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Wegen Hubschrauber-Tiefflügen

Verhindert Bundeswehr erneut Windräder in Hameln?

Windkraftanlagen bei Haverbeck? Die Aufregung im Dorf ist offenbar groß. Doch sind die Anlagen an dieser Stelle überhaupt realistisch? Zweifel sind angebracht: Die Bundeswehr besteht auf mehr Platz für Hubschrauber-Tiefflüge, als ihn die Stadt bisher vorsieht.

veröffentlicht am 14.06.2019 um 13:55 Uhr
aktualisiert am 14.06.2019 um 15:20 Uhr

Windräder bei Hilligsfeld. Wo sind weitere Anlagen im Hamelner Stadtgebiet möglich? Die Suche hat begonnen. Foto: Dana
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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HAMELN. Die Stadt muss neue Flächen für Windkraftanlagen ausweisen. Rechtliche Vorgaben wurden geändert, die vorhandenen zwei Flächen sind voll. Also geht eine im Grunde schon seit Jahrzehnten andauernde Suche in die nächste Runde. Eine Fläche bei Haverbeck geriet beispielsweise in den Blick. Protest wurde laut, Banner wurden aufgestellt. Dann brachte Renee Mittag, Vorsitzender der CDU Hameln aus Halvestorf, ein von der Stadtverwaltung wohl nicht mehr gern gehörtes Stichwort in die Diskussion: Tiefflugkorridor. Genutzt wird dieser Korridor in Richtung Stadtoldendorf von den Hubschrauberpiloten des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums in Bückeburg. Und dieser könnte tatsächlich die Überlegungen oder Befürchtungen an der westlichen Grenze des Stadtgebiets beenden.

Zwar verteidigte etwa Stadtbaurat Hermann Aden den bisher von der Stadt einkalkulierten Korridor von 1500 Metern Breite – 750 Meter auf beiden Seiten der „Streckenmittellinie“. Dass dieser ausreiche, bezweifelte jedoch Mittag. Er sei „kein Windkraftgegner“, betont er, lege jedoch Wert auf eine solide Planung. Die Bundeswehr bestätigt auf Dewezet-Nachfrage seine Zweifel: „Die Nachttiefflugkorridore sind drei Kilometer breit“, stellt Kai Stobbe, Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr, klar. Die Annahme der Stadtverwaltung, müsse „ein Missverständnis“ sein. „Die Stadt Hameln wurde bereits durch die Bundeswehr darüber informiert.“

Die Stadt geht bei ihrer Suche nach Windkraft-Standorten dennoch weiterhin von einem schmaleren Streifen für die Hubschraubertiefflüge aus. Die Begründung: Zwar hat die Bundeswehr den Bau dreier weiterer Hamelner Windkraftanlagen zwischen Hilligsfeld, Unsen und Flegessen mit Verweis auf die Trainingsroute der Hubschrauberpiloten gerichtlich gestoppt. Ein städtischer Antrag auf Revision wird derzeit noch geprüft. Die Pläne für drei weitere Anlagen auf Bad Münderaner Gebiet waren schon vorher fallen gelassen worden. Ein anderes Windrad aber, innerhalb des Drei-Kilometer-Korridors, bekam das Okay, und auch in Bad Münder seien Vorrangflächen innerhalb der 3000 Meter ausgewiesen worden, argumentiert die Stadt Hameln. Also berücksichtigen die Zuständigen im Rathaus bei ihrer Suche erst einmal lediglich die 1500 Meter als „hartes“ Tabukriterium. Ob es dabei bleibt, werde dann das weitere Planverfahren zeigen, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. „Wir dürfen Flächen nicht voreilig verwerfen.“

Leicht macht es die Bundeswehr der Stadtverwaltung allerdings auch nicht, ihre Wünsche einzuplanen: Zwar sei aus Bückeburg auf den Schutzabstand von zweimal 1500 Metern hingewiesen worden – wie gesagt: auf beiden Seiten der Streckenmittellinie. Die Frage bleibt jedoch, wo diese Linie genau verläuft. Immerhin so viel ist klar: „Für die Stadt Hameln sind zwei Tiefflugkorridore zu beachten, einmal im nord-östlichen Stadtgebiet (Hilligsfeld) und an der westlichen Stadtgebietsgrenze (Halvestorf/Haverbeck)“, schreibt Rathaussprecher Wahmes. Konkretes Kartenmaterial allerdings habe es „trotz mehrfacher Nachfrage“ für die Stadtverwaltung weder von den Heeresfliegern im Nachbarlandkreis noch aus dem Verteidigungsministerium gegeben.

Auch auf die Dewezet-Frage, wo genau die Hubschrauber-Route denn nun über das Stadtgebiet führt, gibt der Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr keine Auskunft, sondern erklärt: „Die genaue Streckenführung unterliegt der Geheimhaltungsstufe ,nur für den Dienstgebrauch‘, um unsere Piloten vor gezielten Laserblendversuchen zu schützen.“ Konkret äußern will sich die Bundeswehr offenbar erst, wenn genaue Windradstandorte feststehen. „Für weitere Stellungnahmen“ erbitte die Bundeswehr „konkrete Standortdaten“ – zudam auch Anlagentyp, Nabenhöhe, Rotordurchmesser und Gesamthöhe.

Durchsetzen allerdings will die Bundeswehr den Drei-Kilometer-Korridor offenbar. So hat sie es bei dem Vorgehen gegen die geplanten Anlagen zwischen Hilligsfeld und Flegessen gezeigt und so lässt es sich aus Äußerungen von Sprecher Kai Stobbe herauslesen: „Die sichere und effektive Durchführung des Tieffluges von Hubschraubern bei Nacht ist entscheidend für die Einsatzbereitschaft der Heeresfliegertruppe und somit für die Bundeswehr“, teilt er mit – und weiter: „Die Bundeswehr hat den Auftrag diese Einsatzbereitschaft sicherzustellen und den Flugbetrieb sicher durchzuführen.“ Was für Mittel dazu notwendig seien, das sei dann „abhängig von der jeweiligen Situation“.

Was heißt das nun für die Suche nach Windkraftstandorten in Hameln? Bei einem Tiefflugkorridor von drei Kilometern wäre wohl davon auszugehen, „dass im Bereich Halvestorf/Haverbeck keine sinnvolle Ausweisung eines Vorranggebietes mehr möglich wäre“, räumt Rathaussprecher Thomas Wahmes ein. Vor Ort sicherlich eine gern gehörte Nachricht. Aus dem Schneider wäre Hameln damit aber nicht. Der Blick dürfte sich dann verstärkt auf andere denkbare Flächen richten: den Rennacker im Klütviertel zum Beispiel, vielleicht auch weitere Standorte bei Afferde oder bei Hastenbeck. Oder auch – denn das ist inzwischen möglich – im Stadtwald.



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