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Frei nach Helmut Schmidt: Stiftungen legen Privatvermögen für den guten Zweck an

Vom eigenen Glück etwas abgeben

Weserbergland. Stiftungen gab es bereits im Mittelalter – ab einem gewissen Betrag kann jeder einen Grundstock dafür bieten, um einen von ihm selbst bestimmten gemeinnützigen Zweck verfolgen zu lassen. Wer keine Erben hat, möchte so sein Vermögen sinnvoll angelegt wissen. Und kann sich damit quasi selbst ein Denkmal setzen. Die Bürgerstiftung Weserbergland ist so eine Einrichtung. Wir sprachen mit Landrat Tjark Bartels und Friedrich-Wilhelm Kaup, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Weserbergland. Beide sind im Stiftungsvorstand.

veröffentlicht am 10.02.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 09:21 Uhr

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Das Jahr 2014 ist gerade zu Ende gegangen – war es ein erfolgreiches Jahr für die Bürgerstiftung Weserbergland?

Bartels: Es ist so gesehen immer ein erfolgreiches Jahr für die Stiftung. Denn die Gelder fließen kontinuierlich und zuverlässig in den guten Bestimmungszweck. Aber da Sie ja konkret gefragt haben, hier die exakte Antwort. 2014 haben wir folgende Stiftungen dazubekommen: Erstens: Solbach-Freise-Stiftung; zweitens: Stiftung 30 Arme unterm Turm, drittens: Zustiftung Fliegner; viertens: Stiftungsfonds für Inklusion und Integration; alles zusammen 1,3 Millionen Euro neues Stiftungskapital. Das nenne ich ein erfolgreiches Stiftungsjahr!

Seit wann gibt es Stiftungen überhaupt? Wann wurde die Bürgerstiftung ins Leben gerufen und was war der Anlass?

Kaup: Gegründet wurde die Bürgerstiftung Weserbergland Ende 2005; Anlass war die Eröffnung unseres Sparkassen-Finanz-Marktes in Hameln nach erfolgreichem Umbau. Aber Sie fragten ja sehr grundsätzlich, seit wann es Stiftungen überhaupt gibt. Nun, der Stiftungsgedanke geht bis ins Mittelalter zurück und wahrscheinlich auch darüber hinaus. Er war oft von dem Gedanken geprägt, einen guten Namen, eine gute Idee über das Lebensalter hinaus zu verewigen und fortwährend Gutes zu tun für jene, mit denen es das Schicksal nicht so gut gemeint hatte. Und vergessen Sie nicht den Nobelpreis, hervorgegangen aus der gleichnamigen Stiftung, deren Zinserträge „als Preis denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben“, wie es in der Satzung heißt. Eine Besonderheit ist die Bürgerstiftung. Im Weserbergland und auch bundesweit. Ausdruck regionaler Verbundenheit. Bekenntnis zu den Menschen von nebenan. Partner für alle Ideen, die sich kulturellen, sozialen und sportlichen Aufgaben einer definierten Region widmen und den Zusammenhalt stärken. Das ist doch etwas Schönes!

Woher kommen die Gelder und wem kommen die Erträge zugute?

Bartels: Die zugrunde liegenden Vermögen sind unterschiedlicher Größe und werden, wie es schon der Name sagt, vom Stifter bereitgestellt. Wobei ich den Begriff „Stifter“ interessant finde, weil hier tatsächlich zielgerichtet eine Zuspitzung erfolgt wie bei einem Stift, der gespitzt wird für eine zukünftige Handlung. Auch Sie können zur Stifterin werden. Den Zeitpunkt bestimmen Sie – und schon mit 1000 Euro sind Sie dabei. Ab 10 000 kann das Geld einem bestimmten Zweck und einer Region zugeordnet werden – und ab 50 000 Euro können Sie sich damit einen Namen machen. Die „Zustiftung“ wird nämlich mit dem Namen des Stifters versehen; das haben bereits fast zehn Stifter getan. In den Genuss der alljährlichen individuellen Stiftungsleistungen kommen Einrichtungen und Initiativen aus dem Bereich der Jugend- und Altenhilfe, Erziehung und Bildung, Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Umwelt-, Landschafts- und Denkmalschutz, Heimatgedanken, öffentlichem Gesundheitswesen, Wohlfahrtswesen und Sport. Und nicht zu vergessen: auch für mildtätige Zwecke oder kirchlicher Zwecke.

