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Wann immer sie kann, ist Larissa Knote ohne Schuhe unterwegs – trotz Kälte, Splitt und Dreck

Unten ohne durch Hameln

Hameln. Nackte Füße sieht man vor allem im Sommer, im Schwimmbad oder eben Zuhause in den eigenen vier Wänden. Larissa Knote ist am liebsten das ganze Jahr ohne Schuhe unterwegs – auch in der Öffentlichkeit. „Barfußlaufen ist für mich gute Laune“, sagt die 51-Jährige. Der Zeitung erklärt sie warum.

veröffentlicht am 23.02.2016 um 17:17 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:21 Uhr

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Autor:

Svenja-A. Möller
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Larissa Knote öffnet die Haustür. Sie ist sportlich gekleidet und eigentlich gerade auf dem Sprung zur nahegelegenen Grundschule. „Können wir zwei Sachen verbinden? Ich muss nur kurz etwas abgeben. Dauert nur zehn Minuten“, sagt Knote. Sie zieht ihre Socken aus, zieht die Tür hinter sich zu und macht sich auf den Weg – barfuß.

Eigentlich, seit sie denken kann, geht Knote wo und wann sie kann, barfuß. „Zwischendrin gab es mal eine Zeit, etwa zehn Jahre, in denen ich nicht barfuß gelaufen bin oder nur gelegentlich“, sagt Knote. Mittlerweile ist sie aber wieder dabei angekommen, immer ohne Schuhe unterwegs zu sein.

Der Weg zur Grundschule ist nicht weit, aber schon auf ein den wenigen Metern wird klar: Barfußlaufen ist kein Zuckerschlecken. Blätter und Unrat liegen auf dem Weg, unter den eigenen Schuhen knirschen Kieselsteinchen und Streugut vom letzten Frost. Warum geht man da freiwillig mit der nackten Fußsohle? „Ich mag den Kontakt zum Boden, die Verbindung die sich entwickelt“, sagt die 51-Jährige. „Für mich ist es eine Befreiung.“ Den Rollsplitt unter den Füßen spürt sie natürlich auch. „Ich sehe das aber eher als Massage, als Akupunktur“, erklärt Knote. Der Fuß rolle an solchen „schwierigen“ Stellen auch ganz anders ab. Kalt werden ihre Fuß natürlich auch, aber auch daran stört Knote sich nicht. „Ich konzentriere mich da auf etwas ganz anderes.“ Am liebsten laufe sie aber natürlich auf dem Waldboden und Baumwurzeln. „Barfuß laufen ist für mich gute Laune holen“, sagt Knote.

Mit dem dauerhaften Barfußlaufen hat sie nicht bewusst an einem Tag begonnen. „Ich laufe einfach schon immer barfuß“, sagt Knote. Außer bei Schnee und Eis – da ziehe sie ab und auch mal Schuhe an. Die hat Knote natürlich auch, so wie jede Frau. „Ich habe Sportschuhe, Wanderschuhe, Tanzschuhe, Gummistiefel. Ich komme schon so auf 10 Paar Schuhe“, erklärt Knote. Es zeigt sich aber: Larissa Knote hat eher Schuhe für spezielle Anlässe und Funktionen. „Insbesondere bei den Tanzschuhen finde ich es schade, dass man sie so selten anzieht. Das ist schon eine Form der Verschwendung. Auch wenn man bedenkt, welchen Weg diese Schuhe hinter sich haben. Mit Flugzeugen von hier nach da, das Leder, die Farbe, die benötigt wurde“, erklärt Knote. Dass sie konsequent barfuß läuft, hat also auch etwas mit Konsumkritik zu tun.

Negative Kommentare für ihre nackten Füße bekommt Knote kaum, sagt sie. „Eher viele positive Stimmen. Und wenn dann doch mal einer fragt: ,Warum denn barfuß?‘ antworte ich ,Warum Schuhe?‘“, erklärt die 51-Jährige. Einer ihrer älteren Söhne, der sich auch zum dauerhaften „unten ohne“ Laufen entschlossen hat, bekomme da häufiger negatives Feedback.

Knote hat vier erwachsene Kinder und ein Zwillingspärchen im Grundschulalter. Auch die Zwillinge laufen gerne und viel barfuß. Dazu hätten sie sich irgendwann selbst entschlossen. „Die Kinder haben genug Schuhe. Sie ziehen sie aber meist nicht an. Es ist ihnen zu viel Aufwand und sie laufen lieber barfuß.“ Selbst im Winter würden die Zwillinge die Schuhe manchmal kurz hinter dem Schulhof ausziehen und es genießen, mit den nackten Füßen durch den Schnee nach Hause zu laufen. „Hier stecke ich sie dann gleich in die Badewanne.“ Doch natürlich ziehen auch die Kinder ab und an mal Schuhe an. „Beim Klettern auf Bäumen zu Beispiel. Wenn sie merken, dass es ohne Schuhe doch wehtut. Dann ziehen sie das nächste Mal Schuhe an“, sagt Knote.

Manchmal zieht auch Larissa Knote Schuhe an. Nämlich dann, wenn sie bewusst etwas von ihrer Umgebung mitbekommen möchte. „Wenn man barfuß läuft, schaut man viel auf den Boden, um zu sehen, wohin man tritt“, erklärt sie. Mit Schuhen müsse man sich weniger auf den Weg konzentrieren und könne den Blick auch mal schweifen lassen.

Einen Vortrag über und von einem ganz besonderen Barfußläufer gibt es heute, Mittwoch, 24. Februar, im Tönebön am Klüt am Breckehof 1. Martl Jung aus Murnau berichtet ab 19.30 Uhr über seine außergewöhnliche Tour über die Alpen. Er ist barfuß von München nach Verona gewandert und hat dabei auch Gletscher und Klettersteige ohne Schuhe bezwungen.



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