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Ehemaliges Kreiskrankenhaus Wilhelmstraße bleibt länger leer / Sana-Klinikum ändert Ausrichtung

Viele Ärzte wollen nicht auf Gesundheitscampus

veröffentlicht am 27.05.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Ausrangiert: Alte Krankenhausbetten sind auf dem Hof gelagert und warten auf Abholung. Für sie kann das Sana-Klinikum zurzeit ei

Autor:

Birte Hansen

Hameln. Die Luft riecht muffig. Die Eigenschaft, sich in Hirn und Kleidung einzunisten, hat Krankenhausgeruch an sich, hier aber bleibt er jetzt besonders hartnäckig hängen. Die Flure sind leer und dunkel, der Eingangsbereich ist verlassen, nur wenige Trakte im alten Klinikum werden benutzt. Ab Sommer 2011 ändert sich das, verspricht das Bauschild unter freiem Himmel an der Wilhelmstraße, dann eröffnet der „Gesundheitscampus“. Doch daraus wird nichts. Die Pläne haben sich gewandelt.

Die Hälfte der insgesamt 11 500 Quadratmeter sind vermietet – das war der Stand im November 2009. Heute sind es laut Dr. Ralf Paland 90 Prozent, die „gedanklich vergeben sind“. Doch die Ursprungsidee, an diesem Ort eine zentrale Anlaufstelle für Patienten zu schaffen, an der bis zu 20 Fachärzte unter einem Dach anzutreffen sind, ist gestorben. Gespräche, die mit „20, 30 Ärzten“ geführt wurden, endeten nicht mit Unterschriften, sondern mit Absagen oder nichts. Viele hätten sich einfach gar nicht mehr gemeldet, so Paland. Gescheitert ist das Vorhaben an den unterschiedlichen Vorstellungen der Verhandlungspartner: Sieben Euro pro Quadratmeter verlangt das Sana-Klinikum Hameln-Pyrmont an Miete, „zu viel“ sagen Ärzte, die gern mehr für das Geld sehen würden, als das, was Sana an Infrastruktur bereitstellen will. „Es muss refinanzierbar sein“, sagt Paland, Geschäftsführer des Sana-Klinikums Hameln-Pyrmont. Sieben Euro seien vergleichsweise günstig. Es muss refinanzierbar sein, sagen aber auch niedergelassene Ärzte, die sich scheuen, große Investitionen zu tätigen.

„Es kommen dauernd neue Gesetze und neue Regelungen“, begründet Dr. Raffael Boragk, Vorsitzender der Hamelner Ärzte, die Zurückhaltung einiger Kollegen bei Investitionen. Außerdem hätten seiner Kenntnis nach die Ärzte, die mit Sana im Gespräch waren, „eine klare Linie und deutliches Konzept vermisst“ und es habe an Transparenz gefehlt. Ein Interessent, der namentlich nicht genannt werden möchte, bestätigt das: „Es wäre gut gewesen, wenn es eine Informationsveranstaltung für alle gegeben hätte.“ So seien immer nur Einzelgespräche geführt worden.

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  • Ausgeräumt und verödet: die Schwesternzentrale der ehemaligen Gynäkologie. Als die Sana AG die Mehrheitsanteile am Kreiskrankenhaus an der Weser gekauft hat, verpflichtete sich das Unternehmen, auch für den Standort Wilhelmstraße eine tragfähige Nachnutzung zu finden. Fotos: Dana

Dass neu gedacht werden muss, sieht Paland offenbar gelassen. „Rein ökonomisch schmerzt das nicht“, sagt der Geschäftsführer über die neue Ausrichtung des Gesundheitscampus am alten Krankenhaus. Jetzt werden weniger Mieter größere Flächen beanspruchen. Nur die Idee, dass Hameln mit dem kleinteiligen Konzept in der Region einen „Leuchtturm“ haben könnte, die gibt’s nicht mehr. Paland bemüht für das Begräbnis der Vision Altbundeskanzler Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, hat Schmidt einst gesagt.

Planänderungen gibt es auch hinsichtlich der Eröffnung. „Mitte 2012“ dürfte nach Palands Einschätzung alles fertig sein. Nach und nach kommen die neuen Mieter, Schritt für Schritt werden die Gebäudetrakte in Absprache mit den Mietern saniert. Fertig ist der Gebäudeabschnitt F, in dem der Landkreis seine Früherkennungsstelle seit 2009 unterhält. 45 Prozent der Gesamtfläche werden künftig vom Ameos- Klinikum genutzt, das 32 Betten für stationäre Psychiatrie zur Verfügung und eine Tagesklinik mit 15 Plätzen haben wird. Die Mietverträge mit der Gesundheitscampus Wilhelmstraße GmbH stehen laut Paland kurz vor der Unterzeichnung.

Festgezurrt ist demnach auch der Vertrag mit einem Sanitätshaus, das im Erdgeschoss etwa 500 Quadratmeter beziehen will. Ein Apotheker dagegen zögere noch und warte ab, ob Allgemeinmediziner ihre Praxen unter demselben Dach eröffnen. Fest steht ebenfalls, dass das Sana- Klinikum sein Zentrum für Aus-, Fort- und Weiterbildung inklusive der Hebammenschule im sanierten Gebäude ansiedeln wird. Auch die Vorträge der Patientenakademie finden dann an der Wilhelmstraße statt. Und sämtliche ambulanten Operationen werden künftig dort und nicht mehr im Haus an der Weser durchgeführt. Den OP-Saal könnten dann auch andere Ärzte nutzen.

Ausgeräumt und verödet: die Schwesternzentrale der ehemaligen Gynäkologie. Als die Sana AG die Mehrheitsanteile am Kreiskrankenhaus an der Weser gekauft hat, verpflichtete sich das Unternehmen, auch für den Standort Wilhelmstraße eine tragfähige Nachnutzung zu finden.

Fotos: Dana



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