm er den Job als Maskottchen der Schule. Inzwischen führt er regelmäßig Touristen durch die Stadt, die seinen Job im Spitznamen trägt: Seit fast 25 Jahren repräsentiert er Hameln als Rattenfänger.

Zum bevorstehenden Jubiläum hat Boyer besondere Erinnerungen gesammelt. Ab Samstag, 1. Dezember, will er regelmäßig ein neues Kapitel seiner persönlichen Geschichte im Internet freischalten. Seine Website „www.twentyfife.wordpress.com“ soll schrittweise mit besonderen Momenten seiner bisherigen Laufbahn gefüllt und erweitert werden. Schließlich begann Boyer seinen Job als Rattenfänger vor fast 25 Jahren – offiziell am 1. Januar 1994.

An die Anfänge seiner Dienstzeit kann er sich noch gut erinnern: „Das Kostüm passte soweit und wir sind rechtzeitig noch eine Flöte kaufen gegangen“, erzählt er. Der gebürtige US-Amerikaner hatte zu dieser Zeit gerade einmal zwei Stunden Musikunterricht bekommen. Trotzdem ging es einen Monat nach Dienstantritt zur Hamburger Touristikmesse. „Ich konnte gerade sechs bis acht Töne spielen, sehr zum Verdruss von unseren Standnachbaren“, meint Boyer mit einem Augenzwinkern. Wenig später begann er, Touristen als Rattenfänger verkleidet durch Hameln zu führen: damals eine Innovation, heute Routine.

Mit Ratte und Pfeife: Michael Boyer im Jahr 1998. Foto: DANA
  • Mit Ratte und Pfeife: Michael Boyer im Jahr 1998. Foto: DANA
Ohne Kostüm: Boyer und sein Spiegelbild 2009. Foto: DANA
  • Ohne Kostüm: Boyer und sein Spiegelbild 2009. Foto: DANA

Als Repräsentant der Rattenfängerstadt ist Boyer über die Jahre hinweg zu einer kleinen Berühmtheit geworden – und viel gereist. Er erinnert sich an einen Vorfall während eines Besuchs in China: „Ein Kind kam auf mich zu und sprach mich auf Chinesisch an“, erzählt er. Dabei habe er sein Kostüm zu der Zeit gar nicht getragen. „Mein Übersetzer hat erklärt, dass mich das Kind im Fernsehen gesehen habe“, sagt Boyer und fügt dann hinzu: „In solchen Fällen weiß ich, dass man nur demütig Danke sagen kann.“

Seit fast 25 Jahren steht Boyer immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. 1996 zum Beispiel kam eine Fotografin nach Hameln, um den Rattenfänger in der Hamelner Altstadt für eine italienische Zeitschrift zu fotografieren. Boyer setzte sich in ein offenes Fenster eines Fachwerkhauses, ließ seine Beine in der Luft baumeln. „Ich bin nur im Fenster geblieben, weil mein Sohn mich unsichtbar von hinten an einem Gurt festgehalten hat“, erzählt Boyer. „Was man nicht alles für die Kunst und die Stadt macht …“

Kurz zuvor hatte Boyer Rudi Völler getroffen. Der Fußball-Weltmeister war für eine Trainingseinheit nach Hilligsfeld gekommen. „Das hat der Verein gewonnen“, sagt Boyer. Nach dem Training gab es eine Autogrammstunde mit dem Fußballstar. Auch die Autogramme des Rattenfängers waren gefragt. „Zwei Langhaarige trafen und verstanden sich“, sagt er und schmunzelt. Es ist eine von vielen Geschichten, die Boyer in 25 Jahren als Rattenfänger erlebt hat. Und er will weiter Anekdoten sammeln …



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