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Interview mit Dieter Thomas Kuhn / Die „singende Föhnwelle“ Open-Air im Bürgergarten

Von der Leichtigkeit einer heilen Schlagerwelt

Hameln. Wenn am 20. August, beim großen Open-Air-Konzert der Stadtsparkasse, der Bürgergarten in Schlager-Nostalgie ertrinkt, dann steht dort ein Mann auf der Bühne, der als „singende Föhnwelle“ berühmt wurde: Dieter Thomas Kuhn. Der gebürtige Tübinger, der schon in den 90er-Jahren tief in den Schmalztopf griff, um mit entwaffnender Leichtigkeit die Seichtigkeit einer heilen Schlagerwelt zu inszenieren, ist wieder da. Und mit ihm die Ohrwürmer aus den 70ern, knallbunte Klamotten, Schlaghosen, Perücken, Sonnenbrillen, Flower-Power und jede Menge Partyspaß.

veröffentlicht am 15.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 05:21 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Dieter Thomas Kuhn, Sie haben dem Schlager zu neuer Popularität verholfen. Damals. Und jetzt wieder. Sind Schlager wichtig?

Ich habe das Gefühl, Dieter Thomas Kuhn ist wichtig. Die Schlager aus den 70er Jahren vermitteln ein Lebensgefühl. Ihre Qualität war anders als heute – verbreiteter. Klar, Schlager stehen auch immer für die heile Welt. Mag schon sein, dass dieses Bedürfnis nach heiler Welt zurzeit wächst. Obwohl der Bedarf eigentlich immer da war und ist.

Ihre Live-Konzerte sind legendär – und schnell ausverkauft. Die Fans drängeln sich, um Sie zu sehen. Woran liegt das?

Es hat sich herumgesprochen, dass wir bei unseren Konzerten eine große Party machen. Die Leute stylen sich entsprechend. Wenn ich auftrete, seh’ ich in lauter glückliche Gesichter. Das macht auch mich glücklich und beflügelt mich. Natürlich feiern die Leute bei dieser Party auch sich selbst. Das gehört dazu.

Sie werden die „singende Föhnwelle“ genannt. Warum haben Sie sich dieses Image gegeben?

Das hab’ ich mir gar nicht gegeben, sondern die Bezeichnung stammt von einem spitzfindigen Journalisten. Aber die Frisur war von mir schon bewusst gewählt, als ironische Inszenierung, die für Lacher sorgt. Vor 20 Jahren wurde mir das in der Musikszene allerdings als Provokation ausgelegt. Das galt übrigens auch für die Schlager, die ich gesungen habe.

Wo liegt die Grenze zwischen Kitsch und Kunst? Gibt es die für Sie überhaupt?

Wenn mir etwas gefällt, ist mir das egal. Marianne Rosenberg gehört für mich in die Kitschecke, aber in eine sehr schöne. Okay, Pril-Blumen würde ich mir heute nicht mehr an den Kühlschrank kleben. Aber ich mach’ privat auch nicht bewusst einen Bogen um Markenzeichen aus den 70ern.

Wie viel der Kunstfigur Dieter Thomas Kuhn steckt in Ihnen privat?

In der Anfangszeit hab’ ich gedacht, dass ich die Bühnenfigur von mir trennen kann. Aber dann hab’ ich festgestellt: Dieter Thomas Kuhn ist auch ein großer Teil von mir selbst. Beides hat sich stark verwoben, weil man ja 365 Tage im Jahr an der Figur arbeitet.

Fühlen Sie sich als Sänger auf der Bühne ernst genommen oder eher als Schlager-Clown?

Ich seh’ mich nicht als Clown, weil die Kapelle und ich unterschiedliche Stimmungen erzeugen. Wir nehmen uns ernst, sind aber auch sehr selbstironisch. Während eines Konzertes kann es passieren, dass die Stimmung mehrmals schwappt. Sie kann durch einen Song plötzlich sehr rockig werden. Oder wehmütig. Bei der Ballade „Dann sagt man sich Good-bye“ am Ende des Konzertes spürt man ein großes Gemeinschaftsgefühl.

Sie haben zwischen Ihren Schlager-Revivals auch immer wieder mal andere Projekte ausprobiert. Gibt es eins, das Sie zurzeit besonders reizt?

Ich hab’ gerade eins verwirklicht – eine Platte mit Folk- und Country-Songs: Songs aus meiner Jugend. Die sind in ganz eigenem Stil gesungen und haben nichts mit dem Schlagersänger Dieter Thomas Kuhn zu tun.

Hören Sie privat gern Schlager?

Wenn ich Schlager höre, dann die eigenen. Über die aktuelle deutsche Schlagerszene bin ich gar nicht informiert. Meine musikalischen Vorbilder liegen im Pop/Rock-Bereich: Cat Stevens, 10cc. Früher habe ich viel Barbara Streisand gehört. Die finde ich auch heute noch großartig.

Eine Frage noch: Wie viel Zeit brauchen Sie für Föhnwelle und Outfit?

Oh, das ist ein festes Ritual. Es beginnt zwei Stunden, bevor die Show los geht…

Glitzerklamotten und Föhnwelle: Wenn Dieter Thomas Kuhn die Bühne betritt, wird die heile Schlagerwelt der 70er Jahre lebendig. Und die Fans feiern Nonstop-Party.

Foto: Ralph Horbaschek



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