Können sich gemeinnützige Vereine einfach bewerben?

Bartels: Aber natürlich. Wir sind eine Bürgerstiftung für die Bürger der Region. Ansprechpartner ist unser Geschäftsführer Bernhard Kruppki.

Warum bemüht sich die Sparkasse hier um die Bürger, während sie sich wie andere Banken auch aus der Fläche zurückzieht und immer mehr Filialen schließt?

Kaup: Auf den ersten Blick sind das zwei verschiedene Themen; aber: Sparkasse ist Bürgersparkasse, also für die Menschen in der Region, für den Mittelstand und und … Eine Filiale zu schließen, heißt doch nicht, die Präsenz zu verringern, zumindest nicht bei der Sparkasse Weserbergland. Im Gegenteil: Wir haben in unserem Zuständigkeitsgebiet, in der Region Weserbergland, ein dichtes Filialnetz und damit den unmittelbaren Kontakt zu den Menschen.

Wie arbeitet eine Stiftung?

Bartels: Angenommen, Sie vereinbaren mit Herrn Kruppki einen Termin – das können Sie jederzeit – und stellen ein Vermögen von 10 000 Euro zur Verfügung: Wir haben damit eine eigenständige Vermögensmasse. Dieses Vermögen wird nach den Grundsätzen der Stiftungssatzung angelegt. Und nur aus den Erträgen dieses Vermögens werden die in der Satzung festgelegten Zwecke verwirklicht. So bleibt das Stiftungskapital dauerhaft für die Erfüllung der Stiftungszwecke erhalten. Gehen Sie also von folgender Kettenreaktion aus: Hier Ihre Zustiftung in das Stiftungskapital, daraus folgend die Erträge – und daraus ergeben sich die Zuwendungen in bestimmte gemeinnützige Projekte. Ein einfaches Prinzip, aber das wirksamste, das ich kenne.

Sind Stiftungen heute gefragter denn je – weil immer mehr Menschen immer mehr Vermögen haben und keine Nachkommen?

Kaup: Darauf möchte ich Ihnen beispielhaft mit Helmut Schmidt und seiner verstorbenen „Loki“ antworten, die ihre Schmidt-Stiftung ins Leben gerufen hatten: „Wir haben viel, viel Glück gehabt im Leben und von diesem Glück muss man abgeben können.“ Ein wunderbarer, ein sehr aktueller Satz, der die Fürsorgementalität einer ganzen Stiftergeneration widerspiegelt und auch die ideale Ergänzung des Sparkassengedankens im Weserbergland ist.

Warum spenden die Stifter nicht lieber direkt, beispielsweise an Obdachloseninitiativen oder ans Tierheim?

Bartels: Wenn Sie den Gedanken der Nachhaltigkeit nicht außer Acht lassen, dann kann ich mir keine direktere Spendenform vorstellen als Stiftungen. Stiftungen sind auf die Unendlichkeit ausgerichtet – Spenden müssen zeitnah verwendet werden. Letztendlich ist aber jede Form von Hilfe zu begrüßen. Und der Staat hat durch eine große Spendenreform die Absetzbarkeit auf eine Million Euro erhöht.

Mit Blick auf das Jahr 2015: Gibt es denn schon neue Projekte – oder auch in Aussicht gestellte Zustiftungen?

Kaup: An neuen Projekten arbeiten wir bereits seit Jahresbeginn. Die neue Stiftung „Integration und Inklusion“ wird in wenigen Wochen offiziell mit ihren Aufgaben beginnen. Im Januar wurde die Bürgerstiftung Weserbergland mit einer neuen Zustiftung über 40 000 Euro sowie einem Testament im hohen sechsstelligen Bereich bedacht. Es gibt sehr liebe Menschen im Weserbergland, die es gut meinen und helfen möchten. Es erfüllt uns alle mit Stolz, dass wir mit der von unserer Sparkasse Weserbergland vor zehn Jahren gegründeten Bürgerstiftung den Grundstein für dieses Erfolgsmodell gelegt haben.

Interview: Kerstin Hasewinkel

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