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"Unsere Produkte sind frei von Kinder- und Zwangsarbeit"

veröffentlicht am 18.03.2010 um 17:38 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Hameln (ni). Kinder, die gegen einen Hungerlohn schwere Steine schleppen, ausgemergelte Zwangsarbeiter, die sieben Tage in der Woche 16 Stunden lang schuften müssen – damit sich die Stadt Hameln chinesischen Granit für die Pflasterung des Pferdemarktes leisten kann? „Nein“, sagt der Erste Stadtrat Eckhard Koss  und wehrt sich gegen den Vorwurf, die Stadt unterstützte mit ihrer Stein-Wahl die Ausbeutung von Zwangsarbeitern und Kindern in der kommunistischen Volksrepublik. „Nein“, versichert auch das Diepholzer Unternehmen, das den Granit für die Hamelner Fußgängerzone aus China importiert und gegenüber der Stadt schriftlich erklärt hat, „dass unsere Produkte frei von Kinder- und Zwangsarbeit sind“.
Das in Diepholz ansässige Unternehmen handelt mit Natursteinen und pflegt laut Aussage des Geschäftsführers seit 15 Jahren Geschäftsbeziehungen zu seinen chinesischen Partnern. „Wir arbeiten nur mit großen Werken zusammen, legen viel Wert auf langfristige Zusammenarbeit und vernünftige Arbeitsbedingungen“, sagt er. 

Dass ein Unternehmen auf langfristige Geschäftsbeziehungen mit festen Partnern in China setzt und den Markt nicht immer nur nach den gerade billigsten Angeboten abgrast, ist für Dr. Heinecke Werner „schon mal ein gutes Zeichen“; aber noch keine Garantie dafür, dass die gesetzlichen Bestimmungen für Beschäftigung und Arbeitsschutz, die es in China durchaus gibt, in der Praxis auch eingehalten werden. Werner ist Entwicklungshilfe-Experte, hat sowohl für Nicht-Regierungs-Organisationen als auch für das deutsche Entwicklungshilfeministerium gearbeitet und ist dabei zu der Überzeugung gekommen, „dass Unternehmer die besseren Entwicklungshelfer sein können“. Vor zehn Jahren gründete er selbst ein Unternehmen: „Win=Win“, die „Agentur für globale Verantwortung, die maßgeschneiderte Projekte für multinationale Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern entwickelt, sie bei der Umsetzung begleitet und auch Fördergelder beschafft. 

Ein noch junges Kind der Agentur, dass erst dabei ist, laufen zu lernen, heißt „Fair Stone“. Vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben, soll sich „Fair Stone“ zu einem Gütesiegel für Natursteinimporte aus Asien, Afrika und Indien entwickeln, das für die Einhaltung internationaler Sozial- und Umweltstandards in den Steinbrüchen und weiterverarbeitenden Betrieben in Entwicklungs- und Schwellenländern steht.
Der Diepholzer Importeur findet es „im Prinzip gut, dass es Leute gibt, die sich um solche Dinge kümmern“. Fair-Stone-Partner ist er trotzdem nicht geworden. Zum einen, weil es ihm missfällt, dass die Vergabe eines Gütesiegels für fair gehandelte Steine in der Hand eines kommerziellen Unternehmens wie „Win=Win“ liegt und nicht bei einer neutralen Instanz wie etwa der Industrie- und Handelskammer. Zum anderen, weil er Absichtserklärungen auf Papier und gelegentlichen Kontrollen nicht ganz so viel Bedeutung beimisst. Der Geschäftsführer: „Ich glaube, wir passen besser auf; weil wir ständig vor Ort sind und dauerhaft kontrollieren“.



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