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Jürgen Becker im Weserbergland-Zentrum

Vom Einzeller über Sokrates bis ins moderne Schlafzimmer

HAMELN. Er nennt sein Programm Volksbegehren, im Untertitel Kulturgeschichte der Fortpflanzung. Und so präsentiert der Rheinländer Jürgen Becker seine kabarettistischen Geschichten auch.

veröffentlicht am 07.04.2019 um 14:28 Uhr
aktualisiert am 07.04.2019 um 20:30 Uhr

Jürgen Becker gastierte mit einem amüsanten Mix im Weserberglandzentrum. Foto: wfx
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Autor

Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Die Konkurrenz des Fußballs war groß für den Kabarettisten Jürgen Becker, aber nicht groß genug. Gut 150 Besucher hatten sein Programm „Volksbegehren – Kulturgeschichte der Fortpflanzung“ dem Spektakel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund vorgezogen und sich damit einen durchweg heiteren Abend beschert, was Fans der Dortmunder Borussia zur selben Zeit nicht vergönnt war.

Bei Becker, vielen Zuschauern bestens bekannt durch seine Auftritte in den „Mitternachtsspitzen“, ging es um Sex – humorvoll und voller Zweideutigkeiten, aber schön unterlegt mit erotischen Bildern von weltbekannten Künstlern wie Rubens, Rembrandt oder Beckmann. Dass daneben auch die Blattlaus auftauchte, hat mit deren Fortpflanzung zu tun – sie geschieht ohne das Zutun ihrer männlichen Lausbuben und ohne die Dramatik, die laut Becker immer zur menschlichen Fortpflanzung gehöre, so lange sie von Leidenschaft geprägt sei. Das aber sei die Crux von Sex und Leidenschaft, verkündete Becker in seinem frohsinnigen rheinischen Sprachduktus: „Der Alltag vernichtet die Leidenschaft.“ Nach fünf Jahren heiße es nicht mehr wie bei Humphrey Bogart „Schau mir in die Augen, Kleines“ sondern „Mäh mal den Rasen, Kleine“.

Beckers Reise durch Sex, Leidenschaft und Fortpflanzung beginnt bei den Einzellern, landet bei Platon, Sokrates und Xanthippe, Pytagoras, Zeus und den griechischen Göttern, beschäftigt sich mit dem Alten Testament ebenso wie den angeblichen Söhnen von Jesus, die er mit Maria Magdalena gezeugt habe, um mithilfe statistischer Daten schließlich auch noch den Blick durchs Schlüsselloch in die modernen Schlafzimmer zu wagen. Das alles immer nur ein bisschen schlüpfrig, sozusagen kurz bevor es sprachlich unter die Gürtellinie geht – Beckers Kulturgeschichte bleibt weitestgehend jugendfrei, sorgt aber dank seiner gekonnten Sprachschlenker immer wieder für viel Gelächter.

Dabei ist Becker durchaus kein unpolitischer Kabarettist. AfD und Pegida kriegen ebenso ihr Fett ab wie Putin, Erdogan und die anderen Autokraten oder die katholische Kirche. Sowohl im Sex als auch in der Religion sei vieles dem Zufall unterworfen. Zum Beispiel, wo man geboren sei. Becker: „Wäre Margot Käßmann in Mekka geboren, wäre so noch heute im Amt – sie hätte ja keinen Alkohol getrunken.“

Nun gut, nicht jeder Witz, den Becker über die Rampe bringt, ist wirklich geistreich. Manches Bonmot klang eher wie ein Kalauer, der in anderen Variationen schon in der Welt herumgeistert. Egal, Becker gibt seinem Publikum den Zucker, den es sich wünscht und dankt ihm am Ende nach ordentlichem Beifall noch mit ein paar Kisten Kölsch.



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