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Piraten/Linke unterstützen Pfandring-Idee

Unwürdiger Anblick?

Hameln. Es ist ein Bild, das manchen beschämt, der es sieht: Menschen, die in genau dem Mülleimer wühlen, in den man ein paar Minuten zuvor selber seinen Abfall geworfen hat. Flaschensammler gibt es nicht nur in großen Städten, auch in Hameln versuchen ärmere Leute, sich damit etwas hinzuzuverdienen.

veröffentlicht am 09.12.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 13:21 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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„Wir halten das Wühlen in Mülleimern nach Verwertbarem für menschenunwürdig“, sagt Lars Reineke von der Fraktion Piraten/Die Linke. „Das Problem wird sich nicht allein durch Wegsehen lösen lassen.“ Zudem müsste man ein Interesse daran haben, insbesondere bei Touristen, solche Bilder zu vermeiden, die im Müll wühlende Flaschensammler hinterlassen.

Eine Lösung, die die Fraktion unterstützt, hat eine Bürgerin auf dem Internetportal „open-antrag“ präsentiert: Sie schlägt vor, sogenannte Pfandringe an den öffentlichen Mülleimern anzubringen. In diese Halterung kann jeder seine Pfandflaschen hineinstellen, der sie nicht selber zum Rückgabeautomaten bringen möchte. „Das wäre sehr hilfreich“, sagt auch Irmhild Luise Beel-Zimmer vom Senior-Schläger-Haus. „Einige unserer Besucher sammeln Pfandflaschen.“ Und einige berichten, dass die Konkurrenz in diesem Geschäft immer größer werde. Festgelegte „Sammelbezirke“, wie es sie früher gab, könne man heute nicht mehr beanspruchen. Einer der regelmäßigen Sammler in Hameln habe immer einen Handschuh dabei, erzählt Beel-Zimmer – um sich vor Dreck und Verletzungen zu schützen. Zwar würden überwiegend Plastik-Pfandflaschen gesammelt, weil sie leichter seien und mehr Pfand brächten, aber auch Glasflaschen werden mitgenommen.

Ob es nun ein Pfandring um den Mülleimer herum oder eine Pfandkiste wird, die man daneben platziert, müsste gegebenenfalls durch einen Prüfauftrag an die Stadtverwaltung ermittelt werden, so Reineke. Zudem müsste geklärt werden, an welchen Standorten sich so etwas für Hameln überhaupt eigne.

„Da sich solche Projekte zudem meist durch Spenden finanzieren, wäre es für uns schon ein großer Teilerfolg, wenn solche Pfandringe oder -kisten zumindest geduldet würden“, so der Pirat. Als Vorbild nennt er München, wo das Modell mit großer Akzeptanz praktiziert werde.

„Die Problematik ist bekannt“, sagt Claudio Griese, Sprecher der städtischen CDU-Fraktion. Ob so ein Ring der richtige Weg sei, müsse man aber prüfen. Schließlich stelle sich auch die Frage, wie solche Ringe im Stadtbild aussähen. Gerade weil man über die Wahl der Mülleimer im Rahmen der Fußgängersanierung lange diskutiert habe, sei er derzeit zurückhaltend. Auch Ursula Wehrmann (Grüne) hat grundsätzlich nichts gegen die Idee. „Wenn viele in den Tonnen wühlen, sieht das ja nicht gut aus und das ist auch unwürdig.“ Dennoch hat sie Bedenken, wenn sie an die aktuelle Gestaltungssatzung denkt. Das müsse schon optisch ins Gesamtbild passen, so Wehrmann. Sonst würden sich die Anlieger zu Recht beschweren, wenn man ihnen vorher detaillierte Vorgaben mache. Bereits vor einem Jahr waren Pfandringe in Rinteln im Gespräch – das Thema ist dort jedoch versandet. Damals äußerte sich Hamelns Sprecher Thomas Wahmes eher ablehnend. Er fürchtete, dass anderer Müll in den Ringen landen könnte. Zudem halte er das Problem für eher gering.

Glaubt man der Ideengeberin, sollte man den sozialen Aspekt nicht unterschätzen: Touristen und Einheimische werden das städtische Bemühen um Sauberkeit und sozialem Engagement zu schätzen wissen. Reineke plant, das Thema nach der Haushaltsverabschiedung detaillierter zu besprechen.

Ein Bild, das auch in Hameln zu sehen ist: Arme Menschen suchen in Mülleimern nach Pfandflaschen. Dabei scheuen sie weder Dreck noch Verletzungsgefahr durch Glassplitter.Dana



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