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Jüdischer Kulturtag in der liberalen Synagoge trotz des Felgenfests gut besucht

Viele Fragen zum liberalen Judentum

HAMELN. „Absolut zufrieden“ zeigte sich am Sonntag Rachel Dohme, die Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde in Hameln, mit dem Verlauf des jüdischen Kulturtages zum 20. Geburtstag ihrer Gemeinde in der Synagoge am Synagogenplatz 1 an der Bürenstraße. Mehr als 350 Menschen waren im Verlauf des Tages trotz des Felgenfests und sommerlich warmer Temperaturen gekommen, um sich in der Synagoge über das jüdische Leben und die jüdische Kultur zu informieren und an den verschiedenen Workshops teilzunehmen.

veröffentlicht am 12.06.2017 um 08:16 Uhr

Gut besucht war gestern der Tag der jüdischen Kultur in der liberalen Synagoge. Ganz links Oberbürgermeister Claudio Griese. Foto: wft
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Besonders großes Interesse wurde an den Erklärungen zum liberalen Judentum durch Rachel Dohme und die Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg gezeigt. Was der Begriff „liberal“ im Zusammenhang mit der jüdischen Religion bedeutet, erläuterte die Rabbinerin einprägsam: „Wir wollen unser religiöses Leben immer mit dem gesellschaftlichen Leben in Einklang bringen. Diversität muss immer inklusiv sein und Vielfalt zulassen“, betonte Ulrike Offenberg. Zwar sei der Zentralrat der Juden in Deutschland orthodox dominiert, aber es gebe im Judentum eine große Vielfalt des Glaubens und der Art, jüdisch zu leben. Die Rabbinerin räumte dabei durchaus ein, dass es zwischen dem sehr viel kleineren Verband der Union Progressiver Juden und dem Zentralverband auch Spannungen gebe, wenn es ums Geld gehe. „Das ist bei Verteilungskämpfen immer so.“

Viele Fragen wurden der Rabbinerin auch zum Thema „Kaschrut“ und koschere Ernährung gestellt. „Koscher“, so erläuterte sie, „bedeutet rein und Kaschrut Reinheit.“ Die grundsätzlichen Bestimmungen seien dabei für alle Juden gleich, erklärte später Ioulia Berhovski, von Beruf Anästhesistin, im Workshop über Kaschrut. Doch gebe es, abgesehen von der klaren Trennung zwischen Milch- und Fleischgerichten mit zwei Küchen und genau unterscheidbarem Küchengerät, viele kleine Unterschiede. Zunehmend verbreite sich der Trend zum „Öko-Kaschrut“, wie die Rabbinerin berichtete. Es gehe dabei darum, die Tiere nicht nur ohne Quälerei zu töten, sondern auch darauf zu achten, wie die Tiere gehalten würden. „Die Würde des Menschen spiegelt sich auch im Respekt vor der Würde des Tieres wider, auch wenn dies nicht durch die Thora abgedeckt wird.“

Und natürlich wurden auch viele Fragen zu den 20 bis 25 Meter langen Thora-Rollen gestellt, von denen die Gemeinde zwei 200 Jahre alte Exemplare besitzt. Ihr Inhalt: Die fünf Bücher Mose, die Stück für Stück das Jahr hindurch gelesen werden. Die eine konnte die Gemeinde mit Spendengeldern erwerben, die der Arbeitskreis Christlicher Kirchen zur Einweihung der Synagoge eingeworben hatte. Die Zweite war schon vorher im Besitz der Gemeinde.

Viel Spaß machte den Besuchern die Teilnahme an den Workshops für israelischen Tanz und israelische Lieder. Führte Tanzlehrer Boris Markaseev – er ist mehr als 80 Jahre alt – zunächst mit einer kleinen Gruppe verschiedene Tänze auf, wagten sich danach viele Besucher mit aufs „Parkett“ und ließen sich von ihm zu den verschiedensten Schrittfolgen leiten. Faina Pelts, die sonst die Gottesdienste musikalisch begleitet, übte danach im Lieder-Workshop israelische Lieder ein, darunter auch das Gebet „Hine ma tov“ (Wie schön, wenn Geschwister zusammen sind), das später während des Abschlusskonzerts von dem Duo „Stellena“ aus Hannover mit rasantem Tempo wiederholt wurde. Das besondere dieses Duos (Violine und Klavier): es spielte vor allem Musik, die von den Nazis verboten worden war, darunter viele weltbekannte Kompositionen.

Oberbürgermeister Claudio Griese betonte in seinem Grußwort zum Tag der jüdischen Kultur die große Bedeutung, die die jüdische Gemeinde für Hameln habe und dankte Rachel Dohme für ihr großes Engagement, jüdisches Leben in Hameln wieder eine Heimat gegeben zu haben.

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