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Was den Besuchern auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt gefällt – und was nicht ganz so gut ankommt

Von Stimmungseinbruch ist nichts zu spüren

Hameln. Links, rechts, links. Ein Schritt vor und Wiegeschritt, Vierteldrehung nach links und wieder vor. Das ist kein neuer Tanz, das ist der normale Wahnsinn auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt. Es ist rappelvoll zwischen den Holzbuden rund um die Marktkirche. Eben wie in jedem Jahr an den Adventswochenenden. In diesem Jahr wegen sämtlicher Querelen um Standvergabe, Zuständigkeiten und störender Baustellen aber doch bemerkenswert.

veröffentlicht am 28.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:08 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Etwas abseits des Trubels am Kinderkarussell hat gerade die kleine Antonia in einem Omnibus Platz genommen und lässt sich, völlig aus dem Häuschen, im Kreis chauffieren. Sie strahlt zu Papa Bartosz und Mama Agnes Burkowski aus Wunstorf-Blumenau, die sich nach Hameln aufgemacht haben. Auch die Großeltern Beata und Dieter aus Seelze sind mit von der Partie. Aus Zeitung und Fernsehen haben sie erfahren, dass der Hamelner Weihnachtsmarkt einer der größten und schönsten in den norddeutschen Landen sein soll. „Sehr schön hier, wir sind voll zufrieden“, bestätigt denn auch Beata Burkowski, was sie nur vom Hörensagen kannte. Die Reste der Baustelle nebenan fallen ihnen gar nicht auf. Von der Razzia im Rathaus und dem Trubel im Vorfeld haben sie zwar auch etwas mitbekommen, lassen sich den Spaß aber nicht vermiesen. „Das interessiert mich nicht. Das sollen die unter sich ausmachen“, sagt Burkowski Senior und fährt fort: „Ich war Polizist und habe schon so viel Dreck gesehen. Das war bei uns in Hannover beim Schützenfest auch schon mal so ähnlich.“

Von Stimmungseinbruch wegen schlechter Schlagzeilen ist auch am Glühweinstand neben der Marktkirche nichts zu spüren. Dorthin und in die Adventszeit hat der Faschingstrupp aus Groß-Sisbeck bei Helmstedt sein närrisches Treiben verlagert. Statt Narrenkappen tragen die Karnevalisten Weihnachtsmützen, Elchgeweihe und die allgegenwärtigen roten mit Plüsch bezogenen „Bunny-“, sprich Häschenohren. Jedes Jahr wird ein anderer Weihnachtsmarkt vom Club besucht. Den Hamelner Markt haben sie im Internet entdeckt und eine Bekannten, „die Inge aus Grohnde“, hat ihn empfohlen. In kurzer Zeit sind sie offenbar zu Kennern lokaler Spezialitäten geworden: „Rattengift haben wir probiert. Und der Rattenfänger ist zu empfehlen. Das ist Glühwein mit Zucker und Rum“, lautet der Tipp der Karnevalisten. Von den Bestechungsvorwürfen hören sie hier zum ersten Mal. „Man sollte sich das Fest aber dadurch nicht verderben lassen“, sagen sie. Zwischendurch ist ein „Das sieht ja toll aus mit den Windlichtern“ bei Meyers „Wein und Meer“ zu hören. Andere nörgeln über das Fehlen der Beleuchtungsnetze an den Bäumen neben der Marktkirche, mancher vermisst die bekannte Holzpyramide, die sonst in der Osterstraße geleuchtet hat. Und, das fällt auf, nirgendwo klingt ein Weihnachtslied aus den Buden. Nur Stimmengewirr ist zu hören. Oder? Doch, da, aus den Tiroler Hütten von Schlüter dringt ein zartes „Oh Tannenbaum“ nach draußen. Klaus Trumpler aus Völksen hat seine Mundharmonika gezückt und verbreitet mitten in der rustikalen Bude weihnachtliche Töne. „Im Urlaub, beim Wandern oder hier. Die Mundharmonika ist immer dabei“, erzählt der 55-Jährige, der mit seiner Lebensgefährtin Karin Marquardt und den Berliner Freunden Silke und Falk Hübner jedes Jahr nach Hameln zum Markt kommt. „In Berlin gibt es über 20 Weihnachtsmärkte. Bei den meisten herrscht nicht die tolle Atmosphäre wie hier. Da ist mehr Rummel“, findet Silke Falk. Trumpler schätzt die Erzgebirgs- und die Kerzenbude, wo er auch schon seine Mundharmonika gespielt hat. „Das gibt eine gute Stimmung, aber billiger bekomme ich dann doch nichts“, scherzt der Völksener.

Auf den Rückweg zum Bahnhof macht sich unterdessen der Kegelverein „Sonntagswürfel“ aus Wabern in Hessen. „Leider schon, es hat uns sehr gut gefallen“, schwärmt Jutta Pippert vom Hameln-Besuch. Und warum sind die „Sonntagswürfel“ schon am Samstag unterwegs? „Sonntag haben wir doch keine Zeit, da müssen wir kegeln“, erklärt Jürgen Wenzel. „Wir haben den Eindruck, dass das Leben hier entschleunigt ist. Kassel ist viel hektischer“, loben die acht Kegler das Flair in der Rattenfängerstadt. Besonders haben die Kunsthandwerkerstände es den Hessen angetan. Aber sollten sich die Korruptionsvorwürfe bestätigen – dann würde „auf den guten Eindrücken von Hameln doch ein Schatten“ liegen.

Volker Trumpler mit seiner Mundharmonika.
  • Volker Trumpler mit seiner Mundharmonika.
Sieht nach Fasching aus? Richtig. Den Faschingstrupp aus Groß-Sisbeck hat es diesmal nach Hameln verschlagen.
  • Sieht nach Fasching aus? Richtig. Den Faschingstrupp aus Groß-Sisbeck hat es diesmal nach Hameln verschlagen.

Antonia freut sich riesig über ihre Fahrt auf dem und zum „Festplatz“.

Fotos: fn



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