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Comedian „Herr Schröder“ gibt Einblicke ins Lehrerleben

Vertretungsstunde der Extraklasse

HAMELN. Soviel ist klar, der Mann weiß, wovon er redet. Abi 92, Studium in Freiburg, Deutsch, Englisch, dann Schuldienst an einem Offenburger Gymnasium. Mittlerweile aber ist Johannes Schröder (44), beurlaubt, als Comedian in der Rolle des „Herr Schröder“, ein gefragter Star der Komiker-Szene.

veröffentlicht am 03.02.2019 um 12:52 Uhr

„Herr Schröder“ Foto: eaw
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Autor

Ernst August Wolf Reporter
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Vielfach preisgekrönt und im außerschulischen, dennoch eminent pädagogischen Dauereinsatz. So auch im brechend vollen Weserberglandzentrum, wo der quirlige Pädagoge eine äußerst amüsante Doppelstunde gab. Im Publikum mehrheitlich Betroffene. „Sicher 80 Prozent Lehrer“, vermutete ein Lehrer-Ehepaar aus Salzhemmendorf. „Natürlich können Lehrer über Lehrer lachen“, waren sich die beiden einig. „Nur nicht alles so auf den Punkt bringen, denn da ist viel Wahres dran und die geschilderten Typen kennen wir im Kollegenkreis doch alle“, ergänzte eine andere Lehrerin, die eigens aus Detmold angereist war. Und was Herr Schröder präsentierte, war in der Tat eine vor Wortspielen und Detailbeobachtungen nur so strotzende Vertretungsstunde der Extraklasse. „Mühelos. Da braucht man sich nicht anzustrengen, Schüler und Kollegen liefern das Material gratis“, verriet er und trat mit Zitaten von Klassenbucheinträgen sofort den Beweis an. Ein Brüller nach dem anderen.

Aber bei Herrn Schröder gibt es auch einen detaillierten und lehrreichen Blick auf die deutsche Sprache. Schließlich ist der Deutschlehrer. Etwa die Widersinnigkeit im Gebrauch der deutschen Artikel, was Schröder auf verblüffende Weise verdeutlichte. Und Schüler- und Szenesprache aus den Schulhofecken der Republik beherrscht der „Korrekturensohn“ natürlich auch.

Was Johannes Schröder betreibt, ist allerdings kein simples Lehrer-Bashing. Vielmehr gelingt ihm ein präziser und temporeicher Blick in die Befindlichkeiten und Sensibilitäten einer viel gescholtenen und nicht nur derzeit wenig respektierten Berufsgruppe. Doch Schröder doziert nicht im Frontalunterricht, sondern aktiviert entsprechende Partner im Publikum: ein vorlautes Ehepaar in der ersten Reihe, eine Junglehrerin, einen Sechstklässler, eine Schülerin. Die kurzen Wortwechsel mit ihnen werden zu einer Art rotem Faden.

Schröder gibt den Turbo-Vollgas-Pädagogen. Einer, der seinen Beruf kritisch sieht, dessen Liebe zu Kolleginnen und Kollegen, zu Turbo-Eltern und bildungsferner Schülerklientel, und seien sie noch so skurril, spürbar bleibt. „World of Lehrkraft – Ein Trauma geht in Erfüllung“, so der Titel seines kabarettistischen Soloprogrammes. Vielleicht ist Schröders Show eine Art Aufarbeitungsversuch. Auf jeden Fall einer, der einerseits höchst unterhaltsam und lehrreich daherkommt, andererseits aber auch nachdenklich macht. Über den Umgang mit einer Berufsgruppe, die schon immer verstärktes Ziel von Hohn und Spott war. Schröder hat dem eine neue, höherwertige Dimension gegeben.



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