weather-image
15°

Imam: Niqab ist keine Koran-Vorschrift

Viele Fragen in den Hamelner Moscheen

veröffentlicht am 03.10.2016 um 19:57 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:26 Uhr

270_0900_15805_DSC_3594.jpg

Autor:

Wolfhard F. Truchseß
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bilgin Onur, der Vorsitzende der islamischen Gemeinde mit ihrer Hamidiye Moschee, und Murat Bas, der Vorsitzende der Ditib-Moschee am Kastanienwall, sahen sich gestern am Tag der offenen Moschee mit vielen Fragen konfrontiert. Hatte Bilgin Onur zunächst einen Vortrag über das vom Koordinationsrat der Muslime vorgegebene zentrale Thema „Migration als Herausforderung und Chance“ gehalten, waren es in der Ditib-Moschee vor allem informative Einzelgespräche, die von den mehr als 50 Besuchern mit den Vertretern der Gemeinde und ihrem Imam Arif Cankaya geführt wurden.

Bernhild Honig zum Beispiel war in die Ditib-Moschee gekommen, „um mein Wissen zu vertiefen“ und sich darüber zu informieren, wie es die Türkei mit der Vollverschleierung, dem Niqab, hält und erhielt vom Imam die Antwort: „Das schreibt der Koran nicht vor.“

Bilgin Onur berichtete in der Hunoldstraße lebhaft und authentisch vor allem über die Auswirkungen der religiösen Vorschriften auf das Alltagsleben und erklärte, dass jeder Muslim bei der Verrichtung seiner Gebete durchaus Spielraum habe, sie auch während der Arbeitspausen zu sprechen. „Missbrauch darf mit den Gebetszeiten nicht betrieben werden“, betonte der Vorsitzende der Hamidiye Moschee, erläuterte auch Sinn und Zweck des Ramadan und beantwortete geduldig die Fragen zur Trennung von Männern und Frauen in der Moschee mit dem Hinweis, dass sich jedermann während der Gebete voll auf seinen Glauben konzentrieren und sich nicht von weltlichen Gedanken ablenken lassen solle.

Um die Integration zu verbessern, empfahl Onur das Beispiel Norwegens. Dort seien zweijährige Sprachkurse für Imigranten schon vor 30 Jahren zur Pflicht gemacht worden, um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. „Die Sprache ist das A und O, um sich integrieren zu können“, betonte der Gemeindevorsitzende. Und nicht nur das Erlernen der deutschen Sprache im Allgemeinen; wichtig sei in der beruflichen Ausbildung auch das Erlernen der deutschen Fachsprache. „Sonst kann man seinen Beruf nicht erfolgreich ausüben“, erklärte Bilgin Onur. Schon in den Kindertagesstätten müssten Kinder mit Migrationshintergrund besonders gefördert werden, forderte Onur. Und nicht nur die mit Migrationshintergrund, sondern auch die deutschen Kinder, die zu Hause sprachlich zu wenig gefördert würden. „Da lassen sich in den Kitas viele Defizite auch bei deutschen Kindern feststellen.“ Integration sei im Übrigen keine Einbahnstraße. „Das muss ein gegenseitiges Geben und Nehmen sein“, betonte Onur und forderte sowohl die Flüchtlinge als auch die Gesellschaft auf, sich zu öffnen. „Dafür haben wir auch den Tag der offenen Moschee“, erklärte Bilgin Onur und lud dazu ein, jederzeit die Moscheen zu besuchen und Fragen zu stellen.

Ralf Weißenborn vom „Freiraum“ war weniger gekommen, sich über religiöse Fragen zu informieren, als mit Muslimen ins Gespräch zu kommen. „Denn wo trifft man am ehesten einen Muslim“, erklärte er, „als beim Besuch einer unserer Moscheen hier in Hameln.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt