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Vor 50 Jahren wurde das Gotteshaus im Klütviertel errichtet / Heute findet dort auch ein Yoga-Kurs statt

Von Kleingärten zur Kreuzkirche

Hameln. „Ihr seid das Gedächtnis der Gemeinde“, sagt Roland Marz, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Hamelner Kirche „Zum Heiligen Kreuz“, der im Bereich der neuen Medien tätig ist, zu drei Damen, die schon eine Ewigkeit Mitglied in der Gemeinde der Kreuzkirche sind. Helga Hage, Christa Starke und Heidrun Wagner kennen sich mit „ihrer“ Kirche aus und wissen, wie es früher war und heute ist. Auch Pastor Gerold Lange-Kabitz weiß viel über die Geschichte des Gotteshauses, das es 2014 seit 50 Jahren gibt.

veröffentlicht am 06.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 22:21 Uhr

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Autor:

von corinna zipplies
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Helga Hage kann sich noch genau an die Grundsteinlegung am 7. Juli 1963 erinnern. „Ich war mit meiner ganzen Familie da“, sagt sie. Damals war das Gelände eine komplette Gartenlandschaft. „Das ganze Klütviertel war in Entwicklung“, erzählt Pastor Gerold Lange-Kabitz. Nach dem Krieg kamen viele Flüchtlinge in das Klütviertel, somit stieg die Anzahl der Bewohner in dieser Gegend enorm an. Um näher bei den Leuten zu sein, entstand dort eine neue Kirche. Zu Beginn hatte die Gemeinde ungefähr 3000 Mitglieder, heute zählt sie nur noch gut 1800. Gerold Lange-Kabitz erklärt sich den Rückgang der Gemeindemitglieder so: „Früher lebten zwei Familien in einem Haus – heute hingegen lebt dort nur noch eine alte Frau.“ Der demografische Wandel macht auch vor der Kirche nicht halt.

Die Anfänge der Kirchengemeinde „Zum Heiligen Kreuz“ hat Günter Brackhahn, der von 1964 bis 1988 im Kirchenvorstand der Kreuzkirchengemeinde war, schriftlich festgehalten. So erfährt man, dass der Bezirk im Klütviertel vor Gründung der eigenen Gemeinde dem Bereich West der Münsterkirchengemeinde angehörte. Für diesen Bereich war damals Pastor Wolfgang Theopold zuständig. Er erhielt den Auftrag, Land für den Neubau einer Kirche zu erwerben. Das neue Gelände, auf dem die Kirche heute steht, war ein Grundstück, das zwischen Papengösenanger und Spittastraße liegt und auf dem sich viele Kleingärten befanden. Pastor Theopold fand das Grundstück, „in seiner ruhigen und zentralen Lage als besonders geeignet“. In einem Brief an die Gemeinde aus dem Jahr 1961 stellt er klar, dass die Kirche zeitgemäß gestaltet werden müsse und dass sich „auch der Mensch nach dem Jahr 2000 in ihr heimisch fühlen“ soll. Schon damals dachte man bis ins neue Jahrtausend. „Die Gestaltung des Innenraums war zwischen Pastor Theopold, dem Architekten Schulze-Herringen und dem Kirchbauverein entschieden worden“, heißt es.

Fertiggestellt wurde die Kirche am 5. Oktober 1964. Zu dieser Zeit war die Kirche in ihrem Inneren noch komplett weiß gestrichen, ohne jegliche Farbe. Restauriert wurde die Kirche noch nie – nur innen renoviert. „Die Steine sind immer noch die, die dort vor 50 Jahren aufgebaut wurden“, so Lange-Kabitz. Die Innenräume wurden im Laufe der Jahre farblich umgestaltet, und im letzten Jahr erhielt die Kirche einen neuen Kirchplatz. Das Besondere an dem Gebäude der Kirche ist, dass es von oben die Form eines Kreuzes hat. Gerold Lange-Kabitz schrieb 2008 in einem Gemeindebrief mit dem Titel „Was uns die Kreuzkirche ohne Worte erzählt...“, dass sich die Decke der Kreuzkirche wie ein Zeltdach über deren Besucher spannt. „Nachdem wir ‚von Sorgen gebückt‘ durch den niedrigen Eingangsbereich die Kirche betreten haben, richtet uns die aufsteigende Linie des Dachfirstes unmerklich auf und führt uns in die Weite.“ Die Wände der Kirche werden zum Altar hin breiter, und die Bänke sind leicht schräg zum Altar aufgebaut, sodass die Gemeinde in einem Halbkreis sitzt. „Jeder wird von den Wänden in den Arm genommen“, so Pastor Lange-Kabitz. Der Name „Zum Heiligen Kreuz“ wurde übrigens ausgewählt, weil sich die Leute von der damaligen Zeit des Nationalsozialismus abwenden und sich von dem „Hakenkreuz“ abheben wollten.

