weather-image
16°

Insgesamt weniger registrierte Waffen

Vermehrte Nachfrage: Hilft Pfefferspray gegen die Angst?

Hameln. Die Nachfrage nach Pfefferspray steigt seit Monaten. Der Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenhändler vermeldet eine sprunghafte Zunahme. In Hameln ist die Nachfrage nicht erst seit Paris groß. Laut Handel steigen die Verkaufszahlen, seitdem die Linsingen-Kaserne als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird.

veröffentlicht am 22.12.2015 um 18:48 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 00:41 Uhr

270_008_7813580_pedestrian_925850_1920.jpg

Autor:

von andrea tiedemann
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ein Pfefferspray unterm Weihnachtsbaum, mit einer roten Schleife verpackt? Nein, ein Weihnachtsgeschäft gebe es nicht gerade, sagt Walter Paul, Inhaber des Waffengeschäftes in der Osterstraße. Dennoch: Die Nachfrage nach Pfefferspray steigt seit Monaten. Der Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenhändler hatte eine sprunghafte Zunahme vermeldet. Doch in Hameln sei die Nachfrage nach Pfefferspray nicht erst seit Paris groß, hat Paul beobachtet, sondern schon, seit die Linsingen Kaserne als Flüchtlingsunterkunft genutzt werde. Vermutlich ist es die Angst, die – vor allem ältere Menschen – den Weg ins Waffengeschäft finden lässt. Meist werde aber nur nach kleinen Abwehrwaffen verlangt – wie eben Pfefferspray oder CS-Gas, das auch als Tränengas bekannt ist. Größere Geräte wie etwa Elektroschocker würden seltener nachgefragt, so Paul. „Das ist ja dann auch schon das Zehnfache vom Preis.“ Ein Pfefferspray gebe es schon für um die fünf Euro.

Offenbar belassen es die Hamelner aber auch bei solchen frei verkäuflichen Abwehrmitteln. Denn der Landkreis verzeichnet keine erhöhte Nachfrage nach Kleinen Waffenscheinen. Damit dürfen Reizgas-, Signal- und Schreckschusswaffen benutzt werden. In diesem Jahr haben bisher 15 Menschen im Landkreis Hameln-Pyrmont einen solchen Waffenschein beantragt – insgesamt haben 161 Personen eine solche Erlaubnis, die erst 2003 eingeführt wurde. Einen kleinen Waffenschein kann jeder Vollljährige bekommen, der „persönlich geeignet“ und zuverlässig ist – also nicht drogenabhängig oder vorbestraft. Komplizierter sieht es beim Großen Waffenschein aus – derzeit besitzt aber auch niemand einen solchen im Landkreis. Damit dürfen Personen eine geladene Schusswaffe in der Öffentlichkeit am Körper tragen. Dieses Dokument ist einem kleinen Kreis von Personen vorbehalten – ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis muss vorgelegt werden und die Notwendigkeit erläutert werden, warum eine Waffe gebraucht wird. Zudem ist ein Sachkundenachweis erforderlich. Das ist für Privatpersonen schwer zu begründen. Im gesamten Landkreis wurden zwischen 2000 und 2014 drei solcher Waffenscheine ausgestellt – jeweils für drei Jahre befristet.

„Eine vermehrte Nachfrage liegt weder für den Waffenschein noch für den Kleinen Waffenschein vor“, teilt Landkreis-Sprecherin Sandra Lummitsch mit. Gleiches bestätigt der Sachbearbeiter im Bereich Waffenrecht für die sogenannten Waffenbesitzkarten. Diese erlaubt zwar den Erwerb und den Besitz, nicht aber das Führen von Waffen. Ständig bei sich tragen darf man die Waffe also nicht, die Karte berechtigt aber zur geregelten Nutzung – bei Sportschützen etwa im Schützenheim. Beim Transport muss die Waffe in einem Koffer verschlossen sein und die Munition getrennt aufbewahrt werden. Rund 2500 Menschen im Landkreis haben eine solche Karte – die Zahlen seien „seit dem letzten Jahr nahezu unverändert“.

Insgesamt gibt es sogar weniger erlaubnispflichtige Waffen im Landkreis Hameln-Pyrmont: Von 7087 Stück ist die Zahl in diesem Jahr auf 6995 Stück gesunken. Wie viele erlaubnisfreie Waffen – wie Samuraischwerter, Schlagstöcke und Pfefferspraydosen – in Hamelns Haushalten zu finden sind, lässt sich allerdings nicht schätzen.

Wir beantworten wichtige Fragen zu den Abwehrsprays:

Was ist der Unterschied zwischen Pfefferspray und CS-Gas? Im Pfefferspray ist „Oleoresin Capsicum“ kurz „OC“ enthalten – ein Wirkstoff, der aus scharfen Pfefferschoten gewonnen wird. „CS“ steht hingegen für „Chlorbenzyliden-Malonsäuredinitril“ – das ist im Gegensatz zum natürlichen Pfefferexktrakt ein chemischer Reizstoff. Beide Sprays sind Waffen im rechtlichen Sinn sind.

Welches Spray ist wirksamer? Das Pfeffer-Spray wird häufig als effektiveres Abwehrmittel eingestuft.

Wann und wie dürfen die Sprays eingesetzt werden? Pfefferspray ist in Deutschland nur zur Abwehr von Tieren erlaubt. Ausnahme: Eine Notwehrsituation, also wenn man „rechtswidrig angegriffen“ wird. Dabei muss es sich um einen wirklichen, nicht nur vermeintlichen Angriff handeln.

Wie wirkt das Spray? Der Wirkstoff sorgt für Schmerzen und Schwellung in den Augen, der Tränenfluss ist stärker. Zudem kann das Spray Husten auslösen – bis zu Atemkrämpfen. Auch die Haut kann durch den Reizstoff brennen.

Wer darf das Spray kaufen? Jugendliche ab 14 Jahren dürfen mit den Sprays umgehen. Es sind nur Sprays erlaubt, die staatlich zugelassen sind. Ansonsten handelt es sich um verbotene Waffen.

Kann auch für diese frei verkäuflichen Sprays ein Verbot erteilt werden? Ja, das ist durchaus möglich. Und zwar, wenn die betreffende Person diese erlaubnisfreien Waffen missbräuchlich einsetzt – der Landkreis kann dann auch hier ein Verbot aussprechen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?