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Salztherapie und Klangmeditation sollen entspannen und Beschwerden lindern – ein Selbstversuch

Viele Dings und Dongs in der Meeresluft

Hameln. „Atme tief ein, und atme tief aus.“ Diiinnnggg. „Atem ist Lebensenergie.“ Diiinnnggg. „Mit jedem Atemzug“ – diiiinnngggg – „nimmst du neuen Sauerstoff auf.“ Diiiingggg-iiinnnggg-iiinngg … „Mit jedem Ausatmen gibst du verbrauchte Energie ab.“ Diiiingggg-iiinnnggg-iiinngg … „Erlaube deinem Körper, dass er mit jedem Ausatmen mehr und mehr loslässt.“ Und immer wieder dingt und dongt es, mal zart, mal dumpf und kräftig, in allen Tonlagen und Längen. Und während Andrea Röhnsch ihren Text spricht, klingeln auch Glöckchen und prasselt der Regenmacher. Die Laute, die sie den großen und kleinen tibetischen Klangschalen entlockt, sie flirren und schwirren durch die Luft, die so salzig ist wie die an der Nordsee.

veröffentlicht am 13.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Alda Maria Grüter
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Und so sanft wie der Filzklöppel gegen die Schalen schlägt, der Nebel langsam herunterwabert, seine Hülle über den verdunkelten Raum ausbreitet, so sanft scheint sich auch der Mantel der Entspannung über die Gesichter der Teilnehmer zu legen. Klangschalen, wird Andrea Röhnsch später erklären, verbreiten eine harmonisierende und angenehme Schwingungsfrequenz, die sich positiv auf Geist, Seele und Körper auswirken soll Selbstheilungskräfte könnten aktiviert und der ganze Körper entspannt werden. Die Meditations-Frau mit den Schalen aus Tibet ist eine Klang-Schamanin, sie kommt aus Banteln. Die mit Himalaja-Salz getränkte Luft atmen wir innerhalb eines Raumes der Salzinsel ein, die nicht etwa in der Nordsee liegt, sondern mitten in Hameln: In der Kaiserstraße 55 bietet Annette Marx seit fast einem Jahr sogenannte Halotherapien an. Jeden zweiten Donnerstag im Monat gibt es die Salztherapie in Verbindung mit einer Klangmeditation – eine Kombination, die Marx zufolge zumindest in der Region einmalig ist. Von Marx ist im Vorfeld weiter zu erfahren: Seit Jahrtausenden ist die natürliche gesundheitsfördernde Kraft des Salzes bekannt und wurde zu medizinischen Zwecken genutzt. „Eine Salztherapie kann vielen Leiden vorbeugen und helfen, sie spürbar zu lindern.“ So etwa Atemwegs- und Hauterkrankungen, Kopfschmerzen, Migräne, Müdigkeit, Herz-Kreislaufprobleme, Depressionen und Burnout. „Die Wirksamkeit einer im Salzzimmer durchgeführten Halotherapie ist sehr hoch. Denn dort ist der Anteil an Mineralien deutlich höher als der am Meer“, sagt Marx weiter. Regelmäßige 45-minütige Sitzungen, zwei bis viermal pro Woche, würden genügen. Nordseeklima in vier Wänden, vor der Haustür. „Das Mikroklima im Salzraum erhalten wir durch ein Verfahren, wobei das Natursalz in den Raum mikrofein zerstäubt wird. Auf diese Weise schweben alle Mineralien aus den Himalaja-Salzbrocken gasförmig in der Luft, die wir während der Sitzung einatmen.“ Himalaja-Salz entstand vor Millionen von Jahren an einem Ort, wo Sonnenenergie den ursprünglichen Ozean austrocknete. Himalaja-Salz wird in einer Tiefe von 400 bis 600 Metern gewonnen. Es wird mit der Hand gewonnen, ohne Sprengstoffe. „Das Salz ist reich an vielen positiv wirkenden Substanzen, es enthält über 80 Mineralien und Mikroelemente, die für einen gesunden Organismus sorgen.“

Und zu den Schwingungen fernöstlicher Entspannungsmethoden: Selbst Kritiker würden ihnen eine positive Wirkung zusprechen, sagt Röhnsch. Hört sich alles gut an. Doch klingeln will’s bei mir erst einmal nicht. Die vibrierenden Klänge führen nicht zum „Loslassen“, nicht zum „Wachsen“: Das imaginäre Saatkörnchen will nicht so recht Wurzeln schlagen … Zu sehr beschäftigt ist der Kopf mit Zuhören und Merken, mit Beobachten und Aufpassen und mit Wundern und Staunen über diese Entspannungsform. Warum die Klangschalen-Töne in meinem Kopf wohl nur dröhnen und die Backen zum Glühen bringen? Je nach Anschlag und Größe der Klangschale sind die Schwingungen intensiver oder sanfter, durchlaufen den ganzen Körper – oder wirken eben gezielt auf ein Körperteil. So jedenfalls weiß die Schamanin „die blockierten Bereiche“ zu erklären. Und: Ja, die Berührungsängste mit dem vermeintlichen esoterischen Hokuspokus, die kenne sie auch nur allzu gut. Zu Unrecht sei dieses Klischee noch weit verbreitet, sagt sie.

Den Schalter umzulegen auf Entspannung, dafür haben die Teilnehmer, die die Klangmeditation im Salznebel mitmachen, jedoch nicht lange gebraucht: Sechs Frauen, zwei Männer, eingepackt in warme Decken, ausgestreckt auf bequemen Liegen, die Augen geschlossen – sie haben sich einfach eingelassen auf die meditative Fantasie-Reise: „Tief entspannt, tiefer geht’s nicht“ und „Ich fühle mich wie gereinigt“, „weg ist der ganze Stress“, heißt es schließlich aus der Teilnehmer-Gruppe. Und zugegeben, nach der dreiviertelstündigen Relaxing-Tour mit den vielen Dings und Dongs und dem gesunden Salznebel wird mir klar: Irgendwie ist der Kopf ebenso frei geworden wie die Nase. Und lange, bevor das helle Glöckchen das Ende der Reise einläutet: In Gedanken war das kleine Saatkorn doch tatsächlich zu einem großen Baum herangewachsen …

Klang-Schamanin Andrea Röhnsch (li.) zu Gast auf der „Salzinsel“ der Hamelnerin Annette Marx.

Foto: amg



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