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Selbstanzeige bei Steuerfahndung / Immobilienverwaltungsgesellschaft beantragt Insolvenz

Unternehmer veruntreut Geld seiner Kunden

Hameln. Er hat Treuhandkonten seiner Kunden abgeräumt und irgendwann eingesehen, „dass es so nicht mehr weitergehen kann“. Der Geschäftsführer (47) einer Hamelner Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die sich eigenen Angaben zufolge auf dem Gebiet der Immobilienverwaltung und -betreuung „eine führende Position erarbeitet hat“ und sich bislang „um zirka 90 Objekte mit rund 1500 Wohneinheiten“ kümmerte, will reinen Tisch machen. Der Familienvater ist zu seinem Anwalt gegangen und hat ihm erzählt: „Ich habe Mist gebaut und mindestens 60 000 Euro, die meinen Kunden gehören, veruntreut.“

veröffentlicht am 21.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 07:21 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Seine Firma ist zurzeit geschlossen, der zerkratzte Edelstahl-Briefkasten wird nicht mehr regelmäßig geleert. Am Telefon meldet sich eine weibliche Stimme von der Mailbox, die ihr Bedauern darüber ausdrückt, dass „zurzeit keine weiteren Nachrichten mehr angenommen werden können“. Der ehemalige Firmenchef habe Angst vor den Reaktionen der Geschädigten, sagt jemand, der ihn kennt.

Der 47-Jährige hat inzwischen für die GmbH beim Amtsgericht Hameln Insolvenz angemeldet. Die Firma sei nicht mehr zahlungsfähig, heißt es. Eine Richterin ist noch dabei, den Antrag zu prüfen.

Strafverteidiger Roman von Alvensleben, dem sich der Mann anvertraut hat, riet seinem Mandanten zunächst zu einer Selbstanzeige bei der Steuerfahndung. Grund: Der Rechtsanwalt hoffte, der Unternehmer könne auf diese Weise einer Strafverfolgung durch die Staatsanwaltschaft entgehen. Der Geschäftsführer habe – so soll es sinngemäß in der von ihm gemachten Anzeige stehen – weder die legal noch die illegal erzielten Einnahmen in seiner Steuererklärung privat angegeben. Nach dem Gesetz darf ein Steuerstraftäter bei Selbstanzeige auf Straffreiheit hoffen. „Für andere Delikte kann im günstigsten Fall eine Art Sperrwirkung erreicht werden“, erklärt der Anwalt. Soll heißen: Diese Taten würden dann nicht verfolgt. Dem widerspricht die Oberfinanzdirektion Niedersachsen. „Eine Sperrwirkung gibt es nicht. Es hängt vom Einzelfall ab, ob ein Strafsachenbeamter die Erkenntnisse, die ihm im Rahmen eines Steuerstrafverfahrens bekanntgeworden sind, an die Staatsanwaltschaft weitergibt“, sagt Regierungsdirektor Karsten Pilz – und ergänzt: „Finanzbeamte müssen das Steuergeheimnis nicht wahren, wenn sie zu dem Schluss kommen, dass ein zwingendes öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung besteht.“

Offenbar haben das die Steuerfahnder im Fall des kriminell gewordenen Unternehmers so gesehen. Das Finanzamt für Fahndung und Strafsachen prüfte die Angaben, leitete die Selbstanzeige jedoch an das für Betrug und Wirtschaftsstraftaten zuständige 3. Fachkommissariat des Kriminaldienstes in Hameln weiter. Dort ging die Akte Mittwochvormittag ein. Die Polizei ermittelt gegen den Hamelner wegen Untreue.

Über die Motive des Geschäftsführers kann nur spekuliert werden. Das von Treuhandkonten abgeräumte Geld will er „privat und geschäftlich verbraucht haben“. Es heißt, das Amtsgericht Hameln habe den Mann vor geraumer Zeit dazu verurteilt, 36 000 Euro an eine Eigentümergemeinschaft zurückzuzahlen. Der Immobilienverwalter soll diese Summe mit dem Geld seiner Kunden bezahlt haben. „Mein Mandant hat zwei schwer kranke Kinder. Er ist lange Zeit von Klinik zu Klinik gefahren, hat dadurch seine Arbeit vernachlässigt und wohl auch Geld gebraucht“, vermutet Anwalt Roman von Alvensleben. Sein Mandant habe viele Rücklagenkonten von Eigentümer-Gemeinschaften nicht angegriffen, und er wolle dies auch in Zukunft nicht tun. „Er hat eingesehen, dass das, was er getan hat, falsch war und will – so weit das möglich ist – für den finanziellen Schaden aufkommen.“ Die Geschädigten – wie viele es sind, ist noch unklar – wurden nicht nur um ihre Rücklagen, die für Renovierungsmaßnahmen vorgesehen waren, gebracht. Auf sie könnte noch jede Menge Ärger zukommen. „Wir wissen ja nicht, ob die Gesellschaft alle Rechnungen für Strom, Gas, Wasser und Müll bezahlt hat“, sagt der Vorsitzende einer Eigentümergemeinschaft. Mahnungen würden vielleicht im zeitweise übervollen Briefkasten der Firma landen. „Die Wohnungseigentümer können für ihre Mieter auch keine Abrechnungen für 2010 erstellen.“ Rechtsanwalt von Alvensleben versteht die Sorgen der Eigentümer. Er hofft deshalb, dass das Amtsgericht so schnell wie möglich einen Insolvenzverwalter einsetzt, damit wieder Briefe beantwortet und Zahlungen geleistet werden können.

Strafverteidiger Roman von Alvensleben vor Häusern, deren Wohnungseigentümer-Gemeinschaften vermutlich um ihre Rücklagen gebracht wurden. Foto: ube



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