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Helga Hage, Christa Starke und Heidrun Wagner (von links nach rechts) kennen sich mit „ihrer“ Kreuzkirche aus. cz

Für die Kirchenmusik wurde anfangs eine elektrische Orgel benutzt. Im Herbst 1967 wurde dann die jetzige Orgel eingebaut. Zum Kirchweihfest am 3. Oktober 1964 hingen im Kirchturm zunächst die beiden kleinsten Glocken. Die beiden größeren Exemplare wurden zum Gottesdienst am 1. Advent 1965 im Kirchturm angebracht. Christa Starke erinnert sich: „An jenem Adventssonntag konnte die Gemeinde zum ersten Mal das volle Geläut hören.“

Im September 1966 erhielt der Kirchenvorstand einen Brief der katholischen St.-Vizelin-Gemeinde, deren Kirche die alte Kirche St. Augustinus am Ostertorwall war. Diese Kirche konnte damals nicht beheizt werden. Man wollte daher im Winterhalbjahr von Oktober bis April die Kreuzkirche mitbenutzen. Der Bitte wurde entsprochen, und die St.-Vizelin-Gemeinde konnte die Kirche nutzen. Mit der Zeit ergaben sich persönliche Kontakte zwischen den Gemeindemitgliedern. Zumal viele auch in Nachbarschaft miteinander lebten. Schließlich fanden die Gottesdienste der St.-Vizelingemeinde in der Kreuzkirche auch über den April hinaus statt. Irgendwann wuchs dann die Idee eines ökumenischen Gottesdienstes. Im Verlauf der Zeit wurden sogar Abendmahl und Messe zusammen gefeiert. Die Kreuzkirchengemeinde und St.-VizelinGemeinde waren damit Vorreiter für ökumenische Zusammenarbeit in Hameln. „Die Euphorie dieser ersten Jahre musste leider später, nach dem Konzil und unter dem Papst Johannes Paul II., der Realität weichen“, heißt es allerdings in Brackhahns Bericht.

Laut Helga Starke sind im Laufe der Jahre die Gottesdienste in der Kreuzkirche „freier“ geworden. „Früher waren sie noch traditioneller.“ Eine große Veränderung besteht bei den Sonntagsgottesdiensten: Die Mitglieder des Ehrenamt-Teams wechseln sich ab und gestalten die Sonntagsgottesdienste allein – ohne einen Pastor. „Und das machen die Gemeindemitglieder nur, weil es ihnen wichtig ist“, erzählt Lange-Kabitz.

In der Kreuzkirche treffen sich auch regelmäßige Gruppen: Die Kirche ist Kinderspiel-, Frauen- oder Männertreffpunkt. Musikinteressierte treffen sich jeden zweiten Dienstag zur Chorprobe, und freitags wird Gitarre gespielt. Auch Yoga wird mittlerweile in der Gemeinde angeboten. Und seit kurzem bietet die Kirchengemeinde auch Computer-Kurse für Senioren an. Im Fokus steht aber 2014 das Jahresprogramm zum 50-jährigen Jubiläum der Kreuzkirche: Am Dienstag, 11. März, ist ein Vortrag mit dem Namen „Der Streit um das Kreuz“ von Eckhard Gorka aus Hildesheim geplant. Ein Konzert mit „Liedern nach Worten von Wilhelm Busch“ und ein Gottesdienst auf dem Finkenborn finden im Mai statt, und das dritte Stadtviertelfest wird am Samstag, 12. Juli, gefeiert. Das große Erntedankfest findet dann Sonntag, 5. Oktober, statt. Dann werden auch alte Filme und Fotos aus 50 Jahren Kreuzkirche gezeigt.

Der Rohbau des Kirchengebäudes und des Turms ungefähr zum Jahreswechsel 1963/64: die Kreuzkirche steht dort jetzt seit 50 Jahren.

pr



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