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In der Kasse der Feuerwehr Halvestorf-Hope fehlen 38 911,23 Euro / Kommandomitglied gesteht

Vermögen veruntreut – „eine widerwärtige Tat“

Halvestorf (gro/HW). In der Kasse der Freiwilligen Feuerwehr Halvestorf-Hope fehlen exakt 38 911,23 Euro. Diesen Betrag nannte Ortsbrandmeister Werner Hupe gestern Vormittag während einer außerordentlichen Mitgliederversammlung mit dem einzigen Thema: „Veruntreuung unserer Feuerwehrkasse durch einen Feuerwehrkameraden“. Das Interesse war sehr groß. Mehr als hundert Mitglieder der Feuerwehr und weitere Bürger waren in die Sporthalle gekommen. Im Verdacht, die Kasse geplündert zu haben, steht ein Kommandomitglied (wir berichteten), gegen das der Ortsbrandmeister zwischenzeitlich im Namen der Feuerwehr Halvestorf Strafanzeige erstattet hat.

veröffentlicht am 22.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 06:21 Uhr

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Detailliert berichtete Hupe darüber, wie das Geld unterschlagen worden sein soll und wie das Feuerwehrkommando Kenntnis über den Fall erlangt habe. Gleichzeitig informierte er über beabsichtigte Maßnahmen zur Wiederbeschaffung des verschwundenen Geldes. Bei Recherchen des Kommandos (so nennen Feuerwehren ihren Vorstand) sei herausgekommen, dass das Feuerwehrmitglied, das laut Werner Hupe die unrechtmäßigen Entnahmen eingestanden habe, sich bereits seit zehn Jahren an der Kasse bereichert haben soll. Daraufhin habe ein Steuerberater im Auftrag der Feuerwehr eine Überprüfung der Kontenbewegungen der vergangenen zehn Jahre vorgenommen und dabei auch die Privatkonten des Beschuldigten unter die Lupe genommen. Dadurch sei der Kassenfehlbetrag in Höhe von 38 911,23 Euro ermittelt worden, berichtete Hupe, der die „Veruntreuung des Feuerwehrvermögens“ als „widerwärtige Tat“ gegen alle Feuerwehrmitglieder, Spender und Sponsoren bezeichnete. „Letztendlich ist das ganze Dorf betroffen“, sagte der Ortsbrandmeister.

Verauslagte Beträge sofort erstattet

Zu Recht stelle sich nun jeder die Frage, wie es dazu kommen konnte, ohne dass jemand etwas gemerkt habe. Das hätten sich die Verantwortlichen auch gefragt, so Hupe. Die Gründe dafür seien gewesen, dass der Beschuldigte auf Befragung stets „wie aus der Pistole geschossen“, die aktuellen Stände der einzelnen Konten genannt, verauslagte Geldbeträge für die Feuerwehr umgehend erstattet und angeordnete Überweisungen sofort getätigt habe. Das geständige Mitglied habe die entfremdeten Buchungen so intelligent über mehrere Konten geleitet, dass auch den Kassenprüfern nichts habe auffallen können und ihnen kein Fehlverhalten vorzuwerfen sei. Ausdrücklich stellte Hupe fest, dass jetzt alle Register gezogen worden seien, „um an unser sauer verdientes Geld zu kommen“. Nähere Angaben, wie die Gelder aus der Kasse über einen so langen Zeitraum zweckentfremdet werden konnten, wollte Hupe auch auf Anfrage nicht machen, um möglichen Nachahmern keine Gelegenheit zu geben. „Als Fazit kann ich nur sagen, wir – und speziell ich – haben einem Kameraden, einer Führungskraft, einem Kommandomitglied volles Vertrauen geschenkt und sind schändlich hintergangen und betrogen worden“, sagte der Ortsbrandmeister bei der Versammlung und betonte, dass der Beschuldigte die Bezeichnung „Kamerad“ nicht mehr verdient habe.

Zweifel an den Veruntreuungsermittlungen und der Summe brachte ein Verwandter des Beschuldigten vor. Wenn über so einen langen Zeitraum Geld verschwinden könne, seien auch Fehler bei den Verantwortlichen zu suchen.

Schur: Täter nicht zu Opfern machen

Als Vertreter des Amtes für Recht und Sicherheit der Stadt Hameln, die mit der Prüfung der Vorgänge betraut war, bezog Dieter Schur Stellung: „Ich warne davor, Täter zu Opfern zu machen.“ Zur Führung von Feuerwehrkassen stellte er fest: „Aus den Erfahrungen heraus habe ich keinen Anlass, das bisherige Kassenwesen bei den Wehren anders zu behandeln.“ Grundsätzlich gelte das Vier-Augen-Prinzip: zwei Unterschriften bei Überweisungen und Geldgeschäften. Das sei in Halvestorf so jedoch noch nicht zum Tragen gekommen, wie Hupe gegenüber der Dewezet einräumte. Bei der nächsten Jahreshauptversammlung solle ein neues Kassenführungsmodell vorgestellt werden.

Das Dorfmittelzentrum, für das das Geld vorgesehen gewesen sei, werde wie geplant fertiggestellt, so Hupe weiter. Applaus gab es für die Nachbarwehr Haverbeck, die 2000 Euro spendete, damit die Halvestorfer in Bezug auf ihre Baumaßnahme solvent bleiben. Beifall erhielten auch die heimischen Handwerker, „die erst einmal stillhalten und uns damit etwas Luft verschaffen,“ wie Hupe verkündete.

Zum Abschluss der diszipliniert verlaufenden Versammlung gab sich der Ortsbrandmeister zuversichtlich: „Wir werden aus dieser Sache gestärkt hervorgehen, weil wir noch mehr zusammenhalten und unsere Kameradschaft zeigen und ausleben werden. Wir werden nicht aufgeben und es allen, die uns das nicht zutrauen, zeigen, was wir zu leisten fähig sind.“

Interessiert und mit versteinerten Gesichtern verfolgten gestern mehr als einhundert Mitglieder der Feuerwehr Halvestorf und Bürger anlässlich der außerordentlichen Versammlung in der Sporthalle die Erläuterungen des Ortsbrandmeisters Werner Hupe (stehend, re.) über die verschwundenen Gelder aus der Vereinskasse.Foto: gro



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