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Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt als Duo und mit Band im Jazzclub Doubletime

HAMELN. 12 Jahre? 13 Jahre? Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt sind sich nicht einig über die Zeit ihrer Zusammenarbeit, scherzen über die Reduktion ihres damaligen Quintetts zum Duo, Gyémánt kündigt den Rauswurf seiner Partnerin an, um sich am Ende selbst feuern zu wollen. Fein, dass die beiden vorher für zwei Abende den Weg ins Doubletime gefunden haben. Zunächst als Duo mit viel Raum zum Atmen für Gyémánts E-Gitarre und Harcsas Mehr-Oktaven-Stimme.

veröffentlicht am 09.10.2021 um 10:00 Uhr

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„Feeling Good“, der Auftaktsong am Mittwoch, zaubert ein Kaleidoskop verschiedener Stimmungen hervor. Harcsas rhythmisches Klatschen und Gyémánt zupft ganz unten auf dem Griffbrett einzelne Töne, die hallend verklingen. Dann wieder schlägt er die Saiten heftig, fast schrammelig an, um später ein Flamenco-Interludium zu integrieren. In anderen Stücken nutzt er den Korpus perkussiv, gibt der E-Gitarre funkige und akustische Anmutungen oder baut in „Tell Her“ ein Solo ein, das die Gitarre wie eine komplette Rockband ertönen lässt.

Dazu das Stimmwunder Harcsa mit erstaunlichen Modulationen. Scatten, Zwitschern, orientalische Anklänge, klagender Fado, südländisches Parlando, repetierende Improvisationen, atemloses Hecheln, lautmalerisches Geplapper, Ausflüge in himmlische Höhen, wo sich die Stimme im Azur versendet, und Erdung mit warmem Timbre.

„Shapeshifter“ heißt das Album, das das Duo mit Nicolas Thys am Kontrabass und dem Schlagzeuger Antoine Pierre aufgenommen hat. Die beiden Belgier ergänzen die Ungarn am Donnerstag, verdichten den Sound.

Wenn Pierre richtig auf die Felle haut und Gyémánts Feuer sprühende E-Gitarre an Saitengötter wie den frühen Carlos Santana erinnert, offenbart sich die Abenteuerlust der Musiker. Das 10-minütige „Serge with Holy Scar“ beginnt mit einem stoischen Drumbeat, einer monotonen Bassfigur und einer dunkel dräuenden Gitarre und entpuppt sich doch als Popsong mit Refrain, freilich einer mit ca. zwei Dutzend Wendungen. Das noch längere dreiteilige Stück „Night“ pendelt zwischen der Hektik der neonerleuchteten Metropole und der Erholung auf ruhigen Plätzen.

Ob sie ungarische Volkslieder, die Harcsa als Kind lernte, in den Jazz überführen, oder San Francisco, dem Euphorie auslösenden Ziel aller Tramper, ein Lied widmen, ob sie mit den an beiden Abenden gespielten Songs „San Francisco“ und „Shapeshifter“ zum Vergleichen einladen – die Budapester zeigen sich selbst als Shapeshifter, als Gestaltwandler, wenn sie dem eigentlich totgecoverten Beatles-Song „Come Together“ eine neue Rhythmik verpassen, wenn sie Pop, Rock, Folk, Jazz und Avantgarde verknüpfen und sich in verschiedenen Formationen fordern.

Veronika Harcsa und Bálint Gyémánt gaben das erste Doubletime-Konzert – im Kunstkreis noch vor der Club-Eröffnung. Auch dafür überreicht Boris Faehndrich ihnen am Mittwoch einen Blumenstrauß. Verdient haben sie sich eine ganze Blumenwiese.



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