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Tündern hat Prominenz zu bieten

Vom Kraftmeyer, einer starken Frau und dem Tischtennis-Ass

TÜNDERN. Gleich mehrere Bewohner hervorgebracht zu haben, die sich auf dem nationalen und internationalen Parkett bewegten, ist in den Dörfern doch eher die Ausnahme. Menschen, die Geschichte(n) schrieben – davon gab und gibt es in Tündern jedoch einige.

veröffentlicht am 26.02.2018 um 18:56 Uhr
aktualisiert am 26.02.2018 um 20:30 Uhr

Mit ihrem szenischen Spiel zog sie die Landsommerauftakt-Gäste in ihren Bann: Almuth Gattermann als Nachtwächter Schünemann aus Tündern. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Die Landsommer-Gästeführer Doris Möller, Anita Brünig, Gudrun Nossek, Brigitte Duttmann, Martin Wedeking, Almuth Gattermann, Gaby Lingen und Susanne Walther haben sie aufgestöbert und zum Saisonauftakt im Rahmen einer besonderen Gästeführung vorgestellt. Von Sommer war angesichts des eisigen Windes, der über den Weserdamm fegte und den Temperaturen im Minusbereich noch nichts zu spüren. Doch die rund 75 Teilnehmer – das sind immerhin fast zwei Reisebus-Ladungen – machten sich am Weltgästeführertag wissbegierig in zwei großen Gruppen auf den Dorfrundgang. In Tündern wurden die Menschentrauben, die sich an den mehr oder weniger historischen Stationen bildeten, von Passanten und Anwohnern interessiert beäugt. Sehenswertes und für Gästeführungen Interessantes – gibt es das in Tündern überhaupt, scheint sich der eine oder andere gefragt zu haben.

Historische Prominenz begegnet den Gästen an diesem Sonntagnachmittag auf Schritt und Tritt. Jobst Heinrich Meyer haben die Tünderaner nicht nur das Taufbecken in der St.- Christophorus-Kirche zu verdanken, er sorgte auch als Kraftmeyer für Schlagzeilen. So prügelte der 2,05 Meter große Mann preußische Anwerber aus dem Gasthaus – und landete zur Strafe am Schandpfahl in Hameln, der ihn allerdings nicht wirklich festsetzen konnte, wie im Dorfmuseum zu erfahren war. Eine gewonnene Wette brachte dem starken Meyer, der sogar Pferde tragen konnte, das Kraftmeyer-Denkmal im Ort ein.

Die Tradition des Kraftmeyers setzte rund 250 Jahre später Sonja Helbing fort – als eine der erfolgreichsten deutschen Gewichtheberinnen. Ruhm und Ehre gebührt auch einem weiteren Tünderaner Ausnahmesportler: Dimitrij „Dima“ Ovtcharov führt die Tischtennis-Weltrangliste an. Pastor Heinrich Ferdinand Adolf Friedrich Degener wäre stolz, hätte er diese sportlichen Erfolge noch miterleben dürfen. Der Theologe war der Gründervater des TSV Schwalbe Tündern. Allerdings nannte sich der von dem fleißigen Turner am Hochreck 1911 ins Leben gerufene Sportverein anfangs „Concordia“, was „Eintracht“ bedeutet. Die Leibesübungen wurden damals in der zur Turnhalle umgebauten Pfarrscheune absolviert. Seit 1930, Pastor Degener hatte Tündern bereits für einen Karrieresprung verlassen, trägt der Sportverein die Bezeichnung „Schwalbe“ im Namen. Sicherlich ist der Name nicht auf ein vorgetäuschtes Foul beim Fußball zurückzuführen. Der Verein wurde vor 107 Jahren im ehemaligen Gasthaus „Zur Schwalbe“ gegründet, berichten die Gästeführer. Und natürlich kommt beim Dorfspaziergang auch niemand am Gemüsegärtner und Strohmattenfabrikanten Werner Bruns vorbei. Allerdings wurde ihm mit der Löwenbrücke vor den Toren Tünderns kein Denkmal für seine berufliche Laufbahn gesetzt, sondern vielmehr sein kommunalpolitisches Engagement auf Stadt- und Kreisebene gewürdigt. Dieses brachte ihm den Beinamen „Löwe von Tündern“ ein.

Und dann wäre da noch der „Adel“ aus dem Weserdorf zu erwähnen: „Graf Backstein“, der Guts- und Ziegeleibesitzer Julius Tönebön. Der Großzügigkeit seiner Schwester Agnes hat Tündern das Dorfmuseum zu verdanken, in dem nun auch der einst entführte antike Einbaum, ein Weserfund aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts, seinen Platz gefunden hat.

Für den besonderen Spaziergang durch das Weserdorf hatte Nachtwächter Schünemann alias Almuth Gattermann sogar eine Sonderschicht eingelegt und mitten am Nachmittag zur Freude der Gäste ins Horn gestoßen und die Hellebarde gezückt.



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