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Quelle der Giftstoffe im Rathaus immer noch unbekannt / Zehn Bedienstete arbeiten fortan in der Feuerwache

Verwaltung steht vor einem Rätsel

Hameln. Das Rathaus ist in die Jahre gekommen. Immer wieder rufen Defekte die Handwerker auf den Plan. Mal ist es die marode Elektrik, mal regnet es rein oder einer der betagten Fahrstühle verweigert seinen Dienst, wie zuletzt erst im Februar dieses Jahres geschehen. „Bauliche Mängel bekommen wir immer wieder zu spüren“, weiß ein Verwaltungsangestellter zu berichten. Dass jedoch Mitarbeiter wegen giftiger Ausdünstungen in ihren Diensträumen nach Hause geschickt werden mussten, wie am vergangenen Freitag geschehen, ist ein Novum. Bürgermeister Claudio Griese hatte die Reißleine gezogen, weil Messungen des Bremer Umweltinstitutes in zwei Büros der vierten Etage des Langbaus eine hohe Konzentration der krebserregenden Substanz 2-Butanonoxim ergeben hatten (wir berichteten).

veröffentlicht am 24.11.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:22 Uhr

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Gestern sollte im Rathaus mit der Ursachenforschung begonnen werden, doch die Verwaltung steht immer noch vor einem Rätsel, kann die hohen Werte von 360 beziehungsweise 95 bei erlaubten 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht erklären. „So etwas tritt nicht mit einem Gongschlag auf“, heißt es. Deshalb lasse sich auch nicht genau festmachen, wann Mitarbeiter das erste Mal über welche Beschwerden geklagt haben.

Die Experten aus Bremen seien jedoch laufend mit Messungen im Rathaus beschäftigt. So waren erst im vergangenen Jahr in exakt den gleichen Diensträumen, in denen jetzt die hohe Konzentration an 2-Butanonoxim nachgewiesen wurde, Messungen vorgenommen worden, weil Mitarbeiter zuvor über Kopfschmerzen geklagt hatten. Damals war der teerhaltige Fußboden in Verdacht geraten, die Beschwerden verursacht zu haben, weil die vierte Etage – noch zu Zeiten, als die Immobilie vom BHW genutzt wurde – nachträglich wegen Platzbedarfes auf den ehemals dreistöckigen Langbau aufgesetzt worden ist. Der gesamte Fußboden ist neu, da die Bitumenschicht des ehemaligen Flachdaches abgetragen und mit einer PE-Folie nebst Aluminiumkern abgedeckt worden ist. Darauf ist in Absprache mit dem Bremer Umweltinstitut ein Trockenestrich aus Fermacellplatten verlegt worden, der mit einem Verlegesystem für Linoleum (bestehend aus Grundierung, Spachtelung und Kleber) versehen wurde. Bei der Auswahl des Verlegesystems sei darauf geachtet worden. Zudem wurden Dichtungen eingebaut, die Ausdünstungen gar nicht erst ermöglichen sollen. Die Räume seien anschließend wieder nutzbar gewesen und Kontrollmessungen hätten keine Schadstoffe in der Luft ergeben. Auch gesundheitliche Beschwerden der Mitarbeiter seien zu diesem Zeitpunkt nicht aufgetreten, hieß es gestern im Rathaus. Den Zeitpunkt, wann erneut Probleme aufgetreten sind, kann die inzwischen sensibilisierte Verwaltung nicht nennen. Da sich gesundheitliche Klagen jedoch wieder gehäuft hätten, sei erneut gemessen und dabei der exorbitant hohe 2-Butanonoxim-Wert festgestellt worden.

Im Rathaus wird seit gestern nach der Ursache gesucht, doch ein Ergebnis liegt noch nicht vor. „Das geht nicht auf Knopfdruck und auch nicht von jetzt auf gleich“, wurde erklärt. Man müsse ganz genau hinschauen. Dass jedoch der neue Fußboden als „Luftvergifter“ infrage kommt, wird ausgeschlossen. Die Verwaltung räumt aber ein: „Es gibt noch ganz, ganz viel zu klären.“ Deshalb sei derzeit auch nicht absehbar, ob und wann die geräumten Dienstzimmer wieder nutzbar sind.

Für die von Oberbürgermeister Griese am Freitag nach Hause geschickten zehn Bediensteten der zentralen Buchhaltung ist bereits ein neues Domizil gefunden worden. Sie sollen spätestens morgen ihren Dienst in der Feuerwache an der Ruthenstraße wieder aufnehmen. „Der Umzug ist bereits in vollem Gange“, war zu hören. Die 40 Mitarbeiter, die ebenfalls in der vierten Etage des Rathauses beschäftigt sind, werden ihre Büros auch räumen müssen. Sie sollen in dezentralen Büros untergebracht werden, die in Stadtnähe erst noch gefunden werden müssen. Entsprechende Gespräche seien aber bereits angelaufen.

Auch die Bedienstetenvertretung wird sich mit den Giftstoffen im Rathaus befassen. „Wir führen Gespräche mit den betroffenen Mitarbeitern. Allerdings will ich erst noch das mir jetzt vorliegende Gutachten mit einem Experten durchsprechen, bevor ich mich äußern werde. Ich bin kein Chemiker, sondern Kraftfahrzeugmeister“, sagte Personalrat Michael Kirchner.



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