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Kein Branchenmanagement für Osterstraße, Bäckerstraße und Co. – Hamelns Innenstadt „verteigt“

Vielfalt ade: Auch Schlecker jetzt ein Bäcker

Hameln (ww). Wer guten Kuchen backen will, der braucht einem alten Kinderlied zufolge sieben Zutaten: Eier, Schmalz, Butter, Salz, Milch, Mehl und Safran. Wem die Zeit oder die Lust zum Selberbacken fehlt, geht in der Mittagspause mal eben zur Bäckerei um die Ecke – aber zu welcher bloß?

veröffentlicht am 01.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 20:41 Uhr

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Allein im Umkreis von 500 Metern um die Dewezet-Geschäftsstelle in der Osterstraße finden sich zwölf Bäckereien. Gegenüber dem Hochzeitshaus führen der Discount-Bäcker Backwerk und der Bäckerscharren eine scheinbar friedliche Koexistenz, in der Emmernstraße gibt es türkische Spezialitäten von Back-Lava neben Brot-Ratten von der Bäckerei Metzger, Ketten wie Siebrecht und Schäfer’s wechseln sich mit Handwerksbäckern wie Reschke und Mensing ab. Und auch Schlecker ist jetzt ein Bäcker: Vor kurzem eröffnete Zibuhr eine weitere Filiale in der Erichstraße.

„Ich bin überrascht, dass es doch so viele sind“, sagt Dennis Andres. Er schätze die Rattenfängerstadt gerade für ihre vielen, unterschiedlichen Läden, sagt Hamelns neuer Stadtmanager, Langeweile käme beim Einkaufen nicht auf: „Wenn man es auf die Bevölkerung runterbricht, haben wir hier schon viel zu bieten“, so Andres. Und eine Regulierung könne ohnehin nur auf freiwilliger Basis erfolgen, in letzter Instanz entscheiden die Hauseigentümer allein, wer ihre leerstehenden Geschäfte mietet – den Zuschlag erhält meist der Interessent mit der größten Zahlkraft, Rufe nach mehr Vielfalt im Branchenmix vonseiten der Stadt oder des Handels hin oder her.

Im Jahr 2004 klang das noch ganz anders: Von engerer Zusammenarbeit zwischen Immobilienbesitzern und der Hamelner Marketing und Tourismus GmbH (HMT) war damals die Rede, von einem Gremium aus Stadt, Handel und Hauseigentümern, von einem Managementsystem für Oster-, Bäcker-, Ritter- und Emmern-straße. Acht Jahre und vier Stadtmanager später scheint man sich damit abgefunden zu haben, dass die Einflussmöglichkeiten der Stadt sehr begrenzt sind, dass alle Gespräche und gemeinsamen Überlegungen zur Bekämpfung des Profilproblems hinfällig sind, wenn am Ende doch der zahlungskräftigste Interessent den Zuschlag erhält – branchenunabhängig. „Da können wir nichts machen“, sagt Andres, „da sind die Besitzer oft auch beratungsresistent.“

Normalerweise regele sich das Angebot über die Nachfrage – aber eben nicht immer. „Für die großen Bäckerei-Ketten stellt es finanziell kein Risiko dar, immer neue Filialen in eigentlich bereits übersättigten Gebieten zu eröffnen“, erklärt Bäckermeisterin Beate Diers von der Bäckerinnung Hameln-Pyrmont. Hohe Mietpreise seien für umsatzstarke Backshop-Ketten kein Problem, und weniger gut laufende Läden würden durch gewinnbringende Vorkassengeschäfte in Supermärkten wieder ausgeglichen.

Die Handwerksbäckereien in der unmittelbaren Nachbarschaft stellen keine Konkurrenz dar. „Früher unterschieden sich Ketten, Discounter und Handwerksbetriebe noch durch die unterschiedliche Kundschaft, aber wer kann das heute überhaupt noch unterscheiden?“, fragt Diers.

Es scheint, als müssten die Hamelner die zunehmende „Verteigung“ ihrer Innenstadt auch weiterhin mit ansehen.

Rund um die Marktkirche schießen Bäckereibetriebe wie Pilze aus dem Boden. Ein funktionierendes System zum Erhalt der Branchenvielfalt gibt es nicht.

Fotos: Dana



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