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Hamelner Sozialpädagoge Mitautor eines Buches über Anekdoten aus dem Knast

Von Legehühnern im Strafvollzug

Hameln (CK). Als er noch das Hamelner Schiller-Gymnasium besuchte, hat Ralf-Bernd Schramm häufig die Schule geschwänzt. Hat es sich stattdessen am Weserufer, ganz in der Nähe des früheren Zuchthauses, hübsch gemacht, während seine Klassenkameraden lernten. Ein nicht gerade karriereförderndes Umfeld also, und doch scheint es den 56-Jährigen irgendwie weitergebracht zu haben. „Vermutlich entstand dadurch eine Art von Affinität zum Strafvollzug“, glaubt Schramm. Denn dort ist er seit 27 Jahren tätig: Der studierte Diplom-Sozialpädagoge, der sein Anerkennungsjahr bei den Paritäten in Hameln abgeleistet hat, ist mittlerweile Abteilungsleiter in der Jugendanstalt Hameln. Und hat Erlebnisse aus seinem Arbeitsalltag zu Papier gebracht.

veröffentlicht am 04.08.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 11:21 Uhr

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Schon seit vielen Jahren sammelt Schramm Anekdoten aus dem Vollzug, mal mehr, mal weniger witzige und überwiegend aus Personalakten von Häftlingen. Weil er aber nirgends einen Verlag fand, der seine Erlebnisse auch veröffentlichen mochte, trug Schramm sie den Kollegen auf Konferenzen vor. Bis er auf die Rechtswissenschaftler Peter Höflich und Michael Matzke aus Berlin stieß. Die beiden Juristen hatten Schreiben von Häftlingen – Beschwerden zumeist – gesammelt und die kuriosesten in einem Buch zusammengefasst mit dem Titel „Ich bitte, mir ein Legehuhn halten zu dürfen, Herr Anstaltsleiter“. Ein Gefangener zum Beispiel, dem vom Anstaltsleiter ein beantragter Sonderurlaub zum Besuch seiner kranken Mutter abgelehnt worden war, schrieb an die Aufsichtsbehörde: „Ich bitte um Aushändigung des Überprüfungsberichts über die Tragfähigkeit meiner Mutter, hilfsweise die Eröffnung zum Mitschreiben derselben.“

„Andere Probleme als bei Erwachsenen“

Für einen zweiten Band suchten die Verfasser nun Mitautoren aus dem Bereich des Jugendstrafvollzuges. „Jugendliche im Vollzug haben andere Probleme als Erwachsene“, weiß Schramm aus seiner täglichen Praxis. Und er nutzte damit seine Chance, die von ihm gesammelten Anekdoten – darunter auch solche über Bedienstete, Anwälte oder Richter – einem größeren Publikum zugänglich zu machen. „Die kleinen Geschichten, die ich zu diesem Buch beigesteuert habe, lassen nicht immer erkennen, dass es sich um die Jugendanstalt Hameln handelt“, sagt Schramm, der weiß, wie sensibel gerade in diesem Bereich der Datenschutz gehandhabt werden muss. Insider allerdings, glaubt der 56-Jährige, wüssten sicher sofort, um wen oder was es sich handele und wo die Geschichten angesiedelt seien.

Band 2 über Tragikomisches aus dem Alltag hinter Gittern mit dem Titel „Noch mehr Legehühner im Strafvollzug“ ist erschienen im Fachhochschulverlag, ISBN-Nummer 978-3-940087-46-1 und kostet 15 Euro.

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Anekdoten aus dem Knast gesammelt: der Hamelner Ralf-Bernd Schramm mit den anderen beiden Autoren, Peter Höflich und Michael Matzke (v. li.)



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