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Von der verzweifelten Suche nach Gerechtigkeit

veröffentlicht am 13.05.2011 um 10:02 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Sahra im Sommer 2009.

Hameln (bha). Zwei Jahre ist es her, dass Sahra starb. Seither haben Monika Peters (Name von der Redaktion geändert) und ihr Mann darum gekämpft, eine Wahrheit zu finden, die in irgendeiner Form einen Schuldigen, einen Verantwortlichen für den Tod ihrer damals elfjährigen Tochter hervorbringt.

Das Ringen darum hat das Hamelner Ehepaar verloren und viele Menschen betroffen gemacht. Zwischen dem 16. August 2009 und heute liegen zahlreiche Aussagen von Kindern, Eltern, Lehrern, Ärzten, Briefe von Rechtsanwälten und Staatsanwälten. „Hätten die gleich den Krankenwagen gerufen, würde Sahra noch leben“, hat Monika Peters schwere Vorwürfe gegen Lehrer der Klütschule und Ärzte erhoben und erhebt sie noch, obwohl die Verfahren eingestellt wurden. Die Aussagen der Beteiligten zu dem tragischen Geschehen widersprechen einander, die eine Wahrheit, auf die die Familie gehofft hatte, stand nicht am Ende der Anhörungen. „Das Hauptproblem ist, dass der Hergang nicht rekonstruiert werden konnte“, sagt der Rechtsanwalt der Familie, Leif Debor aus Hannover. 

Am Freitag, 14. August 2009, wird Sahra schlecht. Danach hat Sahra an jenem Freitag über massive Kopfschmerzen geklagt, ihr war übel und sie hat sich mehrfach übergeben, sowohl im Klassenzimmer als auch auf Toilette. Der Lehrer habe Sahra zunächst nicht gehen lassen wollen, später habe sie lange Zeit alleine auf der Toilette verbracht, weil ihr, der Freundin, untersagt worden sei, Sahra zu begleiten. Sahra sei dann auf der Toilette, auf dem Boden liegend, gefunden worden. „Die Lehrer wussten alle von der Erkrankung“, behauptet Monika Peters von der schweren Krankheit ihrer Tochter: In Sahras Kopf hatte sich Hirnwasser angestaut, das nicht richtig abfloss und Überdruck im Kopf erzeugte. Sie konnte plötzlich nichts mehr sehen, ihr wurde schwindlig – im Sommer 2008 nahmen Ärzte in Göttingen eine sogenannte Aquäduktstenose vor, mittels der das Hirnwasser abgeleitet wurde. Nach der Operation hatte „Sahra so eine kahle Stelle am Kopf“, sagt Monika Peters und zeigt mit ihren Händen eine Fläche, die einen Durchmesser von zehn Zentimetern hat. Niemand habe das übersehen können, sagt Peters und meint, dass allein deswegen jeder an der Schule von der Krankheit gewusst haben muss. Laut Monika Peters hätten die Lehrer sofort anhand der Symptome, über die Sahra an jenem Tag im August klagte, erkennen müssen, dass ein Arzt zu rufen sei. 

Als sie ihren Sohn nach der dritten Stunde von der Klütschule abholt, habe eine Mitschülerin von Sahra erzählt, was am Vormittag passiert ist. Nach Monika Peters Schilderungen habe sie daraufhin sofort ihren Mann angerufen; er habe die Tochter ins Krankenhaus gefahren, wo sie ebenfalls zu lange hätten warten müssen. Vom Krankenhaus an der Wilhelmstraße sei Sahra nach Hannover in die Klinik geflogen worden, wo sie am 16. August 2009 laut Peters an „Hirndruck“ starb.
Die Schilderungen, die der Staatsanwaltschaft Hannover vorliegen, klingen anders. Laut Oberstaatsanwältin und Pressesprecherin Irene Silinger ist Monika Peters den Heimweg mit ihrer Tochter zu Fuß angetreten – „dann hätte sie sich doch selbst sofort in ein Taxi setzen müssen, um mit ihr ins Krankenhaus zu fahren“, wenn der Zustand der Tochter offensichtlich lebensgefährlich gewesen wäre, sagt Silinger, doch „Frau Peters ist auch nicht gleich zum Arzt gegangen“. Aufgrund dieser Ungereimtheit leitete die Staatsanwaltschaft ihrerseits ein Verfahren ein gegen die Mutter wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. Vor wenigen Wochen, am 16. März, liest Peters, dass sie selbst in Verdacht geraten war:  in einem Brief, den die Staatsanwaltschaft an ihren damaligen Anwalt Klaus Rudolph in Hannover geschickt hatte, um mitzuteilen, dass das Verfahren gegen „Ihre Mandantin eingestellt worden“ ist. Die Kopie ist laut Peters aus Versehen auch in ihrem Briefkasten gelandet, sie selbst war „entsetzt“ und habe nichts davon gewusst.
Abgewiesen in allen Instanzen – Monika Peters ist enttäuscht. Sie hatte gewollt, dass der damalige Schuldirektor wegen unterlassener Hilfeleistung eine Strafe bekommt, sagt sie. 



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