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Jana Grebe bekommt „Preis für Zivilcourage“

Verloren und doch gewonnen

Die ehemalige Fallmanagerin des Jobcenters in Osterholz-Scharmbeck hat aus Gewissengründen gegen ihren Arbeitgeber protestiert. Der machte ihr das Leber schwer. Grebe zog vor Gericht und verlor. Nun wurde sie von der Hamelner Solbach-Freise-Stiftung für ihren Mut ausgezeichnet.

veröffentlicht am 29.10.2017 um 18:32 Uhr

Jana Grebe wehrte sich gegen ihren Arbeitgeber. Foto: eaw
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Ernst August Wolf Reporter
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HAMELN. Jana Grebe hat sich gegen ihren Arbeitgeber aufgelehnt, Ungerechtigkeiten angeprangert und vor Gericht verloren. Jetzt ist die ehemalige Fallmanagerin beim Jobcenter der Agentur für Arbeit in Osterholz-Scharmbeck mit dem „Preis für Zivilcourage“ der Solbach-Freise-Stiftung ausgezeichnet worden.

Die 36-Jährige hatte sich gegen eine als Serienbrief verfasste „Eingliederungsvereinbarung“ gewandt, die infolge Personalmangels ohne die vorgeschriebene individuelle Anhörung an die Klienten verschickt worden war. „Viele haben dann die mehrseitige, ihnen kaum verständliche Vereinbarung einfach unterzeichnet und zurückgeschickt, ohne den Inhalt verstanden zu haben“, sagt Grebe. Sie protestierte. Vergeblich. Die vom Arbeitgeber geforderte Umsetzung verweigerte sie „aus Gewissensgründen“. Der Konflikt eskalierte. Nach und nach wurden ihr Kompetenzen entzogen, sie wurde drangsaliert.

„Der Preis ist eine große Wertschätzung für mich, denn es ist wichtig, für andere Leute einzustehen“, so Grebe bei der Preisverleihung in der Sumpfblume.

Die Laudatio auf die 21. Preisträgerin des unter dem Motto „Demokratie wagen – Zivilcourage zeigen“ verliehenen, mit 5000 Euro aus den Vermögen der Solbach-Freise-Stiftung dotierten Preises, hielt die Trägerin des „taz-panther-Preises“ von 2013, Inge Hannemann.

„Jana Grebe hat im Einsatz für ihre Mitmenschen ihren sicheren Arbeitsplatz aufs Spiel gesetzt und verloren. Und sie hat auf eine Grundkritik an Hartz IV und den Fehler im System hingewiesen“, so Hannemann. Es sei bewundernswert wie sich Grebe mit dem anschließenden „Mobbing und Bossing“ auseinandergesetzt habe. „Ich habe ihr geraten, nie die entsprechenden Foren in den sozialen Medien anzuschauen, denn das macht einen wirklich fertig“, so die Laudatorin.

Bei der Preisverleihung in der Sumpfblume gab es Lob von allen Seiten für die Kulturwissenschaftlerin, die vor dem Amtsgericht Verden verlor, ihren Job aufgeben musste und derzeit als systemischer Coach in der Erwachsenenbildung zum Thema „Umgang mit Konflikten“ arbeitet.

„Wir erwarten von unseren Mitarbeitern, dass sie ihre Meinung sagen“, so der Geschäftsführer der Bürgerstiftung Weserbergland, Bernhard Kruppki. Gute Arbeitgeber wissen, so der Banker, dass nur ein Team Sieger sein könne. Landrat Tjark Bartels versicherte, dass derlei in seinem Zuständigkeitsbereich nicht vorkommen könne. „Schließlich bemühen wir uns, den Menschen zu helfen.“

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