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60 Prozent der Altstadt stehen unter Denkmalschutz

Viele Altstadtgebäude bröckeln – doch ein Experte fehlt

HAMELN. 25 Jahre nach Ende der Altstadtsanierung sind 30 bis 50 Prozent der alten Bausubstanz in der Hamelner Altstadt Schätzungen zufolge wieder sanierungsbedürftig. An vielen Fachwerkhäusern faulen die Balken, von barocken Gebäuden blättert die Farbe – doch ein Denkmalschutz-Experte fehlt seit Monaten.

veröffentlicht am 22.03.2018 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 13.04.2018 um 11:08 Uhr

Wiebke Kanz

Autor

Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite

Beinahe die gesamte Osterstraße ist es, der hintere und mittlere Teil der Bäckerstraße, Neue und Alte Marktstraße sind es fast vollständig, der gesamte vordere Teil der Baustraße vom Thiewall bis zur Einmündung Emmernstraße, die komplette Hummen-straße, Fischpforten- und Wendenstraße. Und, natürlich, der gesamte Pferdemarkt, Hochzeitshaus inklusive: denkmalgeschützt. All diese Bereiche sind auf einer Karte der Stadt Hameln aus dem Jahr 2014 rot eingefärbt, viele Gebäude innerhalb der Altstadt sind auf dieser Karte rot, sehr viele. Genaugenommen stehen gut 60 Prozent der rund 550 Gebäude in der Hamelner Altstadt unter Denkmalschutz, das bedeutet: Laut Niedersächsischem Denkmalschutzgesetz ist für diese Baudenkmäler „mit Unterstützung der öffentlichen Hand eine Nutzung anzustreben, die ihren Erhalt auf Dauer gewährleistet“.

Genau dies – die Hamelner Baudenkmäler auf Dauer zu erhalten – erscheint beim Bummel durch die Altstadt wie eine Mammutaufgabe: An vielen Fachwerkhäusern faulen die Balken, von barocken Gebäuden blättert die Farbe. Nach Schätzungen sind 30 bis 50 Prozent der alten Bausubstanz sanierungsbedürftig, vor allem in den Seitenstraßen. Für den Erhalt und die Sanierung der Häuser sind die Eigentümer zuständig, die allerdings – und das ist der Haken – nicht verpflichtet werden können, wenn die wirtschaftliche Belastung zu hoch ist. Was der Stadt Hameln – der im übrigen nur neun der Baudenkmäler in der Altstadt gehören – als Untere Denkmalschutzbehörde bleibt: Das Gespräch mit den Eigentümern suchen, auf Fördermöglichkeiten hinweisen, unterstützen, beraten – immer und immer wieder.

Während die Hamelner Altstadt allerdings weiter vor sich hin bröckelt, liegt diese Aufgabe derzeit weitgehend auf Eis: Michael Voss, 18 Jahre lang Hamelns Denkmalschützer und zuvor in gleicher Funktion beim Landkreis tätig, ist zum Jahresende in den Ruhestand verabschiedet worden, seine Stelle seitdem vakant. Bereits im November hatte man im Rathaus damit begonnen, einen neuen Denkmalschützer zu suchen, die Stelle wurde ausgeschrieben. Doch im ersten Durchlauf konnte kein geeigneter Kandidat gefunden werden: „Von den 14 eingegangenen Bewerbungen erfüllten lediglich drei Bewerber die erforderliche Qualifikation“, teilt die Stadt Hameln auf Anfrage mit. „Ein Bewerber hat kurzfristig abgesagt, sodass zwei Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurden. Beide konnten jedoch nicht überzeugen.“

18 Jahre lang war Michael Voss für die Stadt Hameln als Denkmalschützer tätig, seit Ende des Jahres ist er im Ruhestand. Foto: Archiv/Dana

Ein zweites Ausschreibungsverfahren für die Stelle eines oder einer „Sachbearbeiter/in für denkmalschutzrechtliche Genehmigungsverfahren für die Abteilung Bauaufsicht“ lief bis Anfang März, im Rathaus sei man gerade „am Sichten und Sortieren der eingegangenen Unterlagen“. Vorstellungsgespräche hätten bislang noch nicht stattgefunden, aus datenschutzrechtlichen Gründen könne man weitere Informationen derzeit nicht geben. Intern heißt es jedoch, auch dieses Mal habe sich kein geeigneter Bewerber gemeldet. Erwartet werden unter anderem ein abgeschlossenes Studium in der Fachrichtung Architektur oder Bauingenieurwesen sowie eine Spezialisierung im Bereich des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege. Zudem werden mindestens drei Jahre Berufserfahrung vorausgesetzt.

Solange der Stadt ein Experte fehlt, wird sie „bei der Bearbeitung der denkmalschutzrechtlichen und -pflegerischen Verfahren durch den Landkreis Hameln-Pyrmont unterstützt“, heißt es. Vor diesem Hintergrund könnten allerdings „nicht alle Themen in der bisherigen Intensität verfolgt werden“.



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