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Nikolaus Heidelbachs preisgekröntes Bilderbuch „Wenn ich groß bin, werde ich Seehund“

Verlockende Welt geheimnisvoller Wesen

Am Ende steht der Junge vor dem endlos weiten Meer, klein und verloren, und sagt jene Worte, die in Nikolaus Heidelbachs preisgekröntem Buch so schicksalsschwer wiegen: „Wenn ich größer bin, werde ich Seemann. Oder Seehund.“ Schwimmen hat der Fischerjunge nie gelernt. Er konnte es schon immer. Nur im Wasser fühlt er sich so richtig wohl. Über das Meer können er und seine Mutter stundenlang reden, obwohl diese niemals ins Wasser ging. Nicht einmal mit den Füßen. Aber die Mutter kennt fantastische Geschichten von Meerjungfrauen, Krabbenmädchen, Tintenprinzen, Todesquallen, Miesschnecken und Meertrollen. Die ganze geheimnisvolle Unterwasserwelt wird in ihren Erzählungen lebendig. Der Junge lauscht und staunt. Bis er eines Tages ein Seehundfell findet. Und die Mutter verschwindet. „Ich glaube, Mama kommt nicht zurück“, sagt der Junge. Und der Leser ahnt, was geschehen ist, fühlt sich am Ende dieses Buches, das in knappen, anschaulichen Sätzen und opulenten Bildern so unendlich viel aussagt, seltsam entrückt – entzückt und traurig zugleich.

veröffentlicht am 24.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 03:41 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Wie einst Hans Christian Andersen in seinen Märchen erschließt auch Nikolaus Heidelbach in seiner Geschichte fantastische Traumwelten, vernetzt diese mit der Realität eines Alltags, unter dessen Oberfläche surreale Untiefen schlummern: Das ist der Junge, der wie ein Fisch im Wasser schwimmt. Das Seehundfell, das er entdeckt. Die Mutter, die kurz danach verschwindet. Der Vater, der nicht mehr fischen gehen will. Und die Makrelen, die der Junge hin und wieder als Gabe auf dem großen Stein am Strand findet. In die Trauer darüber, dass seine Mutter nicht zurückkehren wird, mischt sich für den Jungen die Hoffnung, eines Tages in jenes Unterwasserreich abzutauchen, von dem ihm die Mutter so oft erzählt hat, und ihr wieder ganz nah zu sein.

Bei aller Melancholie und Tragik ist Heidelbachs Buch auch sehr hoffnungsvoll und tröstlich. Denn parallel zu der Geschichte, die zarte Schauer über den Rücken jagt, gibt es diese überwältigenden Bilder: fantastische Aquarelle von geheimnisvollen Meereswesen, die in die dunkle, lockende Weite des Ozeans entführen.

Nikolaus Heidelbach: „Wenn ich groß bin, werde ich Seehund“, Verlag Beltz & Gelberg, 14,95 Euro



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