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Blick in die Seelenlandschaft

Viel Lärm und Liebe: Die jungen Poetryslammer vom Vikilu

HAMELN. „Können Jungs sich auch mal nicht mit Mädchen zoffen?“ Wer wirklich wissen will, was junge Menschen heutzutage beschäftigt, der sollte einmal zum Poetryslam gehen. „Macht einmal ganz viel Lärm und Liebe für unsere Teilnehmer!“ Der U20-Slam vom Viktoria-Louise-Gymnasium unter der Moderation des hannoverschen Poetryslammers Gerrit Wilanek lässt teilweise tief in die Köpfe und Herzen der Schüler blicken.

veröffentlicht am 15.06.2017 um 18:34 Uhr

Zehn Schüler des Hamelner Viktoria-Louise-Gymnasiums haben sich beim Poetry Slam vor‘s Mikrofon gewagt. Symbolbild: Pixabay
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Autor

Katharina Mork Reporterin
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Dabei wirkt die Seelenlandschaft der zehn jungen Dichter sehr unterschiedlich und vielseitig. Die Texte der Schüler behandeln sowohl recht simple Themen wie Schule, Mädchen, Jungs, Freundschaft, die typischen Höhen und Tiefen der Pubertät, als auch komplexe Dinge, die eine gewisse Reflexion des Zeitgeschehens erfordern. „Woher soll ich wissen, wer die Wahrheit sagt – wenn keiner mehr die Nachrichten hinterfragt?“

Ein Mädchen sorgt sich etwa um den Wahrheitsgehalt der größten Kommunikationsplattform überhaupt – des Internets. Politik, Fakenews, der US-Wahlkampf, Kapitalismuskritik – oder die unendliche Traurigkeit des Seins scheinen auch sehr junge Menschen zu beschäftigen. Mehr als nur einer der Teenager dichtet über Gefühle der Leere, des unaufhaltsamen Fallens. Eine Teilnehmerin des wortgewandten Wettbewerbes in der Sumpfblume bricht gar mehrfach in Tränen aus und muss ihren Auftritt unterbrechen. Doch wie so oft lässt sich auch in der größten Tragik etwas Schönes finden.

Als das junge Mädchen erneut die Bühne betritt, ist sie nicht allein – mit ihr kommen zehn Schulfreunde, die sie bei ihrem Auftritt solidarisch unterstützen wollen. Gemeinsam mit einer Freundin schafft die Schülerin des Hamelner Gymnasiums es schließlich, auch die letzte Zeile ihres Textes zu lesen, der den tiefen Fall in eine Depression beschreibt. Ja sind denn die Kids von heute alle unglücklich? Nicht alle. Einer von zwei männlichen Teilnehmern dichtet humorvoll und scheinbar sorglos über die nervige Schule – und wann sie endlich zu Ende ist.

Poetryslammer Gerrit Wilanek moderierte den Abend. Foto: km
  • Poetryslammer Gerrit Wilanek moderierte den Abend. Foto: km
Schülerin Luca Littmann slammte über Fakenews. Foto: km
  • Schülerin Luca Littmann slammte über Fakenews. Foto: km

Auch die Gewinnerin des Poetry Slams Lena Koch sinniert nicht etwa über Trübsal – sie begeistert das Publikum durch Interaktion. Zu Anfang ihres Vortrags animiert sie das Publikum zum rhythmischen Mitklatschen – und fragt danach keck, warum alle klatschen. „Wenn das Publikum etwas zu tun hat, muss es aufpassen.“

Diesen pädagogisch-genialen Schachzug machte sich die 16-Jährige zunutze. Im Folgenden beschreibt sie passend zur Einleitung, wie sehr Werbeslogans sich in unsere Gehirne eingebrannt haben – und wie beeinflussbar wir dadurch sind. Die Schüler des Vikilu sind sich mehrheitlich einig darüber – Lena Koch hat den ersten Platz des Poetry Slam verdient.

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