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Der Gründerzeit-Komplex erlebte glanzvolle Zeiten / Einst gesellschaftliches Zentrum der Stadt

Vom „Hotel Monopol“ zur braunen Absteige

Hameln (mafi). Tausende Menschen kommen täglich an diesem Gebäude vorbei, ohne es eines Blickes zu würdigen. Der Putz bröckelt, die Geschäfte sind teilweise verwaist, die Eingangstür zum früheren Kino ist versperrt. Doch wer tatsächlich einmal die reich strukturierte Gründerzeitfassade betrachtet, bekommt eine Ahnung von den glanzvollen Zeiten, die das einstige „Hotel und Restaurant Monopol“ erlebt hat. Schon die Einweihung im Jahre 1896 war ein Volksfest. Denn das „Monopol“ beherbergte den neuen großen Veranstaltungssaal der Stadt, der 40 Jahre von Kulturschaffenden gefordert worden war. Jahrhundertelang hatte das Hochzeitshaus Raum für Feiern, Theaterstücke und Konzerte geboten, bis dessen Saal aus Sicherheitsgründen nicht mehr verwendet werden durfte. Am 19. Dezember 1896 nahm das Restaurant im „Monopol“ seinen Betrieb auf, am 27. Dezember gab es auf der Bühne im „Menzelschen Saal“ die erste Vorstellung. Das Stück hieß „Großstadtluft“ – und dieser Titel war kein Zufall. Die Dewezet beschrieb das „Neue Stadttheater“ damals als eine der „prächtigsten Anlagen in der ganzen Provinz“. Die Stadt ließ den Bauherren Carl Menzel hochleben. In der Zeitung hieß es: „Der Anblick, den der mächtige, vornehm ausgestattete Saal mit den festlich geschmückten Tafeln im Glanz des electrischen Lichtes bot, war ein wahrhaft imposanter, auch trug die infolge der Centralheizung in allen der Benutzung übergebenen Räumen gleichmäßige Wärme nicht wenig dazu bei, den Aufenthalt in dem schönen Etablissement von vornherein angenehm zu gestalten.“ Die fortschrittliche Lüftungsanlage sorgte zudem dafür, dass der Tabakqualm den Gästen nicht lästig wurde. Der Saal bot im Parterre 456 Plätze, auf der Galerie 106. Das „Monopol“ war bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts kulturelles und gesellschaftliches Zentrum Hamelns. Dort fanden auch die großen Vereinsversammlungen statt. Mit dem Bau der Weserbergland-Festhalle wurde der „Monopol“-Saal zum Kino. Als Hameln 1999 am Bahnhof ein neues Kino-Center erhielt, verkauften Hans und Sabine Brockstedt den „Monopol“-Komplex an den auf heruntergewirtschaftete Immobilien spezialisierten Rechtsanwalt und Neonazi Jürgen Rieger. Der unterließ größere Investitionen. Er bot dort aber einigen Rechtsorientierten Wohnraum.

veröffentlicht am 05.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 02:21 Uhr

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