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Nordmanntanne beliebtester Weihnachtsbaum / Samen wird importiert

Vom Kaukasus in deutsche Stuben

Hameln. Noch sind es zwölf Tage bis zum Heiligen Abend, doch die Suche nach dem passenden Weihnachtsbaum läuft bereits auf vollen Touren. Die meisten der grünen Bäume liegen bereits am Boden. Rund 24 Millionen Stück werden dieses Jahr in die Christbaumständer gespannt — davon glänzen 21 Millionen zu Weihnachten in Deutschlands guten Stuben, der Rest findet gewerbliche Abnehmer und dient somit als Dekorationsbäumchen. Diese Zahlen aus Verbraucherbefragungen nennt Dr. Hans-Georg Dreßler vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger.

veröffentlicht am 12.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 12:21 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Wie viele Weihnachtsbäume bereits durch seine Hände gegangen sind, kann Friedrich-Wilhelm Sievers wirklich nicht genau sagen. Schließlich hat er schon seit seiner Kindheit mit den pikenden Bäumchen zu tun. Bereits sein Großvater verkaufte Weihnachtsbäume. „Das müssen Abertausende sein“, kann der Weihnachtsbaumhändler aus Welsede nur schätzen. Was für Arten von seiner Kundschaft nachgefragt werden, weiß der 64-Jährige dagegen ganz genau: „Zu 85 Prozent die Nordmanntanne. Den Rest machen Blaufichte und Fichte. Nobilis und Korea gehen gegen null“, erzählt Sievers. Ihre lange Haltbarkeit, die nicht stechenden Nadeln, die harzfreien Knospen und das Wuchsbild machen die „Abies nordmanniana“ zu Deutschlands Nummer eins unter den Weihnachtsbäumen.

Auch wenn die Bezeichnung der Tanne skandinavisch klingt, der Name ist das Einzige, was sie mit nordischen Regionen verbindet. Sie wurde nach dem finnischen Biologen Alexander von Nordmann benannt, der die Pflanze 1842 erstmals systematisch untersucht hatte. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt in ganz anderen Gegenden: Als Rein- oder Mischkultur kommt die Baumart im westlichen Kaukasus und dem Pontischen Gebirge in der Nordost-Türkei vor. Und noch etwas hinkt: Es sind die dort zu erreichenden Größen des Baumes. Die in Westeuropa gezogenen Bäumchen werden nach rund zehn Jahren mit einer Höhe von 150 bis 200 Zentimetern geschlagen. Am Kaukasus wird die stabil wurzelnde Baumart riesengroß. Die Bäume erreichen Höhen von 40 bis 60 Metern, werden bis zu zwei Meter dick.

Georgien, Russland und die Türkei gelten als Exportländer vom Samen der Nordmanntanne. In der zweiwöchigen Erntesaison holen spezielle Zapfenpflücker die Samen von den hohen Bäumen. Gekauft wird das genetisch ausgesuchte Saatgut überwiegend von deutschen und dänischen Baumschulen. Ein Kilogramm Saat kostet zwischen 100 und 120 Euro und reicht für rund 3500 Sämlinge. Nach drei Jahren werden die gezogenen Jungpflanzen weiterverkauft. Acht bis zehn Jahre lang wachsen sie bis zum Schlagen in Plantagen und anderen Baumschulen. Die Angaben für die Anbaufläche schwanken zwischen 50 000 und 75 000 Hektar. Die wichtigsten Anbauflächen liegen in NRW mit 18 000 Hektar, es folgen Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Jeder dritte Weihnachtsbaum stammt aus dem Sauerland – damit ist die Region Südwestfalen neben Dänemark das wichtigste Anbaugebiet in Europa.

In dänischen Weihnachtsbaumplantagen ist das Rattern der Kettensägen bereits seit mehreren Wochen zu hören. Einwohner hat Dänemark nur 5,5 Millionen, aber nahezu 100 Millionen Weihnachtsbäume wachsen im Land zwischen Nord- und Ostsee heran. Die meisten der schätzungsweise jährlich zehn Millionen dort geschlagenen Bäume werden exportiert, wovon schätzungsweise drei Millionen Stück Abnehmer in Deutschland finden.

Friedrich-Wilhelm Sievers setzt auf die Frische seiner Bäume. Und auf die Nachfrage nach hiesigem Anbau. Die stehe hoch im Kurs, verweist Pressesprecher Dr. Dreßler auf eine Studie seines Verbandes.

„Für 52 Prozent der Verbraucher spielt es eine Rolle, dass der Baum aus der Region kommt“, sagt Dreßler. „18 mal 2 sind 36!“ Auch in Baumschulen wird nicht anders gerechnet als in den anderen Schulen. Rund 36 Euro zahlen Verbraucher in diesem Jahr für eine zwei Meter hohe Nordmanntanne, zwischen 18 und 20 Euro verlangen die Händler pro Meter.



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