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Nicht alles, was man so hört, stimmt: Ein Blick in die zahnmedizinische Gerüchteküche

Von schiefen Zähnen, Amalgam und Kieferknacken

Sebastian W. fragt: Wegen der zunehmenden Schiefstellung meiner unteren Frontzähne sollen meine Weisheitszähne entfernt werden. Man hört das so oft, aber stimmt das denn?

veröffentlicht am 12.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 20:21 Uhr

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Dr. Wolfgang Killmann antwortet: Was auf jeden Fall stimmt, ist der Spruch, dass „Weisheits“-Zähne ziemlich „blöd“ sein können. Nämlich dann, wenn sie durch lokale Entzündungen verbunden mit Schmerzen, Wangenschwellung und Kieferklemme richtig Kummer machen. Aber ob sie wirklich etwas mit dem Zusammenschieben der Frontzähne zu tun haben, die sich immerhin fünf Zentimeter davon entfernt befinden, ist fachlich mehr als umstritten. Gesichert ist, dass die unmittelbar davorliegenden Zähne Nummer 7 und 6 durch den Druck dieser Zähne verschoben werden können.

Es gibt in unserem Fachbereich noch manch andere Mär. Zum Beispiel, dass schief stehende Zähne immer gerichtet werden müssen. Natürlich gibt es gravierende Fehlstellungen, wo die Kieferorthopädie helfen kann, aber häufig führt lediglich eine idealisierte Ebenmäßigkeitsvorstellung Patienten zum Zahnarzt.

Amalgamfüllungen sollen wegen ihres Quecksilbergehaltes immer schädlich sein? Milliarden von Menschen in aller Welt haben Amalgamfüllungen bekommen, ohne dass Nebenwirkungen bekannt wurden, was nicht heißt, dass in Einzelfällen die Schulmedizin Allergien nachweisen kann oder Naturheilkundler Unverträglichkeitserscheinungen ausmachen. In Deutschland weisen die kassenzahnärztlichen Leitlinien Amalgam im Seitenzahnbereich nach wie vor als Standardfüllmaterial aus. Die moderne Zahnmedizin bietet aber alternative Materialien an.

Und beim Zahnersatz? Totalprothesen macht man nicht mehr? Unsinn! Wer bei Zahnlosigkeit keine Implantate will, kann natürlich mit Totalprothesen versorgt werden. Hunderttausende kommen damit auch heute noch gut zurecht.

Der Kronenrand liegt frei, und deshalb muss die Krone neu gemacht werden? Aus medizinischer Sicht ist es gleichgültig, ob sich der Kronenrand oberhalb des Zahnfleisches befindet; es ist sogar eher zu begrüßen, da auf das Zahnfleisch so kein Reiz ausgeübt wird. Wirklich wichtig ist, dass die Krone in einem vertretbaren Maße mit dem Zahn abschließt, im Idealfall 20 Mikrometer.

Jedes Kiefergelenkknacken muss behandelt werden? Keineswegs! Ist denn jedes knackende Knie-, Fuß oder Schultergelenk zwingend zu behandeln? Stets muss eine genaue medizinische Vorgeschichte (Anamnese) erhoben werden, und aus dieser kann eine Therapie zum Beispiel durch eine Aufbissschiene oder manuelle Therapie erforderlich werden.

Die Wurzelbehandlung eines Zahnes lohnt sich nicht? Ein Implantat sei besser. Stimmt überhaupt nicht. Moderne Zahnheilkunde bietet diesbezüglich sehr erfolgreiche Behandlungsmethoden zum Erhalt des natürlichen Zahnes an.

Eine Parodontitis ist nur chirurgisch therapierbar? Nein. Intensive Schulungen in Mundhygiene in Verbindung mit professionellen Zahnreinigungen können heute mitunter sehr invasive Eingriffe erheblich einschränken.

Bei allen medizinischen Überlegungen sollte man also die Kirche im Dorf lassen. Auf das rechte Maß der Therapie kommt es an!

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E-mail: u.behmann@dewezet.de

Dr. Wolfgang Killmann, Zahnarzt, M. A. Medizinethik, Hameln.



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