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Wie Stadt und Landkreis für das Projekt Südumgehung in Berlin kämpfen

„Verkehrsbelastung verschleiert“

HAMELN. Nach dem bisherigen Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes gibt es keinen „vordringlichen Bedarf“ für die Südumgehung. Stadt und Landkreis haben daher eine Stellungnahme nach Berlin geschickt, um für das Projekt zu kämpfen. Sie werfen Berlin vor, die Verkehrsbelastung nicht korrekt dargestellt zu haben.

veröffentlicht am 02.05.2016 um 17:04 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:40 Uhr

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Autor:

von Andrea Tiedemann
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Die Südumgehung muss her – darin sind sich Stadt und Landkreis einig und haben daher eine Stellungnahme nach Berlin geschickt. Denn nach dem bisherigen Entwurf des Bundesverkehrswegeplanes (BVWP) ist die Südumgehung aus dem „vordringlichen Bedarf“ herausgenommen. Stattdessen wurde die Westumfahrung höher priorisiert, obwohl keiner darum gebeten hatte (wir berichteten).

Bis Montag konnten Bürger und Behörden ihre Einwände zum Verkehrsministerium schicken. Mit welchen Argumenten kämpfen die Hamelner für das Vorhaben?

Verkehrsentlastung: Aus dem eingeschickten Papier, das der Dewezet vorliegt, geht hervor, dass in erster Linie mit der Entlastung des Verkehrs durch die Südumfahrung argumentiert wird – der Blick geht dabei in mehrere Himmelsrichtungen: Ausbaubedarf bestehe vor allem, weil „Hameln Schnitt- und Endpunkt der Bundesstraßen 1, 83 und 217“ sei. Kritisiert wird, dass in dem bisherigen Entwurf aus Berlin die Verkehrsbelastung nicht korrekt dargestellt ist. „Die höchsten Verkehrszahlen weisen gegenwärtig die Pyrmonter Straße mit knapp 40 000 Kfz/24 Stunden, der Innenstadtring mit der südlichen und nördlichen Weserbrücke mit gegenwärtig bis zu 28 900 Kfz/24 Stunden und die Deisterstraße/Deisterallee“, mit 23 800 Kfz/24 Stunden auf.“ Da die Berliner aber nicht die Verkehrszahlen für den Bereich in Hameln in den Fokus rücken, sondern auf die „deutlich geringere mittlere Kfz-Belastung (14 000 Kfz/24 Stunden) des Gesamtprojektes“ – Ausbau der Strecke zwischen Barntrup und Elze – verwiesen, „wird diese dramatische Verkehrsbelastung verschleiert“, so Stadt und Landkreis. Die genannten Knotenpunkte seien schon heute überlastet, hätten sich in den letzten Jahren zudem als Unfallschwerpunkte erwiesen und würden zudem dazu führen, dass das „nachgeordnete innerstädtische Straßensystem hohen Belastungen“ ausgesetzt sei.

In dem Papier wird herausgestellt, wie sich der Verkehr – jeweils mit und ohne Südumgehung – entwickeln würde. Ohne Bau würde sich der Verkehr laut Hamelner Behörden bis zum Jahr 2020 an der Pyrmonter Straße auf 42 7000 Kfz/24 h, an der nördlichen Weserbrücke auf 30 950 Kfz/24 h und im Bereich Deisterstraße/Deisterallee auf 26 800 Kfz/24 h steigern. Mit Südumgehung könnte der Verkehr auf der Pyrmonter Straße auf 28 850 Kfz/24 h sinken, auf der nördlichen Weserbrücke auf 25 650 Kfz/24 h und im Bereich Deisterstraße/Deisterallee auf 21 400 Kfz/24 h.

Städtebauliche Bedeutung: Auch sei nicht nachvollziehbar, warum man in Berlin glaube, das Projekt habe keine „keine städtebauliche Bedeutung“. Planungen seien nämlich nur möglich, wenn der Verkehr reduziert würde. Für die Deisterstraße war in Hameln unter anderem bereits angedacht, den Raum für Fußgänger zu erweitern. Luftqualität: Wo Verkehr ist, sind Abgase. Laut Papier wurden durch die hohe Belastung sowohl an der Deisterstraße als auch an einem Abschnitt der Fischbecker Straße die Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschritten – er liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Bei der Deisterstraße wurde 2007 ein Jahresmittelwert von 71 Mikrogramm gemessen.

Urteil zur Südumgehung: Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte im August vergangenen Jahres einige Punkte bei der Planung der Südumgehung gerügt (wir berichteten). Diese könnten aber behoben werden, stellen die Hamelner gegenüber Berlin klar. Eine Mängelbeseitigung sei „möglich“. Das größte Problem – die Eingrenzung des spezifischen Schutzgebiets auf den Gewässerbereich der Fluthamel – „soll 2017 abgeschlossen sein“. Zudem zitieren die Hamelner das Gericht: „Diese Verkehrszahlen rechtfertigen das Projekt“, heißt es in der Urteilsbegründung. Dass in dem Papier nicht auf die Westumgehung eingegangen wird, findet Markus Brockmann, Leiter des Hamelner Bereichs der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, „klug“. Man solle jetzt keine Abhängigkeiten schaffen, die nicht zwingend sein müssen. „Die Westumfahrung liegt in weiter Ferne“, so Brockmann, die wichtigere Botschaft sei: Die Südumgehung muss in den vordringlichen Bedarf – und das sei deutlich geworden.



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